Nach Trump-Sieg: Die USA stellen um auf Familienbetrieb

14. November 2016, 12:30
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Drei von Donald Trumps Kindern und sein Schwiegersohn sitzen in dem Gremium, das an der neuen Regierung zimmert

Donald Trump war schon immer der größte Fan seiner ältesten Tochter. Vor 13 Jahren fragte er den Talkradio-Moderator Howard Stern, ob er, Stern, eigentlich wisse, wer unbedingt auch in die Liga der schönsten Frauen der Welt gehöre. Im Übrigen habe er dazu beigetragen, sie zu "erschaffen". Die Antwort: Ivanka, sie habe die tollste Figur und obendrein viel Geld im Model-Business verdient. Im Wahlkampf sprach er davon, dass er wohl mit ihr ausgehen würde, wenn sie nicht seine Tochter wäre. Das grundprüde Amerika war ein wenig pikiert. Nun kann es mitansehen, wie Ivanka Trump zu einer Schlüsselfigur in einem von den Republikanern beherrschten Amerika wird.

Einflussreiche Familie

Ein Familienclan, ohne jegliche Erfahrung in Wahlämtern, schickt sich nach dem Sieg des Patriarchen an, einem ganzen Land seinen Stempel aufzudrücken. Viele Amerikaner fühlen sich bei den Trumps und dem Milieu, in dem diese leben, an die Achtzigerjahre erinnert:

Die Bilder aus dem Trump Tower – Plüsch, Kronleuchter, Blattgold – lassen irgendwie an die Southfork Ranch denken. An den Schauplatz der Fernsehserie Dallas also, die zu Zeiten, als Ronald Reagan im Oval Office regierte, Quotenrekorde feierte. Geht man nach den ersten Signalen der Übergangsperiode, in der sich der neue Präsident auf sein Amt vorbereitet, lässt sich wohl konstatieren: Schon lange nicht mehr hatte eine Familie so viel Einfluss auf die Politik der USA.

Drei Kinder und ein Schwiegersohn des Moguls sitzen im 16-köpfigen Exekutivkomitee des Teams, das über das Personal entscheidet, das demnächst im Weißen Haus arbeiten wird. Es sind Ivanka, ihr Mann Jared Kushner sowie Donald Trumps Söhne Eric und Donald jr. Auch wenn der Vergleich hinken mag, Historiker erinnert es an 1960, als John F. Kennedy nach gewonnener Wahl seinen Bruder Bobby als rechte Hand ins Kabinett holte und der weitverzweigte Kennedy-Clan seinen Einfluss in Washington geltend machte.

Melania Trump, die künftige First Lady, gehört zwar zum engsten Kreis der Familie, aber offenbar nicht zum engsten Kreis der Berater. Schon ihre Wahlkampfauftritte beschränkten sich auf zwei, drei einstudierte Reden. Als sie auf dem Nominierungsparteitag der Republikaner eine Laudatio auf ihren Mann hielt, stellte sich prompt heraus, dass sie ganze Passagen bei Michelle Obama, der aktuellen First Lady, abgekupfert hatte. Obwohl sie bereits seit 1996 in den USA lebt, lässt das Englisch der gebürtigen Slowenin noch immer einen starken Akzent erkennen. In einem Interview hat sie einmal gesagt, im Weißen Haus würde sie gern die Rolle Jackie Kennedys spielen. Es klang nach einer Stilikone, die sich politisch zurückhält, ganz anders als zum Beispiel eine Hillary Clinton im Kabinett von Bill.

Gut möglich, dass es eher Ivanka ist, die in der öffentlichen Wahrnehmung die wahre First Lady sein wird. Aufgewachsen im liberalen New York, befreundet mit Chelsea Clinton, gibt die 35-Jährige gern die aufgeklärte Brückenbauerin, die ihren Vater bisweilen milde ermahnt. Auf dem republikanischen Konvent, wo sie ihn weichzuzeichnen versuchte, hielt sie eine Rede, wie sie auch zu einem Kongress der Demokraten gepasst hätte. Von bezahltem Mutterschutz sprach sie und von besserer Kinderbetreuung.

Job für den Schwiegersohn

Als ein aus den Archiven gekramtes Video dokumentierte, wie Trump Frauen zu Sexobjekten degradierte, stimmte dessen Tochter in den Chor der Kritiker ein. Sie finde die Worte beleidigend, erklärte sie, um hinzuzufügen, dass ihr Vater in Wahrheit ganz anders sei. Jared Kushner, der Ehemann von Donalds Lieblingskind, ist für einen Schlüsselposten im Gespräch. Der Baulöwe, Spross einer jüdischen Unternehmerfamilie aus New Jersey, gilt als Kandidat für das Amt des Stabschefs im Weißen Haus. Schon im Wahlkampf war er der Manager im Hintergrund, still und effizient. So aufbrausend sein Schwiegervater sei, so beherrscht sei Kushner, sagen Insider.

Schließlich Eric und Donald junior, die Söhne Trumps. Beide hat der Senior in das Geschäft mit Hotels und Golfplätzen einbezogen, wie auch Ivanka sind sie Vizepräsidenten der Trump-Organisation. Wenn der Vater erst einmal Präsident ist, sollen sie den Konzern übernehmen, heißt es. (Frank Herrmann aus Washington, 14.11.2016)

  • Ivanka Trump  (2. v. li.),  Eric Trump und Donald Trump jr. (re.) reden bei der Frage mit, wie die neue US-Regierung aussehen soll. Auch Schwiegersohn Jared Kushner (nicht im Bild) hat großen Einfluss auf den künftigen US-Präsidenten.
    foto: apa/afp/katopodis

    Ivanka Trump (2. v. li.), Eric Trump und Donald Trump jr. (re.) reden bei der Frage mit, wie die neue US-Regierung aussehen soll. Auch Schwiegersohn Jared Kushner (nicht im Bild) hat großen Einfluss auf den künftigen US-Präsidenten.

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