Strache teilte Video von Seite, die Holocaust infrage stellt

14. November 2016, 12:23
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Schweizer Portal "Uncut-News" berichtete etwa von "Lügenschutzgebiet Auschwitz", Strache-Team löschte Link inzwischen

FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache hat auf Facebook ein Video des Schweizer Portals "Uncut-News" geteilt, auf dem sich zahlreiche Artikel über eine angebliche "Holocaust-Lüge" finden. Bei dem von Strache geteilten Clip handelt es sich um eine Wahlkampfrede des designierten US-Präsidenten Donald Trump, die mit Ausschnitten aus Nachrichtensendungen montiert und mit deutschen Untertiteln versehen wurde. Das Logo der Seite uncut-news.ch wird am Anfang des Clips gezeigt und während des Films stets rechts unten eingeblendet.

"Was man in unseren Medien nicht sehen wird!", kommentierte Strache auf Facebook. Der Link wurde nach einer Anfrage des STANDARD entfernt. Die FPÖ gab bekannt, dass ein "Mitarbeiter des Facebook-Teams, dem die nämliche Homepage unbekannt war", den Link gesetzt habe.

Seite berichtet von "Illuminaten" und deren "Kinderdressur"

Ein Blick auf "Uncut-News" zeigt, dass die Seite stark verschwörungstheoretisch ist. Schon die vierte Meldung beschäftigt sich damit, dass der US-Milliardär George Soros, der oft im Zentrum antisemitischer Verschwörungstheorien steht, gewalttätige Demonstrationen gegen Trump sponsern solle. Der nächste Artikel handelt davon, dass der Putschversuch in der Türkei von westlichen Staaten initiiert worden sei. Außerdem ist unter den ersten Meldungen ein Beitrag darüber zu finden, wie die Illuminaten "Kinder dressieren".

Eindeutig antisemitische Beiträge

Auf der Seite finden sich jedoch auch eindeutig antisemitische Beiträge, die unter den Tatbestand der nationalsozialistischen Wiederbetätigung fallen könnten. Auf diese Artikel hat "Kobuk"-Redakteur und Blogger Hans Kirchmeyer auf Twitter hingewiesen.

Eine Überschrift bei "Uncut-News" lautet etwa: "Der Holocaust ist die größte und nachhaltigste Lüge der Geschichte". Die mehrfach gerichtlich verurteilte Holocaust-Leugnerin Ursula Haverbeck wird als "Aufklärerin" bezeichnet, während jene Richterin, die sie kürzlich zu acht Monaten Haft verurteilt hat, als "blutrünstige Dämonin in Menschengestalt" tituliert wird. In einer weiteren Überschrift wird das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz als "Lügenschutzgebiet" bezeichnet.

Frage nach Quellenprüfung

Aus dem Beitrag auf Straches Facebook-Seite geht nicht hervor, ob der Clip von einer anderen Facebook-Seite übernommen oder direkt von der Webseite "Uncut-News" geteilt wurde. Die Veröffentlichung des Beitrags wirft einmal mehr Fragen über die Quellenauswahl auf Straches Facebook-Seite auf. Eine Anfrage bei der Pressestelle der FPÖ, ob "Uncut-News" zu regelmäßigen Informationsquellen von Strache und dessen Team gehört, blieb unbeantwortet. Ebenso gab es keine Antwort darauf, inwiefern Quellen überprüft werden, bevor sie an Straches mehr als 400.000 Facebook-Fans weitergegeben werden.

Eine Untersuchung des STANDARD hatte vor wenigen Wochen ergeben, dass auf Straches Facebook-Seite zahlreiche Falschinformationen geteilt werden. In den vergangenen Jahren waren auf der Seite des FPÖ-Chefs auch wiederholt Satiremeldungen für bare Münze genommen worden. Die FPÖ hatte erst vergangene Woche eine Gedenkveranstaltung zu den Novemberpogromen organisiert, im Vorfeld waren auf der Facebook-Seite von Bundespräsidentschaftskandidat Norbert Hofer antisemitische Nutzerkommentare aufgetaucht. (Fabian Schmid, 14.11.2016)

  • Strache teilte am Samstag ein Video der Seite "Uncut-News" – mittlerweile wurde der Link entfernt.
    screenshot/faksimilie

    Strache teilte am Samstag ein Video der Seite "Uncut-News" – mittlerweile wurde der Link entfernt.

  • Die Website spricht etwa von der "Holocaustlüge".
    screenshot/faksimilie

    Die Website spricht etwa von der "Holocaustlüge".

  • Die mehrfach verurteilte Holocaust-Leugnerin Ursula Haverbeck wird als "Aufklärerin" bezeichnet.
    screenshot/faksimilie

    Die mehrfach verurteilte Holocaust-Leugnerin Ursula Haverbeck wird als "Aufklärerin" bezeichnet.

  • "Uncut-News" spricht vom "Lügenschutzgebiet Auschwitz".
    foto: screenshot/faksimilie

    "Uncut-News" spricht vom "Lügenschutzgebiet Auschwitz".

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