"Angry White Man": Die Kulturpolitik der Salzburger FPÖ

Blog14. November 2016, 13:31
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Was wäre, wenn die FPÖ in der Stadt Salzburg das Sagen hätte? Der Dachverband Salzburger Kulturstätten hat sich das Stimmverhalten der Blauen genauer angesehen

Salzburg – Sie heißt Marlene Svazek, ist 24 Jahre jung und ist Obfrau der Salzburger FPÖ. Sie sei, schreiben die Salzburger Nachrichten, quasi ein Ebenbild von Jörg Haiders einstiger Polit-Ziehtochter Susanne Riess (damals noch Riess-Passer) – optisch wie auch inhaltlich. Was die heutige Wüstenrot-Chefin Riess von solchen Vergleichen hält, ist nicht dokumentiert.

Aber in gewisser Weise haben die Salzburger Nachrichten wohl recht: Svazek ist das freundliche Lächeln der Salzburger FPÖ – dahinter tummeln sich die Männer: "Angry White Men" von rechts bis sehr weit rechts.

Wie die Salzburger FPÖ politisch tickt, hat der Dachverband Salzburger Kulturstätten dieser Tage recherchiert und beispielhaft anhand der Kulturpolitik der FPÖ in der Stadt Salzburg auch dokumentiert.

Kahlschlag

Die Frage der Recherche lautete simpel: Wie sähe die Kulturlandschaft in der Landeshauptstadt aus, hätte die FPÖ das Sagen? Das Ergebnis lautet: Kahlschlag nicht nur bei progressiven Einrichtungen, sondern auch weit in den klassischen Kulturbetrieb hinein.

"Dass die FPÖ zeitgenössischer Kultur nicht besonders aufgeschlossen gegenübersteht, ist uns bekannt, aber diese Form von Extremismus ist auch für uns überraschend", fasst Thomas Randisek im STANDARD-Gespräch zusammen. Randisek ist Geschäftsführer des Dachverbands, in dem 78 Kulturstätten in Stadt und Land Salzburg zusammengeschlossen sind.

"Ein derartiges Ausmaß von Ablehnung gegenüber Kunst- und Kulturschaffenden hat es in unserer Stadt noch nie gegeben", sagt auch Bernhard Carl, Kultursprecher der Bürgerliste im Gemeinderat.

Leitkultur statt katholischer Bildung

In Summe stimmte FPÖ-Gemeinderat Erwin Enzinger für das Budget 2017 in gleich 42 Fällen gegen die Unterstützung von Kultureinrichtungen in der Stadt. Darunter waren renommierte Häuser wie das Schauspielhaus, das touristisch bedeutende Winterfest im Volksgarten und der bereits Mitte des 19. Jahrhunderts gegründete Salzburger Kunstverein.

Aber auch das von der Katholischen Aktion geführte ArbeiterInnen-Begegnungszentrum – eine katholische Bildungseinrichtung – ist für die FPÖ nicht unterstützenswert. Wie sagte doch Gemeinderat Enzinger: "Die österreichische Leitkultur steht im Mittelpunkt meiner politischen Überlegungen."

Sturmgewehr statt Kultur

Nachsatz, bevor die Leser und Leserinnen beginnen, Google nach Enzinger abzufragen: Ja, das ist jener FPÖ-Gemeinderat, der – natürlich ohne Zusammenhang mit den vor Krieg und Terror Geflüchteten – im September 2015 ein Sturmgewehr auf Facebook als "Samstagseinkauf", weil "sicher ist sicher", gepostet hat. Das ist auch jener FPÖ-Gemeinderat, der syrische Volkslieder nicht im Kindergarten hören will und dessen Youtube-Auftritt zur Erhaltung von "dem Brauchtum" zumindest in Salzburg für viele Lacher gesorgt hat. (Thomas Neuhold, 14.11.2016)

  • Erwin Enzinger vertritt die FPÖ im Kulturausschuss des Gemeinderats der Stadt Salzburg.
    foto: stadt salzburg/killer

    Erwin Enzinger vertritt die FPÖ im Kulturausschuss des Gemeinderats der Stadt Salzburg.

  • An der Schulter des Bundesparteichefs: Die Salzburger FPÖ-Obfrau Marlene Svazek.
    foto: fpö salzburg

    An der Schulter des Bundesparteichefs: Die Salzburger FPÖ-Obfrau Marlene Svazek.

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