Syrische Rebellengruppen bekämpfen sich nördlich von Aleppo

14. November 2016, 16:42
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Russland wirft syrischen Rebellen erneut Einsatz von Giftgas vor

Aleppo/Moskau – Syrische Rebellengruppen haben sich nördlich der Großstadt Aleppo am Montag gegenseitig bekämpft und spielen damit den Regierungstruppen in die Hände. Die Gefechte ereigneten sich in der Ortschaft Azaz, die etwa sechs Kilometer von der türkischen Grenze entfernt liegt. Bei den Gruppen handelte es sich unter anderem um die Levante-Front und die islamistische Ahrar al-Sham.

Die Türkei schloss daraufhin den Grenzübergang Öncüpinar. Dort verläuft eine wichtige Straße ins nordsyrische Rebellengebiet. Nach Erkenntnissen der in Großbritannien ansässigen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte musste die Levante-Front wegen der Kämpfe ihr Hauptquartier und mehrere Kontrollpunkte aufgeben. Die Zusammenstöße könnten auch Auswirkungen auf Aleppo haben, wo viele der Kriegsparteien aus Azaz ebenfalls kämpfen.

Präsident Bashar al-Assad kann bereits seit Beginn der Revolte gegen seine Regierung davon profitieren, dass sich Rebellen gegenseitig bekämpfen. So haben Jihadisten nationalistische Kämpfer verdrängt, die nicht so gut bewaffnet waren. Außerdem gibt es auch unter Islamisten selbst Gefechte, etwa in einem Viertel der Hauptstadt Damaskus.

Auch im Ostteil der ehemaligen Handelsmetropole Aleppo haben sich Rebellen gegenseitig bekämpft. Die wichtigste Front verläuft aber zwischen den Aufständischen und den Regierungstruppen, die von der russischen Luftwaffe unterstützt werden. Das Verteidigungsministerium in Moskau warf den Rebellen am Montag erneut vor, im belagerten Ostteil der Stadt Giftgas eingesetzt zu haben.

Durch Gasballons oder Minen mit Chlor seien etwa 30 syrische Regierungssoldaten verletzt worden, sagte der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Igor Konaschenkow, am Montag in Moskau. Seinen Angaben nach waren die Geschosse am Vorabend aus dem von Rebellen gehaltenen Ostteil der Stadt abgefeuert worden. Erstmals hatte Russland diesen Vorwurf vergangene Woche gegen die Assad-Gegner erhoben; die Opposition dementierte.

Die Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) müsse aktiv werden, forderte Konaschenkow: "Die Terroristen in Aleppo setzen immer öfter und immer mehr Chlor gegen syrische Soldaten und die Zivilbevölkerung ein." Die ausländischen Unterstützer der Opposition weigerten sich aber, dies zur Kenntnis zu nehmen, sagte der General.

Die Vereinten Nationen haben mehrere mutmaßliche Giftgaseinsätze der vergangenen Jahre in Syrien mit der OPCW untersucht. In einem Bericht vom August kamen sie zum Schluss, dass die syrische Regierung in zwei Fällen Chlorgas eingesetzt habe. Einmal habe die Terrormiliz Islamischer Staat nahe Aleppo Senfgas eingesetzt. (APA/Reuters, 14.11.2016)

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