Deutsche Telekom will Internet-Dienstleister HEG nicht

14. November 2016, 17:12
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Webhoster angesichts der mageren Wachstumsperspektiven laut Insidern zu teuer

Die Deutsche Telekom ist Insidern zufolge aus dem Rennen um den europäischen Internet-Dienstleister Host Europe Group (HEG) ausgestiegen. Dem Telekommunikations-Konzern sei der Webhoster angesichts der mageren Wachstumsperspektiven zu teuer, sagten zwei mit der Sache vertraute Personen am Montag der Nachrichtenagentur Reuters. Die Telekom, die sich zusammen mit der Beteiligungsgesellschaft Hellmann & Friedman beworben hatte, wollte mit Host Europe ihre eigene, kleinere Webhosting-Tochter Strato stärken. Der Finanzinvestor Cinven, der Host Europe aus mehreren Dienstleistern für das Hosting-Geschäft mit Internet-Homepages geschmiedet hatte, erhofft sich bis zu 1,7 Milliarden Euro dafür.

Favorit United Internet

Als Favorit auf die Übernahme von HEG gilt nun das Duo aus United Internet und dem Finanzinvestor Warburg Pincus, der sich kürzlich an der United-Internet-Sparte für Firmen-Internet-Dienste mit 33 Prozent beteiligt hatte. Im Rennen sind außerdem noch der US-Finanzinvestor Centerbridge und der amerikanische HEG-Rivale GoDaddy. Dagegen sei der Finanzinvestor Permira, der sich mit dem HEG-Konkurrenten Interroute zusammengetan hatte, nicht mehr im Rennen, hieß es in Finanzkreisen. Die genannten Unternehmen wollten sich nicht zu den Informationen äußern oder waren nicht erreichbar.

Der Verkauf der HEG, die ihren Sitz in Großbritannien hat, hatte sich wegen des Brexit-Votums verzögert. Die Wurzeln des Unternehmens liegen in Deutschland. Hier betreibt HEG mehrere Rechenzentren und erwirtschaftet einen beträchtlichen Teil des Umsatzes. Kleine und mittelgroße Firmen können bei Host Europe Internet-Adressen registrieren, E-Mail- und Internet-Server betreiben lassen.

Treuere Webhosting-Kunden

Webhosting-Kunden gelten im Vergleich zu Mobilfunk-Kunden als treuer, was sie für die Telekommunikations-Unternehmen – aber auch für Finanzinvestoren – attraktiv macht. HEG hat nach eigenen Angaben rund 1,7 Millionen Kunden und verwaltet sieben Millionen Internet-Domains. Das Unternehmen erwartet in diesem Jahr einen operativen Gewinn (Ebitda) von 140 Millionen Euro. Strato kommt auf vier Millionen Domains für 1,5 Millionen Vertragskunden. Der Markt ist noch stark fragmentiert. (Reuters, 14.11.2016)

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