Hardliner Mike Pence soll Trump an der Hand nehmen

13. November 2016, 18:19
74 Postings

Trumps Dick Cheney soll ihn durch die Schluchten der US-Hauptstadt führen

Es gibt Menschen in Washington, die halten Mike Pence für den neuen Dick Cheney. So wie Cheney den aus der texanischen Provinz ins Oval Office gewählten George W. Bush an die Hand nehmen sollte, so soll Pence den Unternehmer Donald Trump, der noch nie ein öffentliches Amt innehatte, durch die politischen Schluchten der amerikanischen Hauptstadt führen. Zumindest ist das wohl der Plan.

Man weiß, wie es weiterging mit Bush und Cheney. Man weiß, dass der Profi an der Seite Bushs, zunächst als besonnener Realist porträtiert, mit noch größerem Eifer zur Invasion im Irak trommelte als sein Vorgesetzter. So wie im Falle Cheneys dürfte auch in den Händen des Vizepräsidenten Pence bald sehr viel Macht liegen. Falls sich auch im Kabinett bewahrheitet, was über den Geschäftsmann Trump erzählt wird, nämlich, dass er gern delegiert, wird der 57-Jährige aus Indiana mehr oder weniger unangefochten die politischen Tagesgeschäfte der nächsten Administration führen. Schon seine Berufung an die Spitze des Übergangsteams, das die neue Regierungsriege zu bilden hat, lässt darauf schließen.

Seine erste Aufgabe ist es, Brücken zu schlagen zwischen dem Präsidenten und einem Kongress, der zwar von den Republikanern dominiert wird, deren Mehrheit aber den Kandidaten Trump zu verhindern versuchte. Pence kennt das System, das sein Chef als manipuliert verdammt, er war selbst Teil davon. Zwölf Jahre saß der bullige Mann mit dem weißen Kurzhaarschnitt im Repräsentantenhaus. Er verfügt über Kontakte, die er gebrauchen kann.

Kaum war er 2000 zum ersten Mal gewählt worden, profilierte er sich schon als strammer Ideologe der Rechten. Wobei ihm die Worte überaus flüssig über die Lippen kamen. Denn zuvor zählte Pence zu einer wachsenden Schar von Radiotalkern, die sich ein Beispiel an dem Vorreiter Rush Limbaugh nahmen, um via Radio erzkonservative Werte zu vermitteln. Er sei "Christ, Konservativer und Republikaner, in dieser Reihenfolge", sagt er über sich selbst.

In Indiana, wo er 2013 Gouverneur wurde, hat er eines der härtesten Antiabtreibungsgesetze des Landes durchgesetzt. 2015 legte er eine Novelle zur freien Religionsausübung auf. Sie sah vor, dass Unternehmer schwule und lesbische Kunden aus religiösen Gründen abweisen dürfen. Nach einem Proteststurm sah er sich gezwungen, die eine oder andere Passage abzuschwächen – ohne dass sich am Kern etwas geändert hätte. (Frank Herrmann, 13.11.2016)

  • Gouverneur Mike Pence ist der designierte Vizepräsident der USA.
    foto: afp photo / saul loeb

    Gouverneur Mike Pence ist der designierte Vizepräsident der USA.

Share if you care.