Österreich fehlt Gründergeist

15. November 2016, 12:03
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Selbstständigkeit klingt für viele Österreicher verlockend, doch zwischen Theorie und Praxis klafft ein Loch

Sein eigener Chef sein und eigene Geschäftsideen umsetzen: 66 Prozent der Österreicher haben derzeit diese positive Einstellung zur Selbständigkeit – 15 Prozentpunkte mehr als noch 2015. Gemeinsam mit Japan (2016: 78 Prozent) verzeichnet Österreich damit den höchsten Anstieg im internationalen Vergleich, heißt es im Amway Global Entrepreneurship Report (Ager), der am Montag präsentiert wurde.

Österreich vor Deutschland

Im DACH-Raum hat demnach die Schweiz mit 88 Prozent die positivste Einstellung zum Gründertum, gefolgt von Österreich (66 Prozent) und Deutschland mit 63 Prozent. Weltweit sehen im Schnitt 77 Prozent die Selbstständigkeit positiv (2015: 75 Prozent), europaweit sind es 74 Prozent (2015: 72 Prozent), schreiben die Studienautoren.

"Die gezielte Förderung des Unternehmergeists auf mehreren Ebenen wirkt. So hat die einschlägige Berichterstattung in allen Medien über Start-ups und Erfolge von Jungunternehmen deutlich zugenommen", wird Norbert Kailer, Vorstand des Instituts für Unternehmensgründung und Unternehmensentwicklung der Johannes-Kepler-Universität Linz, zitiert. Nicht zuletzt werde die Infrastruktur weiter ausgebaut, insbesondere durch die Förderung von Inkubatoren, studentischen Prä-Inkubatoren und Accelerator-Programmen.

foto: amway global entrepreneurship report

Doch Theorie und Praxis klaffen mitunter auseinander. So untersuchte die Studie auch, ob die Befragten für sich persönlich die Gründung eines Unternehmens in Betracht ziehen würden. 29 Prozent der Österreicher bejahten das (Europaweit Platz 25), Deutschland liegt mit 27 Prozent dahinter, die Schweiz mit 45 Prozent voran. Deutliche Rückgänge gab es in einigen aufstrebenden Märkten: So können sich sechs Prozent weniger Türken den Start eines eigenen Unternehmens vorstellen (46 Prozent). Unter den Mexikanern sind es sieben Prozent weniger (73 Prozent), unter den Chinesen elf Prozent weniger (51 Prozent). Das stärkste Minus von 13 Prozent gab es in Vietnam, wo sich laut dem Bericht nur mehr 58 Prozent mit dem Gedanken anfreunden können, sich selbstständig zu machen.

Im weltweiten Schnitt sind 43 Prozent offen für die Gründung ihres eigenen Unternehmens, europaweit sind es 39 Prozent. Die Lateinamerikaner können sich am häufigsten den Schritt in die Selbstständigkeit (71 Prozent) vorstellen. Dahinter folgen die Asiaten (50 Prozent) und Nordamerikaner (47 Prozent). (red, 15.11.2016)

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