Wissenschafter werben für Forschungsmission zur Asteroidenabwehr

15. November 2016, 09:05
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Forscher machen sich für eine europäische Beteiligung an der Asteroid Impact Mission stark. Im Dezember soll der Esa-Ministerrat darüber entscheiden

Berlin – Zum Schutz der Erde vor Asteroideneinschlägen haben führende Planetenforscher eine Kampagne für Raumfahrtmissionen zur Asteroidenabwehr gestartet. "Im Gegensatz zu anderen Naturkatastrophen ist ein Asteroideneinschlag vorhersehbar und bei frühzeitiger Entdeckung möglicherweise vermeidbar", heißt es in einem am Montag in Berlin vorgestellten offenen Brief von mehr als hundert Wissenschaftern.

Deshalb müssten Möglichkeiten einer frühzeitigen Ablenkung gefährlicher Asteroiden erforscht werden. Mit dem Aufruf werben die Forscher vor allem für eine von der Europäischen Weltraumagentur Esa geplante Asteroidenmission mit dem Namen Asteroid Impact Mission (AIM). Über die Finanzierung dieser Mission soll der Esa-Ministerrat bei seiner Konferenz Anfang Dezember im schweizerischen Luzern entscheiden.

Entscheidung im Dezember

Bei einem Ministertreffen der 22 ESA-Staaten und Kanadas stehen Anfang Dezember Vorschläge für die Weltraum-Programme der kommenden Jahre auf der Tagesordnung. Die Kampagne "I support AIM" hebt in dem offenen Brief hervor, dass von den bisher bekannten erdnahen Himmelskörpern mehr als 1.700 als "potenziell für die Erde gefährlich" eingestuft werden müssten. Es müsse erforscht werden, ob die Flugbahn eines dieser Objekte im Ernstfall durch den geplanten Einschlag beispielsweise einer Sonde auf dessen Oberfläche verändert werden könne.

Sollte sich dies als technisch möglich erweisen, könnte auf diesem Wege ein Asteroid auf möglichem Kollisionskurs mit der Erde abgelenkt und die Gefahr eines Impakts gebannt werden. "Zur Zeit werden etwa vier neue, erdnahe Asteroiden jeden Tag entdeckt", sagte der Wissenschafter Alan Harris vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). "Wir brauchen eine koordinierte internationale Strategie, um die Erde vor Einschlägen von Asteroiden zu schützen."

Doppelmission geplant

Das geplante europäische AIM-Projekt ist Teil einer gemeinsamen Mission von Esa und Nasa mit dem Namen Aida, mit der Möglichkeiten der Asteroidenabwehr getestet werden sollen. Nach derzeitigem Planungsstand könnte die AIM-Sonde im Oktober 2020 starten und nach 18 Monaten den Asteroiden Didymos erreichen – einen 800-Meter-Brocken, der zu den potenziell gefährlichen Asteroiden zählt und von einem kleinen Mond begleitet wird.

Dieser Mond, dem Forscher den Spitznamen "Didymoon" gaben, besitzt einen Durchmesser von 160 Metern. Die AIM-Sonde soll hochauflösende Fotos von Didymos und dessen Begleiter aufnehmen sowie den Asteroidenmond mit Radarstrahlen abtasten und seine Wärmestrahlung mit einer Infrarotkamera untersuchen. AIM soll zudem drei kleinere Sonden sowie mehrere kostengünstige Minisatelliten an Bord haben.

Vier Monate nach der Ankunft der europäischen AIM-Sonde soll dann die zweite Sonde der Aida-Mission den Asteroiden Didymos und seinen Begleiter erreichen – nämlich die Nasa-Sonde Dart. Die Planungen sehen vor, dass Dart mit rund sechs Kilometern pro Sekunde auf "Didymoon" einschlägt. Die folgenden Beobachtungen sollen dann klären, wie sich der getroffene Minimond und seine Umlaufbahn beim Einschlag verändert haben. (APA, red, 15. 11. 2016)

  • Künstlerische Darstellung der Mission: Die Nasa-Sonde Demonstration of Autonomous Rendezvous Technology (DART) soll auf Didymoon einschlagen, die europäische AIM-Sonde währenddessen Daten sammeln.
    illustr.: asteroid impact mission

    Künstlerische Darstellung der Mission: Die Nasa-Sonde Demonstration of Autonomous Rendezvous Technology (DART) soll auf Didymoon einschlagen, die europäische AIM-Sonde währenddessen Daten sammeln.

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