"Das Mädchen mit den Schwefelhölzchen": Kinder, die fremden Wesen

12. November 2016, 15:00
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Choreografin Salome Schneebeli und Multimediakünstlerin Heta Multanen setzen Hans Christian Andersens Geschichte als Theaterstück um

Wien – Am Silvesterabend erfroren, weil sie sich nicht nach Hause getraut hat: Die jugendliche Zündhölzchenverkäuferin in Hans Christian Andersens Das Mädchen mit den Schwefelhölzchen dient der Choreografin Salome Schneebeli und der Multimediakünstlerin Heta Multanen im Volx/Margareten als Ausgangspunkt für eine Stückentwicklung mit jungen Darstellern. Und was hätte daraus werden können!

foto: volkstheater / alexi pelekanos

Bald aber stellt sich das Gefühl ein, dass das Regieteam mit dem Theaternachwuchs nicht so recht etwas anzufangen wusste. Nicht einmal die Kostüme – marsmännchengrüne Overalls – meinen es gut mit den Kindern. Wenn Christoph Rothenbuchner (einer von drei Volkstheaterschauspielern) das Märchen von 1845 aufsagt, müssen sie lange auf dem Boden sitzen und ihm zuhören. Symptomatisch für die 80 Minuten.

Kunstsache

Die mäßige Originalität setzt sich fort in den den Kindern zugedachten Choreografien: Sie dürfen im Kreis schreiten, sich durch die Luft werfen lassen oder künstlich verrenken. Auch Pirouetten dürfen sie drehen. Aussagekräftig ist davon wenig. Ausblick nach oben hat hier im Volx vor genau einem Jahr gezeigt, was Theater mit Kindern kann, wenn man sich auf sie einlässt. Aber das gelingt Schneebeli und Multanen nicht.

Meist sind die Kinder Beiwerk. Wenn sie zu Wort kommen, hört man keine Erzählungen, sondern Schnipsel. Während der Proben haben sie sie zu Themen des Märchens – Armut, Tod, Familie – aus eigenen Erfahrungen und Überlegungen erarbeitet. Große Fragen, von unten hinauf betrachtet. Aber kurz darauf schauen sie doch wieder Videoeinspielungen zu.

Die bekommen viel Raum. Ein Mickey-Maus-Film über den Hunger auf der Welt ist zwar liebevoll-lustig gemacht, mit seinem Rückzug auf simple Ironie aber eigentlich schrecklich fad. Ehrliche Gefühle sind knapp, Effekte üppiger.

Dann und wann flackert doch ein Lichtlein auf. Ein halbdurchsichtiger Spiegel etwa verwandelt das dahinter Spielende in ätherische Szenen. Einen Tisch zu decken wird laute Akrobatik. Musik und Gesang kommen live vom Ensemble. Sein Spiel ist ohne Tadel.

Das Stück aber nichtsdestotrotz halb gar, eine Kunstsache. Die Kinder bleiben fremd. Vielleicht deshalb die Außerirdischenkostüme. (Michael Wurmitzer, 12.11.2016)

Nächste Vorstellung am 15. 11.

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Volx/Margareten

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