Doskozil plant massiven Cyberabwehr-Ausbau im Bundesheer

14. November 2016, 06:20
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Neuer Schwerpunkt der Landesverteidigung – Minister: "Wir müssen uns wappnen"

Tel Aviv / Wien – Die Segnungen des Informationszeitalters haben ihren Preis: Kaum eine Woche vergeht ohne Hackerangriffe auf internationale Konzerne oder öffentliche Institutionen – und bewaffnete Angriffe sind nicht mehr die einzige Bedrohung, gegen die sich Staaten zu wappnen haben. Auch Österreich: Verteidigungsminister Hans Peter Doskozil (SPÖ) plant jetzt den massiven Ausbau der Cyberabwehr im Bundesheer.

Arbeitsbesuch in Israel

Apple, Microsoft und Co können ein Lied davon singen, auch der US-Präsidentschaftswahlkampf wurde vermutlich durch Cyberangriffe auf die Demokratische Partei beeinflusst, hinter denen die USA Russland vermuten. "Cyberangriffe sind eine immer größere Bedrohung nicht nur für öffentliche Institutionen und Unternehmen, sondern auch zunehmend für das Militär", sagte Doskozil, der sich derzeit zu einem Arbeitsbesuch in Israel aufhält, am Montag.

"Andere staatliche oder nichtstaatliche Akteure rüsten in diesem Bereich immer weiter auf. Wir müssen uns wappnen, denn wer hier keine eigenen Fähigkeiten aufbaut, bleibt militärisch in einem anderen Zeitalter stecken", sagt Doskozil. Der Ausbau der Cyberabwehr ist daher wesentlicher Teil der Heeresreformpläne. Auch in Israel nimmt Doskozil an einer internationalen Konferenz zur inneren und Cybersicherheit teil.

Bis zu 300 Cyberangriffe pro Jahr

Bereits jetzt wehrt das Heer laut dem Minister pro Jahr bis zu 300 Cyberangriffe ab, hunderttausende verdächtige Aktionen würden registriert und auf potenzielle Gefährdungen abgeklopft. Im Zug der Umstrukturierung des Bundesheers wird jetzt ein eigenes Kommando für den Bereich Cyberabwehr geschaffen. Bis 2020 sollen dort und im Heeresabwehramt 250 bis 350 zusätzliche neue Mitarbeiter aufgenommen werden, im Endausbau sollen es 1.350 sein. Für ihre Ausrüstung mit Hard- und Software sollen bis 2020 mindestens 46 Millionen Euro in die Hand genommen werden, für neue Schulungszentren und Sanierungs- wie Adaptierungsmaßnahmen in bestehenden Anlagen weitere 13,5 Millionen.

Neue Dimension der Einsatzführung

Warum? Einerseits "hat das Informationszeitalter auch vor dem Militär nicht haltgemacht", sagt Doskozil. Computerisierung und Vernetzung fast aller militärischen Bereiche hätten zwar die Möglichkeiten verbessert, aber auch neue Verwundbarkeiten ergeben. "Der Cyberraum wurde als neue Dimension der militärischen Einsatzführung erkannt." Anderseits habe die Landesverteidigung in der Cyberabwehr auch zusätzliche Aufgaben zu leisten, nicht zuletzt beim Schutz kritischer Infrastruktur – Stichwort Terrorabwehr – und bei der Koordination in Krisenfällen. (APA, 14.11.2016)

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