IS-Kämpfer exekutierten mindestens 60 Zivilisten in Mossul

12. November 2016, 10:55
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Offensiven auf IS-Hochburgen im Irak und in Syrien gehen weiter

Mossul – Kämpfer der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) haben nach UNO-Angaben im umkämpften irakischen Mossul mindestens 60 Zivilisten hingerichtet. Die Sprecherin des UNO-Hochkommissariats für Menschenrechte, Ravina Shamdasani, sagte am Freitag in Genf, der IS habe den Menschen "Hochverrat" sowie die Weitergabe von Informationen an die irakischen Streitkräfte vorgeworfen.

Die Armee führt derzeit eine Großoffensive auf die IS-Hochburg Mossul. Auch am Samstag haben sich irakische Eliteeinheiten schwere Gefechte mit IS-Kämpfern geliefert. Im Osten der Stadt versuchten die irakischen Einheiten der Anti-Terror-Truppe CTS, ihre Stellungen auszubauen, wie ein führender Offizier sagte. Die Kämpfe seien "intensiv".

Die Truppen sicherten ihre Stellungen im Stadtteil Arbajiyah, um das Nachbarviertel Al-Bakr zu umzingeln, wie Oberstleutnant Muntadhar Salem erläuterte. Der Angriff auf Arbajiyah hatte am Freitag begonnen. Die irakischen Truppen kontrollierten den Stadtteil nun, sagte Salem.

Öffentliche Hinrichtungen

Die Morde an den Zivilisten hätten am Dienstag und Mittwoch an verschiedenen Orten in und um Mossul stattgefunden, führte Shamdasani aus. Demnach töteten die Jihadisten allein am Dienstagabend in Mossul 40 Zivilisten, nachdem sie ihnen "Hochverrat und Kollaboration" mit den irakischen Sicherheitskräften vorgeworfen hatten. Die Leichen seien zur Abschreckung an Strommasten befestigt worden, sagte Shamdasani.

Ein Mossul-Bewohner berichtete AFP, er habe 30 bis 40 Leichen gesehen, auf deren Kleidung "Verräter" und "Agent" stand. "Der IS versammelt die Menschen in den Straßen von Mossul und richtet sie öffentlich hin, einige durch Schüsse, andere durch Köpfen", sagte Abu Saif. Der UNO zufolge wurde am Dienstagabend auch ein 27-Jähriger getötet, weil er ein Handy benutzte. Einen Tag später wurden demnach 20 Zivilisten hingerichtet, die Informationen an die irakische Armee weitergegeben haben sollen.

Seit dem Beginn der Offensive der irakischen Armee auf Mossul Mitte Oktober flohen der UNO zufolge bereits mehr als 47.700 Menschen aus der Großstadt. Die Anti-Terror-Einheiten der Regierungstruppen (CTS) nahmen unterdessen nach einigen ruhigeren Tagen am Freitag ihre Offensive auf den IS in Mossul wieder mit voller Kraft auf. CTS-Kommandant Muntadhar Salem sagte, die Spezialkräfte hätten einen Angriff auf den östlichen Bezirk Arbajiyah gestartet. "Die Kämpfe dauern an."

Kampf noch über Wochen und Monate

Ein anderer CTS-Offizier sagte, die Streitkräfte hätten die erste Häuserzeile Arbajiyah eingenommen und befänden sich "in Schussweite" des Bezirks Karkukli. Die Attacke auf dieses Gebiet habe aber noch nicht begonnen. Die Einsatzkräfte werden von kurdischen Peschmerga-Kämpfern sowie aus der Luft von einer US-geführten internationalen Militärallianz unterstützt. Sie kämpften sich bisher vor allem von Osten her nach Mossul vor, der Kampf um die IS-Hochburg dürfte aber noch Wochen oder sogar Monate dauern.

Unterdessen ging auch die Offensive auf die syrische IS-Hochburg Raqqa (Rakka) voran, die am Vortag wegen eines Sandsturms ins Stocken geraten war. Kämpfer der kurdisch-arabischen Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) rückten am Boden vor, unterstützt von der Luftwaffe der US-geführten Anti-IS-Koalition. Kampfflugzeuge bombardierten unablässig mutmaßliche IS-Stellungen nördlich von Raqqa, wie ein AFP-Reporter berichtete.

Ein SDF-Kommandant, Merkhas Kamishlo, sagte, das von den Jihadisten gehaltene Dorf Al-Hicha, 40 Kilometer nördlich von Raqqa, sei "vollständig eingekreist" und werde von der Luftwaffe der Koalition bombardiert. Nach der Einnahme des Dorfes würden sich die Kämpfer mit den aus den Ortschaften Ain Issa und Suluk vorstoßenden SDF-Kräfte vereinigen. Auch der Kampf um Raqqa könnte sich nach Einschätzung von US-Militärexperten Wochen oder Monate hinziehen. (APA, 11.11.2016)

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