Nach Trump-Sieg: User-Boom bei Signal und Protonmail

19. November 2016, 11:09
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Verschlüsselter Messenger und sicherer E-Mail-Dienst verzeichnen deutlich erhöhte Nachfrage seit dem 8. November

Am 8. November ist jenes Szenario eingetreten, das von Meinungsforschern im Vorfeld als sehr unwahrscheinlich angesehen worden war. Der umstrittene Geschäftsmann Donald Trump entschied die Wahl zum 45. Präsidenten der USA für sich. Unmittelbare Folgen waren nicht nur in Form von Demonstrationen gegen den "President Elect" zu sehen, sondern auch im Netz zu merken.

Trump liebäugelt mit mehr Rechten für NSA und Co.

Abseits zahlreicher entrüsteter bis erschütterter Kommentare gingen temporär etwa die Server der kanadischen Einwanderungsbehörde wegen Überlastung vom Netz. Doch auch die Betreiber sicherer Kommunikationsdienste erhielten plötzlich mehr Aufmerksamkeit. Beispielsweise melden etwa die Macher des Messengers Signal sowie die Betreiber des E-Mail-Services Protonmail einen deutlichen Anstieg neuer Nutzer.

Trump, dessen konkrete politische Vorhaben großteils noch nicht bekannt sind, hatte in Vergangenheit öfters angedeutet, die Kompetenzen von US-Sicherheitsbehörden wie der NSA ausweiten zu wollen. In der Auseinandersetzung zwischen dem FBI und Apple rund um die Entsperrung eines iPhones des Attentäters von San Bernardino hatte er scharfe Kritik an dem Elektronikhersteller geübt.

Protonmail: Anmeldungen verdoppelt

Seit der vergangenen Woche habe sich die Zahl der Anmeldungen verdoppelt, berichtet Protonmail in einem Blogeintrag. Ein Umstand, den man aber nicht alleine Trumps Wahlsieg zurechnet. Letztlich habe er dem bereits existierenden Problem hinsichtlich der Privatheit von Online-Kommunikation nur "ein neues Gesicht verpasst".

Protonmail würde von Nutzern von beiden Seiten des politischen Spektrums genutzt. Waren zuvor oft Menschen aus dem konservativen und rechten Lager besorgt darüber, dass die Regierung sie abhören könnte, dürften es nun vorwiegend linke und liberale Nutzer sein, die neue Konten bei dem Dienst eröffnen. Privatsphäre jedenfalls sei ein essentielles Thema, welches alle Bürger unabhängig ihrer sonstigen politischen Ausrichtung betreffe.

Auch Signal stärker nachgefragt

Viele neue Registrierungen zählt man auch bei Signal, schreibt Motherboard. Das "Wachstum hat sich in der letzten Woche beschleunigt und zeigt auch keine Anzeichen, sich zu verlangsamen", attestiert man hier. Einige Sicherheitsexperten hatten den Messenger, den zuletzt auch das Kampagnenteam von Hillary Clinton eingesetzt hat, in naher Vergangenheit empfohlen. Unmittelbar nach der Wahl befand sich der Messenger unter den Top-Begriffen bei Twitter und in Apples Appstore.

"Die Menschen beginnen, Privatsphäre wieder wirklich ernst zu nehmen", erklärt Signal-Designer Tyler Reinhard. "Vielleicht das erste Mal seit den Enthüllungen von Edward Snowden." Die Entwicklung der Kommunikationssoftware wird in Teilen aus dem Open Technology Fund gespeist, der auch von der US-Regierung mitfinanziert wird.

Solange es jedoch viele freiwillige Entwickler für das Open Source-Projekt gebe, sei man nicht übermäßig besorgt ob eines möglichen Versiegens dieser Geldquelle unter Trump. Dass die Entwicklung für Datenschutz und Privatsphäre unter dem neuen Präsidenten ähnlich "verrückt" würden, wie unter der "dystopischen Zeit" der Bush Jr.-Ära, nimmt man ebenfalls nicht an. (gpi, 19.11.2016)

  • Der Wahlsieg von Donald Trump hat in den vergangenen Tagen zu deutlich mehr Interesse an verschlüsselten Kommunikationslösungen geführt.
    foto: reuters

    Der Wahlsieg von Donald Trump hat in den vergangenen Tagen zu deutlich mehr Interesse an verschlüsselten Kommunikationslösungen geführt.

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