Stellenanzeigen: Oft nur leere Worthülsen

28. November 2016, 14:05
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Arbeitgeber gehen laut einer aktuellen Analyse mit austauschbaren Worthülsen und ungelenkem Behördendeutsch auf Mitarbeitersuche

Personalverantwortliche suchen bei Bewerberinnen und Bewerbern meistens nach Kandidaten, die aus der Menge herausstechen. Entweder durch bestimmte Erfahrungen und oder ein gutes, weil einzigartiges Motivationsschreiben, in dem sich die Kandidaten gut verkaufen. Floskeln und Worthülsen sind dabei ein absolutes No-Go. Dass es die Unternehmen selbst in ihren Stellenanzeigen damit nicht so ernst nehmen, zeigt eine aktuelle Arbeitsmarktstudie, für die 120.000 Onlinestellenanzeigen analysiert wurden. "Club der Gleichen – Edition Stellenanzeigen" haben die beiden Unternehmensberater Manfred Böcker und Sascha Theisen die Untersuchung betitelt. Für die quantitative Analyse wurde ein vom Softwareunternehmen Textkernel entwickeltes Big-Data-Tool genutzt.

"Club der Gleichen"

Fazit: Deutschen Unternehmen gelingt es nicht, sich in Stellenanzeigen differenziert zu präsentieren. Stattdessen setzen sie in dem nach wie vor wichtigsten Instrument der Mitarbeitersuche auf Füllwörter, vorgestanzte Wortbausteine und ungelenke Substantivierungen. Differenzierung suche man vergeblich. Darauf weist auch eine Analyse des in vielen Stellenanzeigen mittlerweile integrierten Angebotsabschnitts hin. Hier bieten die meisten das Gleiche, neben einer "attraktiven Vergütung" etwa auch "Weiterbildung" und "Spaß".

Die Studien-Initiatoren fanden in den untersuchten Stellenanzeigen mehr als eine Million "ung"-Suffixe – ein sprachlicher Hinweis auf einen behördlich wirkenden und abstrakten Nominalstil. In der Spitze nutzen einzelne Arbeitgeber über 80 der sperrigen "ung"-Formen in einer einzigen Stellenanzeige. In den Aufgabenbeschreibungen wimmle es nur so von Begriffen wie "Bereitstellung", "Erbringung", "Identifizierung" oder "Finanzsteuerung".

Österreich: Nicht viel besser

Ähnlich wie deutsche Unternehmen bedienen sich auch österreichische Arbeitgeber bei der Mitarbeitersuche austauschbarer Worthülseln und Substantivierungen. Adjektive wie "weltweit", "führend", "erfolgreich", "international" und "modern" zeichnen ein austauschbares Bild der Unternehmen in Österreich. In den Stellenanzeigen dominieren "ung"-Formen die Jobprofile: So sucht die ÖBB "einen/eine Senior SpezialistIn Controlling". Die Aufgaben: "Beratung", "Sicherstellung", "Mitwirkung", "Beurteilung", "Weiterentwicklung" und "Überwachung". Auch den "Experten HR SAP Administration (w/m)" erwarten in der "spannenden Welt" des internationalen Gas- und Ölunternehmens OMV die Aufgaben "Betreuung", "Problemlösung", "Berücksichtigung", "Umsetzung" und "Verantwortung".

Allerdings sind österreichische Arbeitgeber laut der Studie etwas dialogorientierter. So finden sich in den Stellenanzeigen der Name eines Ansprechpartners oder einer Ansprechpartnerin mit Telefonnummer und E-Mail-Adresse – oft sogar mit einem Foto. Gelobt wird außerdem, dass die Bezahlung in Österreich kein Geheimnis bleibt, da ja zumindest das kollektivvertragliche Mindestgehalt angegeben werden muss. Die deutschen Arbeitgeber dagegen behelfen sich mit Gemeinplätzen wie dem "attraktiven Gehalt" oder "marktgerechten Vergütung".

Mehr Unterscheidung gesucht

"Die meisten Stellenanzeigen, die wir uns angesehen haben, waren aus handwerklicher Perspektive mangelhaft, voller Füllwörter, Bandwurmsätze und Substantivierungen. Dieses so wichtige Werkzeug der Mitarbeitersuche braucht einfach mehr Professionalität, und die Kandidaten verdienen mehr Unterscheidungsmerkmale bei ihrer Suche nach dem richtigen Arbeitgeber", sagt Studienautor Theisen. (lhag, 28.11.2016)

  • Während Unternehmen in ihren Stellenanzeigen vor allem leere Worthülsen verwenden, sollen Bewerberinnen und Bewerber genau das vermeiden. Besonders die sperrigen "ung"-Begriffe sind in Stellenausschreibungen oft zu finden. Bei einer Analyse von 120.000 Onlinestellenanzeigen fand die Software mehr als eine Million dieses Nominalstils.
    foto: istock

    Während Unternehmen in ihren Stellenanzeigen vor allem leere Worthülsen verwenden, sollen Bewerberinnen und Bewerber genau das vermeiden. Besonders die sperrigen "ung"-Begriffe sind in Stellenausschreibungen oft zu finden. Bei einer Analyse von 120.000 Onlinestellenanzeigen fand die Software mehr als eine Million dieses Nominalstils.

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