Merkel sagt Obama in Berlin wehmütig Goodbye

15. November 2016, 12:26
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Am Donnerstag verabschiedet sich Barack Obama von Angela Merkel. Ihr Verhältnis war nicht immer einfach. Nun jedoch herrscht durchaus Abschiedsschmerz

Ein bisschen etwas von Deutschland hat US-Präsident Barack Obama bei seinen Besuchen mitbekommen. Er war in Baden-Baden, in Dresden, der KZ-Gedenkstätte Buchenwald, in Bayern, aber einmal nur – im Jahr 2013 – in Berlin. Im April heuer eröffnete er gemeinsam mit der deutschen Kanzlerin Angela Merkel die Hannover-Messe, die weltgrößte Industriemesse.

Damals, noch vor dem Brexit-Votum, hielt er ein Plädoyer für ein geeintes Europa. "Die Welt braucht ein starkes und vereintes Europa", erklärte er, lobte, dass "Europas Ideale" die Welt "erleuchten", und sagte auch: "Vielleicht braucht man jemanden von außen, der daran erinnert, was Sie Fantastisches erreicht haben."

Im Berliner Kanzleramt ging man davon aus, dass dies die letzte Visite Obamas in Deutschland sein würde. Doch der scheidende US-Präsident hat sich anders entschieden, er kommt diese Woche noch einmal nach Berlin. Zuvor ist er in Athen, von der deutschen Hauptstadt aus wird er zum Asien-Pazifik-Gipfel (Apec) ins peruanische Lima weiterreisen.

Die Reise stand schon vor der US-Wahl fest, doch nun, angesichts des Wahlergebnisses, ist man im Kanzleramt umso froher, dass Merkel noch einmal mit Obama reden kann. Wie andere europäische Staats- und Regierungschefs auch hatte Merkel vor der US-Wahl keinen Zugang zu Trump – aber auch kein Interesse, mit ihm Kontakt aufzunehmen.

Frostige Gratulation

Merkels Gratulation nach dem Wahlsieg fiel recht frostig aus, statt freundlicher Worte schickte sie gleich einmal die Mahnung, Trump möge doch bitte Werte wie Demokratie, Freiheit, Recht und Respekt vor Minderheiten achten, über den Atlantik. Trump hatte im Wahlkampf kein gutes Haar an Merkel gelassen und von ihr – mit Blick auf ihre Flüchtlingspolitik – als "Person, die Deutschland ruiniert hat" gesprochen.

Derlei Aussagen waren von Obama in dessen Wahlkampf 2008 nicht zu hören. Dennoch hatten auch Obama und Merkel keinen friktionsfreien Start. Lange nahm der US-Präsident der Kanzlerin übel, dass er im Wahlkampf nicht vor dem Brandenburger Tor in Berlin hatte sprechen dürfen, sondern mit dem Platz vor der Siegessäule vorliebnehmen musste.

Doch das Verhältnis besserte sich, schon aus Gründen der politischen Vernunft. Beide Partner wollten so schlechte Beziehungen, wie sie zwischen Berlin und Washington während der Ära von George W. Bush geherrscht hatten, vermeiden.

Abhören unter Freuden

Im Juli 2011 verlieh Obama Merkel im Rosengarten des Weißen Hauses die Freiheitsmedaille. Damals würdigte der erste schwarze US-Präsident die erste ostdeutsche Regierungschefin als Kämpferin für die Freiheit und lobte das gute Verhältnis: "Europa und Deutschland haben keinen besseren Partner als Amerika."

Doch zwei Jahre später wurde es kühl. "Abhören unter Freunden, das geht gar nicht", blaffte Merkel Richtung Washington, als herauskam, dass die NSA ihr Handy abgehört hatte. Man bemühte sich um Schadensbegrenzung und vereinbarte ein "No-Spy-Abkommen", aber daraus wurde dann doch nichts. Die USA wollten es nicht, Merkel fügte sich, und so verlief das vorerst letzte Treffen auf deutschem Boden – in Hannover – wieder recht harmonisch. "Es ist die wichtigste Beziehung, die wichtigste Freundschaft, die ich in meiner Amtszeit hatte", schwärmte Obama über sein Verhältnis zu Merkel.

Apropos Hannover: Wie schon beim Treffen in der niedersächsischen Hauptstadt im April organisiert Merkel auch diesmal wieder ein Treffen mit europäischen Staats- und Regierungschefs. Am Donnerstag gehört Obama Merkel alleine, am Freitag kommen der französische Staatspräsident François Hollande, die britische Premierministerin Theresa May, der italienische Premier Matteo Renzi und sein spanischer Amtskollege Mariano Rajoy dazu. Zu besprechen gibt es genug – nicht zuletzt, weil Obama der Einzige ist, der bereits eine persönliche Unterredung mit Trump hatte. (Birgit Baumann aus Berlin, 15.11.2016)

  • Obama und Merkel – hier 2015 in Bayern – können künftig nur noch privat spazieren gehen.
    foto: ap / markus schreiber

    Obama und Merkel – hier 2015 in Bayern – können künftig nur noch privat spazieren gehen.

  • Die letzte EU-Station von Barack Obama als 44. Präsident der USA: Berlin), wo die Wahl Trumps zu dessen Nachfolger großteils auf Ablehnung stößt.
    foto: reuters / axel schmidt

    Die letzte EU-Station von Barack Obama als 44. Präsident der USA: Berlin), wo die Wahl Trumps zu dessen Nachfolger großteils auf Ablehnung stößt.

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