Handelsverband fordert E-Commerce-Lehre

14. November 2016, 12:43
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Interessenvertreter sprechen sich für eigenen Lehrberuf aus, die Sozialpartner bremsen

Wien – Der Handel ist aufgrund der Digitalisierung seit Jahren im Umbruch. Gekauft wird verstärkt im Internet. Dementsprechend gehen die stationären Flächen sukzessive zurück. Nach Einschätzung mancher Experten könnten in Österreich langfristig bis zu ein Viertel der Flächen überflüssig werden. Im Buch- und Papierbereich liegt der Onlineanteil wegen aggressiver Konkurrenz wie Amazon schon bei gut 30 Prozent, bei Elektro und Bekleidung bei rund einem Viertel.

Auch für die in der Branche Beschäftigten bringt der Wandel zum E-Commerce Änderungen. Der Handelsverband fordert deswegen nun einen eigenen Lehrberuf für E-Commerce, wie Geschäftsführer Rainer Will im ORF-Radio am Montag erklärte. Seiner Einschätzung nach kommt E-Commerce in der Einzelhandelslehre zu kurz.

Deutschland habe schon eine eigene Lehre für E-Commerce geschaffen, sagt Will – was sich wohl auch dadurch erklärt, dass in Österreich der Anteil inländischer Umsätze am Gesamtkuchen bei rund fünf Prozent liegt, in Deutschland aber fast doppelt so hoch ist. 50 Prozent des österreichischen Onlinehandels werden von ausländischen Unternehmen bedient. Österreich könnte laut Schätzungen in zehn Jahren mit einem Umfang von 15 Prozent dort sein, wo heute Großbritannien ist.

Arbeitskräfte aus Deutschland

Will sieht jedenfalls die Gefahr, dass österreichischen Unternehmen ausgebildete E-Commerce-Lehrlinge aus Deutschland nachfragen und die heimischen Arbeitskräfte damit auf der Strecke bleiben. Gefragt sei etwa Know-how in Programmieren und Usability. In den betroffenen Gremien – Ausbildungsbeirat, bestehend aus Bildungs- und Wirtschaftsministerium, sowie die Sozialpartner Wirtschafts- und Arbeiterkammer – gehen die Meinungen in Sachen E-Commerce-Lehre auseinander: Die Ministerien würden einer neuen E-Commerce-Lehre offen gegenüberstehen, die Sozialpartner hingegen auf der Bremse stehen.

Iris Thalbauer, Geschäftsführerin in der Bundessparte Handel in der Wirtschaftskammer, meint im ORF-Radio, sie habe bereits ein Team zusammengestellt, das sich mit den Inhalten einer eigenen Lehre für den Onlineverkauf beschäftige. Zusammengetreten sei es erstmals vor einem Monat, derzeit sei man in der Konzeptionsphase. Ohnedies könne man nicht abschätzen, inwieweit Lehrlinge mit dieser Ausbildung von den Betrieben nachgefragt werden.

Lehrlingsexperte Günther Zauner von der Arbeiterkammer sieht das im "Morgenjournal" ähnlich. Er verweist auf das E-Commerce-Modul in der derzeitigen Ausbildung. In fünf Jahren will man dieses Schwerpunkt-Modul nach seinen Aussagen evaluieren. Erst dann könne man abschätzen, was auf dem Markt gefragt sei. (rebu, 14.11.2016)

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