Trump-Wahl kostet Anleihemärkte eine Billion Dollar

14. November 2016, 16:36
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Investoren rechnen nach dem Sieg Donald Trumps mit höheren Schulden und einer steigenden Inflation in den USA

New York / Wien – Der unerwartete Wahlsieg Donald Trumps macht sich auf den Anleihemärkten der ganzen Welt bemerkbar. Investoren spekulieren nach seinem Triumph auf einen deutlichen Anstieg des Wirtschaftswachstums und der Inflation in den USA. Binnen zwei Tagen stiegen die Anleihenrenditen weltweit deutlich an, die damit verbundenen Kursverluste summierten sich auf eine Billion Dollar. Zum Vergleich: Das Gesamtvolumen an weltweit ausstehenden Anleihen beträgt rund 100 Billionen Dollar.

Der Republikaner hat im Wahlkampf angekündigt, dass er Steuern reduzieren und Handelszölle einführen möchte. Aus Angst vor einer höheren Inflation stiegen zahlreiche Investoren Anfang dieser Woche schlagartig auf Aktien um. "Wir beobachten einen Stimmungsumschwung", sagt Jeffrey Gundlach, Chef des Vermögensverwalters Doubleline.

Der von Bank of America Merrill Lynch berechnet Index für den weltweiten Bondmarkt fiel in der vergangenen Woche um 1,2 Prozent – so viel wie zuletzt im Juni. Sein Pendant für die US-Bonds verzeichnete mit einem Minus von 1,9 Prozent sogar den größten Wochenverlust seit 2009.

Rekordwerte in der Wall Street

An den Aktienmärkten war diese Umschichtung ebenfalls zu spüren: Für den Dow Jones war die vergangene Woche die beste seit fünf Jahren, am Freitag schloss er auf einem Rekordhoch. Die Rendite der deutschen Zehn-Jahres-Anleihen schossen auf den höchsten Wert seit acht Monaten, das britische Pendant erreichte ein Niveau wie kurz vor dem Brexit. Lediglich die Technologiebörse Nasdaq reagierte negativ auf das Wahlergebnis. Trumps Vorhaben dürften Technologiefirmen weniger Nutzen bringen als der Industrie.

Einige Experten warnen davor, den Anleihemarkt komplett abzuschreiben. Versicherer und Pensionsfonds aus Europa und Japan würden weiter US-Titel kaufen. Auch für Art Hogan, den Chefmarktanalysten des Vermögensverwalters Wunderlich, ist es zu früh, um die "Große Rotation" auszurufen. Ihr stehe die demografische Entwicklung entgegen. Ältere Privatanleger setzen ihr Geld häufig auf risikoarme Papiere wie Staatsanleihen. Seit Jahren spekulieren Börsianer immer wieder darüber, ob und wann Investoren in großem Stil und dauerhaft ihr Geld aus Anleihen abziehen und in Aktien stecken. (Reuters, red, 14.11.2016)

  • Für den Dow Jones war die vergangene Woche die beste seit fünf Jahren.
    foto: reuters/kai pfaffenbach

    Für den Dow Jones war die vergangene Woche die beste seit fünf Jahren.

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