"Cumhuriyet"-Herausgeber befürchtet Zwangsverwaltung

11. November 2016, 17:44
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Akin Atalay, Vorsitzender der Cumhuriyet-Stiftung, wurde am Freitag am Flughafen Atatürk festgenommen

Istanbul/Athen – Die Aufforderungen von Parlamenten und Regierungen in der EU haben nichts genutzt: Die türkische Justiz ließ am Freitag auch den Herausgeber der regierungskritischen Tageszeitung "Cumhuriyet" verhaften. Akin Atalay, Vorsitzender der Cumhuriyet-Stiftung, die das Traditionsblatt herausgibt, wurde noch am Istanbuler Flughafen Atatürk aus Berlin kommend von Polizisten abgeführt.

Der Schritt war gleichwohl erwartet worden, nachdem Atalay bereits auf der Liste der Festzunehmenden stand, als die Regierung am 31. Oktober zeitgleich in Ankara und Istanbul frühmorgens den Chefredakteur und weitere Mitarbeiter der Zeitung verhaften ließ. Atalay hielt sich im Ausland auf. Er kehrte am Freitag in Begleitung seiner Frau und der Frau des früheren Chefredakteurs Can Dündar zurück, der sich nach Deutschland abgesetzt hatte.

Vorwurf der PKK- und Gülen Verbindungen

Damit sind nun zehn "Cumhuriyet"-Mitarbeiter im Gefängnis, darunter Chefredakteur Murat Sabuncu, der Kolumnist Kadri Gürsel und der Karikaturist Musa Kart. Zwei Kolumnisten – Aydin Engin und Hikmet Çetinkaya – sind vermutlich ihres hohen Alters wegen unter Polizeikontrolle auf freien Fuß gesetzt worden; zwei weitere Mitarbeiter der Zeitung wurden ohne Auflagen aus der Untersuchungshaft freigelassen. Vorgeworfen wird allen offiziell Mitgliedschaft in der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK, die auch in Europa als Terrororganisation eingestuft wird, sowie in der Bewegung des Predigers Fethullah Gülen, eines früheren politischen Verbündeten des türkischen Staatspräsidenten Tayyip Erdoğan.

Atalay konnte türkischen Medien zufolge vor seiner Abführung am Flughafen noch mit Reportern sprechen. Dabei gab er an, Ziel der Operation gegen "Cumhuriyet" sei wohl, die Zeitung unter staatliche Verwaltung zu stellen. Dies geschah bereits mit einer Reihe von Medienunternehmen. In der Regel werden sie dann nach einiger Zeit geschlossen. Neben "Cumhuriyet" gibt es in der Türkei nur noch die regierungskritische nationalistische Zeitung "Sözcü" sowie die zwei kleinen linken Blätter "Birgün" und "Evrensel". Das Massenblatt "Hürriyet" versucht, einen vorsichtigen Kurs gegenüber der Regierung zu halten.

Mit mittlerweile 140 Journalisten in Gefängnissen ist die Türkei nun das Land mit der weltweit größten Zahl an inhaftierten Pressevertretern. (Markus Bernath, 11.11.2016)

  • Akin Atalay ist der zehnte "Cumhuriyet"-Mitarbeiter, der in der Türkei in Haft ist. Mit 140 Journalisten in Gefängnissen ist die Türkei das Land mit der weltweit größten Zahl an inhaftierten Pressevertretern.
    foto: vedat arik / cumhuriyet via ap

    Akin Atalay ist der zehnte "Cumhuriyet"-Mitarbeiter, der in der Türkei in Haft ist. Mit 140 Journalisten in Gefängnissen ist die Türkei das Land mit der weltweit größten Zahl an inhaftierten Pressevertretern.

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