Die Zirbe erlebt als Möbel eine Renaissance

14. November 2016, 14:00
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Das Villacher Unternehmen LaModula will Erbstücke und keine Wegwerfmöbel herstellen

Villach – Das wohlriechende Holz der Zirbe hat es in den vergangenen Jahren vielen Menschen angetan, besonders für Schlafzimmermöbel. Das nutzten drei Freunde aus Villach, um sich 2011 mit der Konstruktion, Produktion und dem Verkauf von Zirbenbetten selbstständig zu machen. Seit Anfang 2016 ist die LaModula OG auf Expansionskurs. Innerhalb eines Jahres wurden neben dem Onlinegeschäft drei Schauräume in Villach, Graz und Salzburg eröffnet und die Mitarbeiterzahl von drei auf 15 erhöht.

Mit 67 unterschiedlichen metallfreien Massivholzbettmodellen sei LaModula der größte Anbieter Österreichs, sagt Geschäftsführer Gerhard Bodlaj. Der Betriebswirt gründete das Unternehmen zusammen mit dem Optikermeister Martin Krebs und dem Grafikdesigner Boris Mikula. Zunächst arbeiteten die Partner noch in ihren gelernten Berufen und führten das Möbelgeschäft nebenbei über einen Onlineshop.

Seit heuer hat Bodlaj die Geschäftsführung in Vollzeit übernommen, die ersten Schauräume sind entstanden. Es seien noch weitere Standorte in Österreich und Deutschland geplant, dann wolle das Unternehmen auch die Mitarbeiterzahl aufstocken, sagt Bodlaj. Es gebe auch internationale Partneranfragen. "Wir liefern weltweit. Es steht sogar ein Bett von uns auf den Cayman Islands."

Metallfreie Stecksysteme

Das Holz kommt aus Kötschach-Mauthen vom dort ansässigen Holzhändler Thurner, produziert wird beim Integrationsbetrieb Team Styria in Graz und in Tschechien. Die Zirbenmöbel bleiben alle unbehandelt. "Unsere Betten sollen Erbstücke werden. Wir produzieren keine Wegwerfmöbel", sagt der Geschäftsführer. Neben Betten, die in einem metallfreien Stecksystem konzipiert sind, werden auch Kästen, Kommoden, Schlafsysteme, Matratzen und Bettwaren angeboten. Nicht nur die Zirbe kommt zum Einsatz. Auch Eichenholz sei wieder im Kommen, sagt Bodlaj.

Die Verarbeitung der Zirbe zu Möbeln und Hütten hat wegen ihres intensiven Wohlgeruchs in der Alpenregion eine lange Tradition. In letzter Zeit ist erneut ein Boom ausgebrochen. Der Zirbe wird nachgesagt, einen gesunden Schlaf zu fördern, wobei die Herzfrequenz gesenkt und der vegetative Erholungsprozess beschleunigt werde. Die Studie, die dies wissenschaftlich belegen soll, fuhr jedoch Kritik ein: Die Versuchsgruppe sei mit 15 Probanden zu klein gewesen, und die Untersuchung wurde mit keiner anderen Holzart wiederholt.

Zirbenpreis verdreifacht

Die erhöhte Nachfrage hat die Preise für Zirbenholz verdreifacht. Ein Festmeter kommt heute auf rund 300 Euro, 2003 lag der Preis noch bei knapp 100 Euro. Die Zirbe zählt laut Landwirtschaftsministerium zu den gefährdeten Nadelbaumarten, wegen ihres langsamen Wachstums. Es dauert mehr als 50 Jahre, bis eine Zirbe zu blühen beginnt. Die Bäume werden zwischen 200 und 400 Jahre alt. Laut der Österreichischen Waldinventur, die den Bestand erhebt, gebe es trotzdem einen steigenden Zirbenvorrat. (Stefanie Ruep, 14.11.2016)

  • Die Verarbeitung von Zirben zu Möbeln (im Bild ein mehr als 700 Jahre alter Baum nahe dem Zirbenweg in Tirol) hat eine lange Tradition.
    foto: tourismusverband region hall-wattens

    Die Verarbeitung von Zirben zu Möbeln (im Bild ein mehr als 700 Jahre alter Baum nahe dem Zirbenweg in Tirol) hat eine lange Tradition.

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