Kühlen muss klimaschonender werden

15. November 2016, 08:00
68 Postings

Bei einer UN-Tagung in Ruanda wurde der Abschied vom Treibhausgas FKW vereinbart. Die Kühlgeräteindustrie hat schon vieles umgesetzt

Wien – Der Nachricht wurde nicht viel Beachtung geschenkt: Im Oktober haben 197 Staaten bei einer UN-Konferenz in Ruandas Hauptstadt Kigali vereinbart, dass Herstellung und Verwendung einer Reihe von Fluorkohlenwasserstoffen (FKW) auslaufen müssen. Denn dabei handelt es sich um extrem wirksame Treibhausgase, deren klimaschädliches Potenzial weit über jenem des viel bekannteren Treibhausgases Kohlendioxid (CO2) liegt.

FKWs sind, grob gesprochen, die Substanzen, die FCKWs ersetzen sollten: als Kühlmittel in Kühlanlagen und Klimageräten und anfangs auch Kühlschränken. FCKWs (Fluorchlorkohlenwasserstoffe) waren schon 1987 im Zuge des Montreal-Protokolls – auch ein UN-Vertrag – mit wenigen Ausnahmen weltweit verboten worden. Denn FCKWs sind bekanntlich für das Ausdünnen der Ozonschicht verantwortlich. In diesen Vertrag sind jetzt auch FKWs aufgenommen worden. Doch auch F-Gase, zu denen FKWs gehören, sind tricky. Ihr Treibhausgaspotenzial ist bis zu 25.000-mal höher als beim vielverteufelten CO2.

Industrie betroffen

Der neue Beschluss, das Treibhausgas FKW in den Industrieländern schon ab 2019 stufenweise auslaufen zu lassen, hat weitreichende Auswirkungen auf die Industrie. Diese muss die für die Erderwärmung problematischen Stoffe durch andere ersetzen und manchmal tief in Produktionsprozesse eingreifen. Denn die F-Gase sind in sehr vielfältigem Einsatz: nicht nur bei Kühlgeräten, sondern auch als Löschgase, bei der Aluminiumproduktion, der Halbleiterherstellung. F-Gase kommen in Bauisolierungen als Schäume zum Einsatz, in Wärmepumpen, Feuerlöschern, in Klimaanlagen in Autos oder Gebäuden. Sogar im Asthmaspray kann das FKW als Treibgas dienen, erläutert Umweltbundesamt-Expertin Maria Purzner. Überall in der Welt hat sich der Einsatz von FKW seit dem Montrealer FCKW-Verbot vervielfacht.

Laut der US-Umweltschutzbehörde EPA waren 2010 fast 80 Prozent der weltweiten F-Gas-Emissionen auf Kälte- und Klimaanlagen zurückzuführen. Doch in diesem großen Anwendungsbereich wurden auch bereits Hausaufgaben gemacht – zumindest in Europa. Bei einem Rundruf des STANDARD zeigt sich, dass viele europäische Hersteller von Kühlgeräten von FKW (und FCKW sowieso) weitestgehend Abschied genommen oder erst gar nicht darauf gesetzt haben. Erklärt wird dies damit, dass es schon früher europäische Vorgaben dazu gab. Über zwei EU-F-Gas-Verordnungen wurde die Materie von vornherein strenger geregelt. In den USA, meint die Branche unisono, sei man da nicht so weit. Und bei asiatischen Produzenten von Kühlschränken schon gar nicht.

Brennbarer Ersatzstoff

Der deutsche Hersteller Liebherr, der in Lienz ein großes Werk betreibt, hat schon früh begonnen, im Haushaltsbereich die Geräte auf FKW-freie Kältemittel umzustellen. Bei Miele kommen bei allen Kühl- und Gefriergeräten nur mehr solche Kältemittel zum Einsatz. Auch bei der deutschen BSH Hausgeräte GmbH – das steht für Bosch/Siemens – hat man "keine solchen Geräte mehr", heißt es aus der Pressestelle.

Als neues Kältemittel verwendet die Branche vor allem Propan, Butan und andere natürlich vorkommende Gase, die zwar in der Anwendung komplizierter sind, aber wesentlich weniger klimaschädlich sind als FKWs. Jedenfalls werden diese Gase nicht in den internationalen Klimaschutzabkommen als Treibhausgase gelistet, weshalb ihre Anwendung auch nicht reglementiert ist.

Akzeptanz vorhanden

Als technologische Herausforderung gestaltete sich der Umstieg bei Kühlgroßanlagen für Handel, Gewerbe und Gastronomie. Die im steirischen Rottenmann beheimatete AHT Cooling Systems – die Nachfolgefirma der Bauknecht – ist in dem Segment weltweiter Marktführer. Auch müssen die oft meterlangen Kühlanlagen in den Supermärkten dicht halten. Vor allem aber: Die kohlenstoffhaltigen Ersatzgase sind entzündlich. Bei den großen Kunden habe die Akzeptanz für solche Kältemittel zuerst gefehlt, heißt es bei Liebherr – hier habe erst nach und nach ein Umdenken stattgefunden.

Auch für die Recyclingbranche ist das Handling mit den brennbaren Ersatzstoffen nicht ganz einfach. "Wir mussten eine inerte Umgebung schaffen", erläutert Helmut Kolba, Managing Director von Remondis. Remondis betreibt mit der UFH Recycling GmbH in Kematen ein Werk, das alte Kühlschränke entsorgt. Bevor ein Gerät demontiert werden kann, müssen die Kältemittel abgesaugt und in Fässern gesammelt werden. Mittlerweile, sagt Kolba, gibt es da ein Gemisch, das etwa zur Hälfte aus FCKW und anderen Kältegasen besteht. Das Gemisch geht dann nach Deutschland, wo es verbrannt wird. (Johanna Ruzicka, 15.11.2016)

  • Alte Kühlschränke wie diese enthalten das klimaschädliche  Kältemittel FKW, wenn nicht sogar FCKW.
    foto: istockphoto/getty

    Alte Kühlschränke wie diese enthalten das klimaschädliche Kältemittel FKW, wenn nicht sogar FCKW.

Share if you care.