US-Schauspieler Robert Vaughn gestorben

12. November 2016, 16:34
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83-Jähriger Serien-Star litt an Leukämie

Hollywood – "Remember me?" In John Sturges' Westernklassiker "The Magnificent Seven" hat jeder der Glorreichen Sieben seinen eigenen Auftritt. Und während Charles Bronson Holz hacken und Horst Buchholz in die Hände klatschen muss, gelingt einem ganz gelassen seine Aufnahme in den erlauchten Kreis. Ein Freund würde auf ihn warten, meint der Wirt zu Yul Brynner, und als er mit Steve McQueen die Türe zu seinem Zimmer aufmacht, sitzt dieser Mann einfach auf seinem Bett. Lässig zurückgelehnt, die Beine übereinander geschlagen und die Arme verschränkt. Im schicken Hemd mit gestreiftem Gilet und Lederhandschuhen. Ein Gunslinger. "I thought you were looking for the Johnson brothers", sagt Brynner. – "I found them."

Robert Vaughn war 1960 noch lange kein Star, und deshalb ist er in diesem Film auch der letzte Auserwählte, der den mexikanischen Bauern Hilfe zur Selbsthilfe leisten soll. Doch Vaughn machte seine Sache formidabel: Hinter der Maske der Selbstsicherheit lauert die Angst in ihm, irgendwann nicht mehr der Schnellste zu sein, verfolgt von den Geistern der Vergangenheit. Die Albträume plagen ihn in der Nacht, schweißgebadet schreckt er hoch und geht verkrampft zu Boden. Vaughn holte aus dieser Rolle alles heraus und verlieh ihrer ambivalenten Tragik ein einprägsames Gesicht. Denn er ist der Einzige, dessen härtester Gegner er selbst ist.

Das Gesicht zum Star

Im Jahr davor hatte der 1932 in New York geborene Vaughn seine erste Oscar-Nominierung erhalten, für seine Nebenrolle im Familiendrama "The Young Philadelphians" mit Paul Newman, zu diesem Zeitpunkt nur wenige Jahre älter und bereits ein Star. Vaughn war vom Theater zum Film gekommen, er war der Sohn eines Schauspielerpaars und nach einem Engagement in Los Angeles – angeblich von Burt Lancaster auf der Bühne entdeckt – in Kalifornien geblieben.

foto: ap

Auch Vaughn hatte das Gesicht zum Star, ein Gesicht der Fünfzigerjahre, ein bisschen wie Cary Grant, kantig und mit hoher Stirn. Er war knapp über dreißig Jahre alt, als er das Angebot erhielt, eine Rolle in einer Fernsehserie von NBC zu übernehmen: "The Man From U.N.C.L.E.", konzipiert als parodistische Agentenserie im Kalten Krieg, die es vermied, die politische Karte zu spielen. Vaughn übernahm die Rolle des US-Spions Napoleon Solo vier Jahre lang (1964–1968) an der Seite von David McCallum, der seinen russischen Kollegen gab, mit dem es für die international operierende Organisation mehrfach die Welt vor Verbrechern und Syndikaten zu retten galt. Ein verschmitztes Lächeln war hier immer möglich – und eine dauerhafte Präsenz für ein Millionenpublikum.

Der letzte Überlebende der Sieben

Auf die Leinwand kehrte Vaughn – ein überzeugter Demokrat und seit 1970 promovierter Kommunikationswissenschafter –, der bis zuletzt als Schauspieler aktiv war, immer wieder zurück, dabei vor allem an alte Seilschaften anknüpfend: Neben Steve McQueen in "Bullitt" (1968), neben McQueen und Paul Newman im Katastrophenspektakel "The Towering Inferno" (1974). In der Ära des All-Star-Casts war Vaughn ein beliebtes, weil bekanntes Gesicht: Als deutscher Major spielte er in "The Bridge at Remagen" (1969), im Kriegsfilm "Brass Target" (1978) neben John Cassavetes und Sophia Loren. Und in Richard Lesters dritter Auflage von "Superman" (1983) mit Christopher Reeve endlich auch einen populären Bösewicht: eine Rolle, die Vaughn ebenso wenig ernst nehmen konnte wie unsereins damals den Film.

In "The Magnificent Seven" unterhält sich Vaughn mit zwei mexikanischen Bauern, die er nächtens mit seinem Albtraum aufgeschreckt hat. Drei Fliegen krabbeln auf der Tischplatte, ein schnelle Handbewegung, und der Revolvermann hat eine gefangen. Nur eine. Es sei die Angst, die einen lähmt, sagt er. Er solle keine Angst haben, sagen die mexikanischen Bauern. "Only the dead are without fear." Robert Vaughn, der letzte Überlebende der Sieben, starb am Freitag im Alter von 83 Jahren in Connecticut. (Michael Pekler, 11.11.2016)

Update (12.11.2016, 16:30):

Die kurze Agenturmeldung wurde durch einen ausführlichen Nachruf ersetzt.

  • Artikelbild
    foto: apa / afp / getty images / mark davis
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