Bawag fordert Kunden zum weihnachtlichen Schuldenmachen auf

13. November 2016, 15:59
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Die Bank ermutigt dazu, die Einkaufsreserve am Konto zu nutzen. Schuldnerberater warnen vor erheblichen Risiken

Wien – Die Bawag hat laut einem Medienbericht unlängst einen ungewöhnlichen Aufruf zum Schuldenmachen an ihre Kunden versandt. Wie orf.at berichtet, landete in deren Briefkasten ein Schreiben mit folgendem Zitat: "Sie brauchen nicht bis Weihnachten warten, um sich selber oder ihren Liebsten eine Freude zu bereiten. Denn mit der Einkaufsreserve auf Ihrem Konto können Sie bereits jetzt die besten Schnäppchen für Weihnachten besorgen oder sich selbst etwas Besonderes gönnen. Ein gutes Gefühl, oder?".

Weil die Zeit bevorsteht, in der Arbeitnehmer ihr Weihnachtsgeld bekommen, hätten die Geldinstitute besonders Interesse daran, an dieses Geld der Konsumenten heranzukommen, wird dazu der Geschäftsführer der Schuldnerberatung Wien, Alexander Maly, zitiert. Um den kurzfristigen Finanzbedarf zu stillen, werde die "Einkaufsreserve", also die Beanspruchung von Überziehungsrahmen oder Dispositionskredit, offensiv beworben.

Potenzieller Einstieg in Schuldnerkarriere

Der Schuldnerberater sieht erhebliche Risiken. Die Zahl der Personen, die große Schulden durch mehrere kleine Kredite angehäuft hätten, sei in den letzten Jahren dramatisch angestiegen, so Maly. Ein Überziehungsrahmen, den eine Bank dem Kunden meist unaufgefordert gewährt, könne dazu führen, dass manche Menschen den Überblick über ihre Finanzen verlieren. Dies könne so weit gehen, dass den Betroffenen am Ende nur noch der Weg in den Privatkonkurs bleibt.

Genaue Statistiken gäbe es zwar keine, so Maly, er schätzt die Zahl der Schuldnerkarrieren, die mit einem überzogenen Konto begonnen haben, aber auf etwa 80 Prozent. Banken, die sich auf dieses kleine Kreditgeschäft spezialisieren würden, seien zu kritisieren. Ein solches Angebot sei oft an Personen adressiert, die ohnehin Probleme hätten, mit ihrem Geld auszukommen.

Branchenvertreter weist Kritik zurück

Die Überziehungszinsen für Girokonten schwanken in Österreich stark. Laut Bankenrechner der Arbeiterkammer können diese zwischen 6,9 und 13,5 Prozent betragen, heißt es in dem Bericht. Im Extremfall können laut Maly sogar bis zu 17 Prozent fällig werden.

Franz Rudorfer, Geschäftsführer der Sparte Banken und Versicherungen in der Wirtschaftskammer, beurteilt das Bewerben des Überziehungsrahmens seitens der Banken weniger kritisch. Es handle sich um ein Angebot, so Rudorfer. Den Kunden stehe es frei, dieses Angebot anzunehmen oder nicht. Ebenso sei es letztlich die Sache der Bank, ob sie dieses Angebot näher bewerbe oder nicht. Da die Überziehungsmöglichkeit generell für kleinere Beträge gedacht sei, sei die Gefahr einer ernsthaften Verschuldung eher gering, meint Rudorfer. Er verweist außerdem auf das im vergangenen September in Kraft getretene Verbraucherzahlungskontogesetz. (red, 13.11.2016)

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