Handschriftliche Briefe von Stefan Zweig aufgetaucht

13. November 2016, 11:40
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Korrespondenz mit jüdischem Autor Hans Rosenkranz

Jerusalem/Salzburg – Mehr als 70 Jahre nach Stefan Zweigs Tod sind in Israel bisher unbekannte Briefe des österreichischen Schriftstellers aufgetaucht. Es handle sich um eine zwölfjährige Korrespondenz zwischen Zweig (1881-1942) und dem jüdischen Autor Hans Rosenkranz, teilte die Israelische Nationalbibliothek mit. Die 92 Jahre alte Hanna Jacobsohn, Stieftochter von Rosenkranz, habe sie der Bibliothek überlassen.

Zweig ("Schachnovelle". "Sternstunden der Menschheit") schrieb Rosenkranz zwischen 1921 und 1933 insgesamt 26 Briefe und sechs Postkarten. Die Nationalbibliothek will die handschriftlichen Dokumente bei einer feierlichen Veranstaltung am 23. November offiziell vorstellen. Dabei sollen unter anderem Hanna Jacobsohn und Klemens Renoldner, Leiter des Stefan Zweig Centre in Salzburg, anwesend sein. Die Briefe erlaubten einen neuen Blick auf das "stürmische und faszinierende Leben einer der wichtigsten und bekanntesten Schriftsteller der Welt", sagte David Blumberg, Vorstandsvorsitzender der Nationalbibliothek.

Nach Beginn der NS-Herrschaft 1933 ging Zweig ins Exil. Aus Verzweiflung über den Verlust von Heimat und Sprache nahm er sich 1942 gemeinsam mit seiner Frau Lotte das Leben.

Zweig, der immer Weltbürger sein wollte, bekannte sich 1921 in einem Brief an Rosenkranz klar zu seinen Wurzeln: "Ist Judentum Tragödie, so wollen wir sie leben: sie steht vor der Welt als die grösste des grossen Dichters Gott und ich sehe keine Schande darin, ihr Schauspieler, ihr episodischer Darsteller zu sein."

In dem Film "Vor der Morgenröte" (2016) erzählt die Regisseurin Maria Schrader Stefan Zweigs Leben. Das Werk geht für Österreich ins Rennen um den Oscar für den besten nicht-englischsprachigen Film. (APA, 13.11.2016)

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