Autoland Mexiko könnte zum großen Verlierer werden

12. November 2016, 15:00
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Das südliche Nachbarland der USA würde ohne Freihandel und durch den von Trump geplanten Mauerbau schwer getroffen

Tijuana/Berlin – Mexiko könnte nach der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten zu einem großen Verlierer werden. Das von dem Republikaner propagierte Ende der Nordamerikanischen Freihandelszone Nafta, hohe Zollschranken oder gar eine Grenzmauer würden die Wirtschaft ins Mark treffen. Zu abhängig ist das Land von der Weltmacht im Norden, die unter Trump auf protektionistischen Kurs umschwenken dürfte. Südlich des Rio Grande geht nun die Angst um – von der kleinen Lederfirma bis hin zu großen Auto- und Zulieferbetrieben.

Zuletzt wurden Güter aus Mexiko im Wert von 320 Milliarden Dollar im Jahr (294 Milliarden Euro) – zum Nachbarn geliefert. Machen die USA die Schotten dicht, würden viele Exportgeschäfte massiv leiden oder unrentabel werden: "Falls Nafta fallen sollte, wäre das schrecklich", sagt Direktor Manuel Montoya vom Automobil-Cluster Claut im Bundesstaat Nuevo Leon.

Niedrigere Lohnkosten

Gerade für den Norden Mexikos, wo auch dank niedriger Lohnkosten eine Art verlängerte Werkbank der US-Industrie entstand, wären Trumps Pläne verheerend. Würden in Mexiko gefertigte Produkte mit bis zu 35 Prozent Importzoll belegt, wären Lieferketten zerrissen. Obwohl der VW-Absatz nach Dieselgate schwächelt: Ein VW-Werk in den USA etwa bezieht wesentliche Teile der Fahrzeuge von der VW-Fabrik in Puebla in Mexiko.

Auch andere Autobauer wären betroffen: General Motors, Fiat Chrysler und Ford. Ford wurde in Trumps Wahlkampf attackiert, er drohte mit hohen Importzöllen, falls der Konzern ein neues Werk in Mexiko eröffnen sollte. Ford will 1,6 Milliarden Dollar in eine Kleinwagenproduktion ab 2018 investieren. "In Mexiko gefertigte Wagen sind 3000 Dollar billiger als in den USA", erklärt Claut-Direktor Montoya.

Auch FiatChrysler hat ein Viertel seiner Autoproduktion nach Mexiko exportiert. Die US-Pkw-Branchenaußenhandelsbilanz hat in den ersten neun Monaten mit einem Defizit von knapp 140 Milliarden Dollar abgeschlossen; 54 davon entfielen auf Mexiko. Betroffen sind insbesondere die Kfz-Zulieferer wie Brembo aus Bergamo. Der Hersteller von Bremsscheiben setzt vor allem auf US-Mexiko und China und will 93 Mio. Dollar in eine Gusseisenscheibengießerei in Escobedo, einer Industriestadt im mexikanischen Bundesstaat Nuevo León, investieren. (Reuters; tkb, 12.11.2016)

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