Entscheidung über österreichisches Nationalstadion 2017

15. November 2016, 10:49
846 Postings

Studie in Fertigstellung – ÖFB-Präsident Windtner plädiert für neue Arena

Wien – In die lange Diskussion über die Zukunft des Wiener Ernst-Happel-Stadions kommt Bewegung. Derzeit wird eine Studie fertiggestellt, die Aufschluss darüber geben soll, wie es mit dem größten Stadion Österreichs weitergeht. Eine neuerliche Renovierung wie schon vor der EM 2008 ist nach derzeitigem Stand genauso möglich wie ein kompletter Neubau.

ÖFB-Präsident Leo Windtner macht kein Hehl daraus, dass er einen Neubau bevorzugen würde. "Ich will der Studie nicht vorgreifen, aber es spricht sehr viel für einen Neubau. Wenn die Studie da ist, wird man sicher konstruktive Gespräche führen, um eine zeitnahe Lösung anzustreben. Und zeitnah heißt nächstes Jahr."

Windtner stellt sich im Juni bei der ÖFB-Hauptversammlung der Wiederwahl, im Idealfall könnte er da schon eine Entscheidung verkünden. "Aber es ist nicht das große Ziel, dass es sich bis dahin ausgeht", sagte Windtner am Dienstag; ein neues Stadion wäre aber "ein gewaltiger Zukunftsschritt".

foto: christian fischer
Anlässlich der Europameisterschaft 2008 wurden dem Prater-Areal Beton-Wuchteln verpasst.

Fassungsvermögen 50.000 bis 60.000

Allerdings würde eine neue Arena mit einem Fassungsvermögen zwischen 50.000 und 60.000 Zuschauern wohl einen dreistelligen Millionenbetrag kosten. Dementsprechend schwierig ist eine Einigung darüber, wer welche Kosten übernimmt. Die Hauptlast müssten wohl der Bund und die Stadt Wien tragen, wobei Sportminister Hans Peter Doskozil in den vergangenen Monaten schon öfters andeutete, auch private Investoren ins Boot holen zu wollen.

Doskozil und Vertreter der Stadt lehnten mit Verweis auf laufende Verhandlungen eine Stellungnahme ab. Zumindest der Minister gilt als klarer Befürworter eines Neubaus und ist deshalb auch großer Hoffnungsträger des ÖFB. "Doskozil macht erfreulicherweise Druck, dass eine neue Infrastruktur geschaffen wird, und ist massiv entschlossen, das Projekt in drei, vier Jahren durchzuziehen."

Kritiker eines Neubaus verweisen auf die zu erwartende schlechte Auslastung eines neuen Nationalstadions. Rapid trägt seit dieser Saison sämtliche Partien im neuen Allianz-Stadion aus, auch die Austria wird dem Prater den Rücken kehren, sobald die Renovierung der Generali-Arena im Sommer 2018 abgeschlossen ist.

Das Nationalteam absolvierte 2016 sechs Länderspiele im Happel-Stadion, im kommenden Jahr werden es weniger sein. Fixiert wurde bisher nur das Heimspiel gegen Moldau am 24. März, dazu werden wohl auch die WM-Quali-Spiele gegen Georgien am 5. September und gegen Serbien am 6. Oktober sowie ein Termin im November kommen.

Man bleibt im Prater

Viele Millionen für ein neues Stadion auszugeben, in dem pro Jahr nur eine Handvoll Länderspiele stattfinden, kommt nicht in allen Teilen der Öffentlichkeit gut an. Dennoch ist Windtner von der Sinnhaftigkeit überzeugt. "Es muss eine Multifunktionsarena werden, die nicht nur für den Fußball, sondern auch für andere Topevents in Wien wie Konzerte oder Messen zur Verfügung stehen würde."

foto: heribert corn
Retro-Charme vor der Prater-Arena.

Noch sind viele Punkte offen, eine Frage aber ist geklärt – die Heimstätte des ÖFB-Teams bleibt im Prater und wird nicht, wie noch vor zwei Jahren kolportiert, in die Wiener Seestadt Aspern übersiedeln. "Der Prater ist von der Logistik und der Gesamteinbettung des Stadions in das Areal ideal", erklärte Windtner.

In das Tüfteln an der Stadionlösung könnte mit dem im Sommer in Pension gegangenen Ex-Generaldirektor Alfred Ludwig ein alter Bekannter eingebunden werden. "Wir werden uns bemühen, bei diesem Projekt auf seine Erfahrung zurückzugreifen", kündigte Windtner an. (APA, 15.11.2016)

Share if you care.