Gewaltvideo: Polizei nimmt Hauptverdächtige fest, neuer Fall in Wien

15. November 2016, 12:06
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Facebook verweigert Löschung des Videos, weil es nicht gegen die Gemeinschaftsstandards verstoße

Wien/St. Pölten – Nach dem Bekanntwerden eines Gewaltvideos, auf dem schwere Misshandlungen einer 15-Jährigen in Wien zu sehen sind, ist die mutmaßliche Haupttäterin am Montagabend in der Polizeiinspektion Wagramer Straße in Wien-Donaustadt bei ihrer Einvernahme festgenommen worden. Die Festnahme erfolgte aufgrund einer Anordnung der Staatsanwaltschaft St. Pölten, sagte Polizeisprecher Thomas Keiblinger am Dienstag. Die anderen drei Verdächtigen befanden sich weiter auf freiem Fuß.

Gegen die Hauptverdächtige wird wegen Körperverletzung, Nötigung und absichtlicher schwerer Körperverletzung ermittelt. Auf dem Video ist zu sehen, wie das 15-jährige Opfer beim Donauzentrum in Wien-Donaustadt von den vier Jugendlichen verprügelt, verhöhnt und beschimpft wird. Die Angreifer filmten die Tat, das Video verbreitete sich auf Facebook: Es wurde bis Dienstag rund 4,5 Millionen Mal angesehen und fast 40.000-mal geteilt.

Opfer aus Spital entlassen

Das Opfer hatte einen Kieferbruch erlitten und war operiert worden, am Montag wurde die Niederösterreicherin aus dem Krankenhaus entlassen. Die Polizei forschte alle vier Angreifer – eine 15-jährige amtsbekannte Niederösterreicherin, eine 16-Jährige aus Ecuador, die im Bezirk Gänserndorf lebt, eine 16-jährige Wienerin sowie einen 16-jährigen Tschetschenen, der in Wien wohnt – aus, sie wurden wegen schwerer Körperverletzung angezeigt.

Die Tat begangen hatten sie am vergangenen Mittwoch in der Siebeckstraße. Laut Polizei waren nichtige Meinungsverschiedenheiten das Motiv. Die mutmaßliche Haupttäterin lebt in einer Sozialeinrichtung für Jugendliche in Niederösterreich. Am 3. November soll sie bereits eine Gleichaltrige niedergeschlagen und mit dem Umbringen bedroht haben. Ein Sozialarbeiter eines Jugendzentrums im Bezirk Tulln hatte die Tat gesehen und die Polizei verständigt.

Neuer Fall in Großfeldsiedlung

Laut Keiblinger wird die Hauptverdächtige auch in einem am Dienstag bekannt gewordenen Gewaltakt gegen eine 14-Jährige in der Großfeldsiedlung in Wien-Floridsdorf schwer belastet. Dabei soll sie gemeinsam mit mehreren anderen Opfer verprügelt und davon ebenfalls ein Video angefertigt haben. "Dieses Video haben wir auf dem Handy der 15-Jährigen gefunden", sagte Keiblinger.

Die 14-Jährige soll am 10. November auf einem Spielplatz in der Kürschnergasse von fünf bis sechs Jugendlichen zusammengeschlagen worden sein, zwei hätten das Mädchen festgehalten. Es kam mit leichten Verletzungen davon. Die Mutter hatte den Vorfall angezeigt und nach Bekanntwerden des zweiten Videos, in dem die Misshandlung der 15-Jährigen zu sehen ist, ergänzt, dass es sich teilweise um dieselbe Tätergruppe handle.

Streit um Kleidung als Auslöser

Die 14-Jährige hatte angegeben, dass sie der Hauptverdächtigen Gewand geborgt habe. Als sie einander trafen, um die Kleidung zurückzugeben, habe die 15-Jährige plötzlich selbst Gewand zurückgefordert, das sie angeblich der Jüngeren geliehen habe. Laut Keiblinger waren neben der Festgenommenen jedenfalls auch zwei weitere von dem Gewaltvideo bekannte Jugendliche bei der Attacke auf die 14-Jährige dabei. Zusätzlich wird gegen mehrere bisher Unbekannte ermittelt.

Laut Keiblinger ist nicht auszuschließen, dass die Jugendlichen weitere ähnliche Straftaten begangen haben. Er bat allfällige weitere Opfer, sich bei einer Polizeidienststelle zu melden. Gegen die Hauptverdächtige, die in einer niederösterreichischen Betreuungseinrichtung lebte, wird mittlerweile in zumindest drei Fällen von Körperverletzung ermittelt.

Facebook verweigert Videolöschung

Unterdessen hat die Staatsanwaltschaft St. Pölten mit Facebook Kontakt aufgenommen. "Wir wollen erreichen, dass das Video von Facebook aus dem Netz genommen wird", sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Bisher verweigerte das soziale Netzwerk das mit dem Argument, das Prügelvideo würde nicht gegen die Gemeinschaftsstandards verstoßen – weitere Infos dazu gibt es hier. (APA, 15.11.2016)

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