Weiteres schweres Erdbeben in Neuseeland

14. November 2016, 13:31
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Stärke 6,2 – Epizentrum 120 Kilometer nordöstlich von Christchurch

Christchurch – Nach dem schweren Erdbeben der Stärke 7,8 ist Neuseeland am Montag nicht zur Ruhe gekommen. Mehrere hundert Nachbeben mit einer Stärke von bis zu 6,0 erschütterten das Land, während die Rettungsarbeiten durch starke Niederschläge behindert wurden. Das Beben in der Nacht zum Montag war das zweitschwerste in der Geschichte des Landes, zwei Menschen wurden getötet.

In Neuseeland ist das schwere Erdbeben der Stärke 6,3 von 2011 noch in wacher Erinnerung, bei dem 185 Menschen ums Leben kamen. Experten wiesen am Montag aber darauf hin, dass das Bebenzentrum auf der Südinsel des Landes diesmal 23 Kilometer unter der Erdoberfläche lag – wodurch die Ausbreitung der Erdstöße gedämpft wurde. Zudem lag das Zentrum des aktuellen Bebens recht weit von den städtischen Zentren Neuseelands enfernt.

foto: reuters/anthony phelps
Nahe dem Ort Ward auf der Südinsel Neuseelands entstanden durch das Erdbeben Risse in den Straßen.

Kaikoura durch Erdrutsche isoliert

Premierminister John Key machte sich bei einem Hubschrauberflug in der Umgebung von Kaikoura ein Bild von der Lage. Vielerorts waren Schäden durch Erdrutsche zu erkennen. Die Zufahrtstraßen zu dem Ort waren durch derartige Erdrutsche blockiert. Ein Todesfall wurde nach einem Gebäudeeinsturz in Kaikoura gemeldet, ein zweiter aus dem Gebiet nördlich von Christchurch.

Katastrophenschutz-Minister Gerry Brownlee zeigte sich zuversichtlich, dass die Opferbilanz nicht steigen werde. "Wenn es schwere Verletzungen oder gar Todesfälle gegeben hätte, wären wir darüber informiert", sagte Brownlee dem neuseeländischen Rundfunk.

Key sprach davon, dass nach dem Beben monatelange Aufbauarbeiten erforderlich sein werden. Bei Kaikoura waren zerfetzte Bahnschienen zu sehen, viele Einwohner stellten Fotos ins Netz, auf denen aufgerissene Asphaltdecken zu sehen waren.

foto: apa/afp/marty melville
Sonntagabend gab es Tsunami-Warnungen in Neuseeland.

Warnsirenen

Das Zivilschutzministerium bezeichnete den möglichen Tsunami in seiner Warnmeldung zunächst als "ein Ereignis von lebensbedrohlichem und landesweitem Ausmaß". Möglich seien Wellen bis zu einer Höhe von fünf Metern. Einige frühe Wellen waren zwei Meter hoch. Später schwächte die Behörde die Tsunamiwarnung leicht ab, warnte aber weiter vor Gefahren.

Nach dem Beben heulten Tsunami-Warnsirenen in den Küstenstädten der Südinsel und entlang der Ostküste der Nordinsel. Polizisten und Rettungshelfer gingen von Tür zu Tür, um Häuser in Wassernähe zu evakuieren. Menschen in den Küstengebieten flohen in höher gelegene Regionen. Die Seismologin Anna Kaiser von der neuseeländischen Erdbebenwarte sagte, im Süden seien in Küstennähe Gezeitenbewegungen im Umfang von etwa einem Meter aufgezeichnet worden. "Das ist einigermaßen bedeutsam, daher sollten die Menschen es ernst nehmen."

foto: reuters/sgt sam shepherd/courtesy of royal new zealand defence force
Durch Erdrutsche wurden viele Straßen verschüttet, wie hier der Highway One nahe dem Ort Kaikoura an der Ostküste der Südinsel Neuseelands.

Gebäudeschäden in vielen Regionen

In Berichten war von Gebäudeschäden in verschiedenen Regionen die Rede. Die Gemeindevertreterin Marie Black sagte der Zeitung "New Zealand Herald", in der Region North Canterbury rund 50 Kilometer nördlich von Christchurch seien zahlreiche Gebäude beschädigt. In einigen Gebieten fiel der Strom aus, Telefonleitungen waren unterbrochen.

In Neuseeland sind Erdbeben keine Seltenheit. Der Inselstaat liegt auf dem pazifischen Feuerring, wo mehrere Kontinentalplatten zusammentreffen. In dem Gebiet ereignen sich jährlich bis zu 15.000 Erdstöße. Im September hatte ein Erdbeben der Stärke 7,1 an der Ostküste Neuseelands einen kleinen Tsunami ausgelöst, bei dem es aber nicht zu größeren Schäden kam. (APA, Reuters, 14.11.2016)

Chronologie

22. Februar 2011: 185 Menschen sterben bei einem Beben der Stärke 6,3. Tausende werden verletzt. Das Epizentrum liegt nur zehn Kilometer vom Stadtzentrum von Christchurch entfernt.

4. September 2010: Die Erde bebt mit einer Stärke von 7,1. Das Zentrum liegt 30 Kilometer nordwestlich der Stadt Christchurch. Das Beben ereignet sich 16 Kilometern Tiefe. Zwei Menschen werden schwer verletzt.

15. Juli 2009: Das schwerste Erdbeben nach Jahrzehnten erschreckt Zehntausende Einwohner in Neuseeland. Mit einer Stärke von 7,8 ist es noch mehr als 1400 Kilometer vom Epizentrum entfernt zu spüren. Es liegt vor der Südwestküste des Landes. Tote gibt es nicht.

20. Dezember 2007: Die Erde bebt mit einer Stärke von 6,6. Besonders betroffen ist die Stadt Gisborne auf der Nordinsel. Eine ältere Frau stirbt an einem Herzinfarkt. Es entstehen Schäden in Millionenhöhe.

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