Texte übers Lesen: Realitäten zwischen Zeilen

12. November 2016, 09:00
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"Lesen ist ein großes Wunder", schrieb die österreichische Erzählerin Marie von Ebner-Eschenbach. Dieses Wochenende läuft die Buch Wien 2016. Sechs Autorinnen und Autoren schreiben übers Lesen

foto: heribert corn
Daniela Emminger

Daniela Emminger: Nichts für Feiglinge

Hilfe! Ich brauche ein Buch! Ich ertrage die Wirklichkeit nicht mehr. Die Gegenwart hängt mir, wie die Band Krixi, Kraxi und die Kroxn schon vor Jahren treffend formuliert hat, schon lange zum Hals heraus. Das Problem ist die Echtzeit, denke ich, in der immer alles ganz schnell gehen muss, die ungefiltert, gephotoshoppt, gefacebookt daherkommt. Erfrischend anders verhält sich das mit einem Buch. Es fängt die Realität zwischen den Zeilen, zwischen den Worten und zwischen zwei Deckeln ein, sodass man sie subjektiv erfassen und in aller Ruhe an- und ausgreifen kann. Die Echtzeit ist tot, es lebe die Lesezeit! Die lässt sich und hat nämlich jede Menge – Zeit – zum (Nach-)Denken und Fühlen und Ausloten der Wirklichkeit. Doch Lesen ist nichts für Feiglinge.

Lesen ist anstrengend, aufreibend, abenteuerlich und: leider auch aus der Mode gekommen. Schade eigentlich, denn Bücher verkörpern das eigentlich Echte, sie offenbaren uns Lebensessenzen und Erfahrungsschätze, lassen uns in alte Zeiten und fremde Galaxien reisen, Zusammenhänge verstehen, Einsichten gewinnen, Trost und unglaubliche Freuden erfahren. Lesen ist das ganz große Glück. Schon ein einzelnes Wort kann die Welt bedeuten, das eigene Wahrheitskonstrukt auf die Probe stellen, den Gefühlshaushalt durcheinanderwirbeln und den Verstand – je nach Lektüre – erschaudern, wachsen, verzweifeln oder tanzen lassen. Ich möchte in meinen Behauptungen sogar so weit gehen, dass Bücher einem das Leben retten können. Wäre ich nicht schon im Volksschulalter mit dem Lesevirus infiziert worden, bestimmt gäbe es mich gar nicht mehr, bestimmt hätte ich die letzten dreißig Jahre nicht überlebt.

Ob es nun Christine Nöstlingers Feuerrote war, die mir gezeigt hat, dass der Kampf gegen die Ungerechtigkeit der Welt ein unerlässlicher ist, oder Thomas Bernhard, bei dem ich sprichwörtlich Gehen gelernt habe ("Es ist ein ständiges zwischen allen Möglichkeiten eines menschlichen Kopfes Denken und zwischen allen Möglichkeiten eines menschlichen Hirns Empfinden und zwischen allen Möglichkeiten eines menschlichen Charakters Hin- und Hergezogenwerden"), eine Elfriede Jelinek, die mit ihren messerscharfen Worten die eigenen Taten vorangepeitscht hat, oder Daniil Charms' Dadaistensuada, die die Grenzen zwischen Fantasie und Wirklichkeit gesprengt hat – Lesen vermochte immer schon das schier Unglaubliche: Es macht uns zu besseren Menschen, solchen, die sich selbst nicht zu wichtig nehmen, die sich in andere hineinzuversetzen suchen, die neuen Sachverhalten und fremdem Gedankengut gegenüber aufgeschlossenen bleiben, die sich Seite für Seite vorangraben zum Mittelpunkt einer Welt, in der alles möglich ist und vor allem erlaubt: das Laute und das Leise, das Dumme und Gescheite, das Vermeintliche und Tatsächliche, das Heitere und Ernste. Jedes gelesene Buch ist ein weiteres Puzzlestück zum Selbst- und damit Weltverständnis. Darum: Bitte lesen Sie! Lesen Sie, zweifeln Sie, verzweifeln Sie, machen Sie weiter.

Daniela Emminger liest am Sa, 19. 11., um 17 Uhr beim Fesch'markt Wien.

Daniela Emminger, "Gemischter Satz". € 18,90 / 112 Seiten. Czernin- Verlag 2016

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Manfred Rebhandl

Manfred Rebhandl: Mensch statt Laus!

Neulich saß ich mit Veit Heinichen (eine Eiche, super Typ!) in erLesen, und er nannte Schuld und Sühne als seinen Lieblingskrimi oder wie man auch sagt: Verbrechen und Strafe. Das war lustig, denn das Buch lese ich selbst gerade oder vielmehr: Ich pflüge mich seit Wochen durch St. Petersburg, atme den Duft der Rinnsale, den Gestank der engen, niedrigen Wohnungen, und gewöhne mich an Kleidung, die nie gewechselt wird. All das fasziniert mich über alle Maßen: kein Shampoo! Keine frischen Socken! Bettwäsche alle fünf Jahre neu, aber nur weil die alte von Motten zerfressen ist.

Der Plot ist auch ganz okay, obwohl der Mörder natürlich von Anfang an bekannt ist. Aber darum geht es ja nicht, es geht um "Bin ich eine Laus oder ein Mensch?" Auch dass es mit Sonja Semjonowna keine Femme fatale ist, die den armen Raskolnikow letztlich zum Geständnis treibt, sehe ich Dostojewski gerne nach. Aber! Hier muss ich der Eiche doch ans Bein pinkeln: "Er war ungefähr fünfzig Jahre alt, überdurchschnittlich groß, korpulent ... Er war elegant und bequem gekleidet ... Sein breites Gesicht mit den hervorstehenden Backenknochen war recht angenehm und hatte eine frische Farbe ... Sein Haar, noch sehr dicht, war ganz blond, vielleicht ein ganz klein wenig angegraut, und sein breiter, schaufelförmiger Bart war noch heller als sein Kopfhaar. Seine blauen Augen blickten kalt, hartnäckig und nachdenklich. Seine Lippen waren blutrot. Überhaupt war er ein Mann, der sich gut gehalten hatte und weit jünger aussah, als er war."

Im Fach "Personenbeschreibung" hat Dostojewskij in der Schule ohne Zweifel aufgepasst, seitenlang liest man "Sie trug, er trug, ihre Haut, seine Haut, ihre Haare, seine Haare." Sicher die Hälfte des Buches geht dafür drauf, bedenkt man, dass doch ein paar Leute darin herumlaufen. Das alles ist oft kaum auszuhalten, aber ich habe mich nun mal entschieden, nur noch Klassiker zu lesen. Sie sind Teil meines großangelegten Projekts "Mensch statt Laus". Ab 20 Uhr gibt es kein Internet mehr! Irgendwann schockierte mich nämlich die Anzahl der Stunden, die ich dort verbracht habe, seit es erfunden worden war. Es müssen zusammengenommen Jahre sein! Nun will ich den Rest meiner Abende lieber mit richtig hartem Klassikerstoff zubringen, das ist besser als Social Media. Als Nächstes werde ich mir Bergkristall von Stifter zuführen. Hinterm Ofen ist der richtige Ort dafür, und Weihnachten die richtige Zeit.

Manfred Rebhandl liest am Sa, 12. 11., um 12 Uhr, Wasnerin-Bühne auf der Buch Wien.

Manfred Rebhandl, "Der König der Schweine". € 12,95 / 280 S. Haymon 2016

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Petra Hartlieb

Petra Hartlieb: Vergnügen und Brotberuf

Es gibt AutorInnen, die keine Bücher lesen, wenn sie selber gerade in einer produktiven Schreibphase stecken. Ich kenne solche. Die kochen dann jeden Abend ein warmes Essen, gehen viel spazieren, und zur Belohnung schauen sie am Abend Serien auf Netflix. Manchmal würde ich mir wünschen, ich könnte das auch. Wenn man selber schreibt und ständig die Bücher anderer liest, dann ist das Schreiben noch schwieriger, als es ohnehin schon ist. Entweder sind die Bücher der anderen zu gut, und man bekommt die Krise, weil man sich nicht vorstellen kann, jemals etwas ähnlich Gutes zu verfassen, oder sie sind zu schlecht und es stellen sich die üblichen Zweifel am überhäuften Buchmarkt ein.

Ich kann das nicht, denn ich habe noch einen Brotberuf und die Bedingung für diesen Beruf ist, dass ich viele Bücher lese. So lese ich ständig und querbeet, manchmal auch sogenannte seichte Unterhaltung, zwischendurch blättere ich in Bilderbüchern, und einmal im Jahr lese ich einen historischen Roman. Neben meinem Bett liegt ein meterhoher Stapel von Büchern, alles Dinge, in die ich noch "schnell reinschauen" muss. Da sind natürlich welche dabei, die nur angelesen werden, das heißt, man liest die ersten fünfzig Seiten und hat genügend Informationen, um sie an den Mann oder die Frau zu bringen. Das ist gefährlich, denn manche Bücher nehmen erst nach dem ersten Drittel richtig Fahrt auf oder nehmen Wendungen, die man am Beginn nicht erahnen kann. So hab ich auch schon blauäugig einer alten Dame eine "nette" Familiengeschichte verkauft, die sich dann ab der Hälfte zu einer romantischen Liebesgeschichte zwischen zwei Männern entwickelt hat, ein Roman für eine Kundin, die nichts Trauriges wollte, entpuppte sich ab Seite 225 als Geschichte, in der alle sterben. Fazit: Bitte noch den Schluss lesen!

Das ist das professionelle Lesen. Dann gibt es noch das begeisterte – eine einer Sucht nicht unähnliche Art zu lesen. Wenn du nach der ersten Seite merkst, da hast du etwas entdeckt, obwohl du weißt, dass vor dir schon eine ganze Riege an AgentInnen, ÜbersetzerInnen, LektorInnen, Marketingleuten und VertreterInnen den Stoff entdeckt hat, und du dich trotzdem fühlst, als wärst du die Erste, die diese wunderschöne einsame Insel betritt und dir schon insgeheim überlegst, wen du darauf einlädst. Das sind die Lieblingsmomente beim Lesen, dieses Gefühl, das mich bei manchen Büchern befällt, sie mit anderen zu teilen. Und die zahlen auch noch Geld dafür.

Petra Hartlieb liest am 23. 11. um 19 Uhr im Josefinum in Wien.

Petra Hartlieb, "Ein Winter in Wien". € 16,95 / 176 Seiten. Rowohlt-Kindler-Verlag 2016

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Ela Angerer

Ela Angerer: Sein Herz sprechen lassen

Das Lesen von Büchern trainiere unser Gehirn, sagt die Forschung. Was sie uns nicht sagt: Es gibt gutes und schlechtes Lesen. Schlechtes Lesen, seien wir ehrlich, bedeutet Gehirnverseuchung und damit einhergehende Lebensqualitätsminderung. Dazu gehört alles von "Muss man jetzt lesen" bis Megabestseller. Nach Widerfahrnis von Bodo Kirchhoff (Deutscher Buchpreis 2016) hat man möglicherweise nie wieder Lust, Migranten entgegenzukommen. Außerdem gibt es in diesem Angebertext Wandfarben, die an den verblassten Rest einer geistlosen Farbidee erinnern. Es kommen auch Korken vor, die ihrer Weinflasche mit einem fast menschlichen Laut entkommen. All das kann einem die Welt verleiden.

Und warum sollte man als erwachsener Mensch Harry Potter lesen? Man wird auf der nächsten Abendgesellschaft nicht mitreden können, wenn es um Donald Trump, Frauenverachtung oder die Arbeitswelt in Japan geht – denn man kennt ja leider nur den Zauberlehrling.

Wie anders wird man dagegen von Daniel Kehlmanns neuer Erzählung Du hättest gehen sollen empfangen. Das Geheimnis ist, das man sich ja doch liebt. Hier haben wir es nicht mit fremden Figuren und ihrem behaupteten Leben zu tun, sondern sind mittendrin – weil die Gedanken des Autors etwas in uns berühren. So wie gutes Lesen überhaupt immer etwas mit uns zu tun hat, egal, ob die Geschichte in Ghana oder in den Schweizer Bergen angesiedelt ist oder in der französischen Provinz: Flaubert in Taschenbuchform (€ 11,99) ist mindestens so viel wert wie fünf Stunden beim Gesprächstherapeuten (ab € 350). Joseph Roth und Stefan Zweig erklären uns Österreich. Und Japan kann man in den komödiantischen Romanen von Amelie Nothomb besser kennenlernen als in jeder Fernsehdokumentation.

Aber wie findet man Bücher, die sich zum guten Lesen eignen? Ganz einfach: Man lässt sein Herz sprechen. Dafür gibt es mehrere Methoden: Man liest den ersten Satz. Man liest die erste Seite. Oder man liest konsequent die Seite hundert. Dabei schaltet man das Gehirn aus und wartet, was passiert. Dann sieht man, ob diese Textstelle innerlich ausschlägt, ob man mehr davon will. Gutes Lesen funktioniert genauso.

Der Rest ist wie bei einem großen Film: Die Welt erscheint wie scharfgestellt. Sie bekommt etwas unglaublich Elegantes, und dieses Gefühl färbt auf das eigene Leben ab. Mit jedem guten Buch schlagen wir ein neues Kapitel auf.

Ela Angerer liest am So, 13. 11., um 16 Uhr, Wasnerin-Bühne auf der Buch Wien.

Ela Angerer, "Und die Nacht prahlt mit Kometen". € 19,95 / 191 Seiten. Aufbau-Verlag 2016

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René Freund

René Freund: Lesen oder leben?

Ich bin jetzt 49 Jahre alt und beginne langsam meinen Vater zu verstehen, der so oft gesagt hat: "Ich hätte gern ein eigenes Leben nur zum Lesen." Als Junger denkt man: Das geht sich alles aus. Doch die Lebenszeit wird kürzer, die Bücherliste länger und die Frage drängend: Lesen oder leben?

Natürlich, das Lesen gehört zum Leben, jedenfalls zu meinem Leben. Dabei stehen oft – teilweise aus Bewunderung, teilweise aus Gründen paranoider Marktbeobachtung – die neuesten Werke der Kolleginnen und Kollegen auf dem Programm. Von denen weiß ich, dass manche unter ihnen Bücher regelrecht verschlingen, während andere dem Motto huldigen: "Das bisschen, was ich lese, schreibe ich mir selber."

Für mich als Autor ist das Lesen eine zwiespältige Sache. Einerseits lerne ich beim Lesen viel über das Schreiben, zumal von den Meistern. Andererseits stecke ich mich leicht einmal an mit einem Stil, vor allem, wenn er prägnant ist, und am nächsten Tag schauen meine Sätze plötzlich so aus wie die von Kleist, Thomas Bernhard oder Wolf Haas. Deshalb meide ich das allzu intensive Lesen, wenn ich gerade mitten in der heißen Schreibphase bin. Überhaupt, ich schaue in letzter Zeit ganz gerne einfach nur vor mich hin. Auf die angezuckerten Spitzen der Berge. In die Augen meiner Freundinnen und Freunde, bei einem Glas Wein und guten Gesprächen. Aufs Meer. Ins Kaminfeuer.

Ein echtes, schweres Buch

Allerdings habe ich mir auch vorgenommen, mehr Klassiker zu lesen oder wiederzulesen. Zum Beispiel habe ich mich gerade in Anna Karenina vertieft. Was für ein unfassbarer Autor, dieser Leo Tolstoi! Ein Psychologe, Menschenkenner, und wie spannend er schreibt! Anna Karenina hat 1094 Seiten und gefühlte 17 Kilo. Von der Lesezeit einmal ganz abgesehen, hoffe ich, in der Lage zu bleiben, das Buch überhaupt in Händen halten zu können.

Denn ein echtes, schweres Buch aus raschelndem, duftenden Papier muss es für mich schon sein. Als Nächstes stehen Die vierzig Tage des Musa Dagh von Franz Werfel auf dem Programm, das hat immerhin 992 Seiten. Und dann möchte ich mich gleich an die Wiederentdeckung von Dostojewski machen. Die Brüder Karamasow haben 1184 Seiten. Wenn ich mit diesen Büchern fertig bin, sehe ich wahrscheinlich aus wie ein Bodybuilder und bin so alt, dass ich mir dann tatsächlich wie mein Vater ein eigenes Leben nur zum Lesen wünsche.

René Freund liest am So, 13. 11., um 15 Uhr im Standard Literaturcafé auf der Buch Wien.

René Freund, "Niemand weiß, wie spät es ist". € 20,60 / 272 S. Deuticke 2016

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Doris Knecht

Doris Knecht: Im Club der Bücherwegleger

Das letzte Buch, das ich gelesen habe, war Die Welt im Rücken von Thomas Melle, letztes Wochenende, praktisch in einem Zug. Danach war ich durch den Wind, tagelang, habe ständig über das Buch nachgedacht, über seinen Autor und dessen Leben mit einer massiven bipolaren Störung, das er darin beschreibt. Ich war tief beeindruckt von dem Buch und bin es immer noch, von der Klarheit und der Schonungslosigkeit von Melles Blick auf sich und seine Verhältnisse, von seiner präzisen Sprache: wie er immer den richtigen Tonfall findet, die angemessene Lautstärke, wie er nie zu viel Druck ausübt oder sich in Pathos oder Selbstmitleid verfängt. Das Buch hat mich weggeblasen. Vor Melle habe ich – ich scheue mich, das zuzugeben – länger kein Buch gelesen, nein falsch: Ich habe länger kein Buch fertiggelesen, seit Monaten ist es keinem Roman gelungen, mich über 30 Seiten hinaus zu fesseln beziehungsweise: fester zu fesseln als das Internet und all die kleinen und größeren Geschichten, die es mir in die Facebook-Timeline und ins Bewusstsein schwemmt. Ich bin, weil auch immer auf der Suche nach Kolumnenstoff, Happenleserin und internetsüchtig – ich bin nicht stolz darauf.

Es ist beschämend, zumal für eine Autorin von Büchern. Ich würde hier lieber mit einer Liste wichtiger Romane und Klassiker aufwarten, die ich in den letzten Monaten gelesen habe, aber ich habe keine, nur eine Reihe von TV-Serien und einen Stapel begonnener und nicht zu Ende gelesener Bücher. Ich bin jetzt Mitglied des Clubs der Bücherwegleger, im Gegensatz zu jenen, die der Religion anhängen, man müsse ein angefangenes Buch unter allen Umständen bis zur letzten Seite lesen, auch dann, wenn es fürchterlich langweilt. Wahrscheinlich ein Relikt der Entbehrungen der Nachkriegsära, wie das Aufessenmüssen, aus einer Zeit, in der Essen und Bücher Luxus waren. Früher, als Kind, war ich auch eine Bücheraufesserin, in erster Linie eine Büchereibücheraufesserin, man hat schließlich fürs Ausborgen bezahlt. Zudem musste etwas, das ein Verlag zwischen zwei Buchdeckel gedruckt hatte, Qualität haben. Oder. Damals war ich jung, lesesüchtig und leicht zu beeindrucken. Jetzt esse ich nicht mehr alles auf und lese nicht immer alles z'amm. Das liegt nicht an den Autorinnen und Autoren, sondern an einer über die Jahre angelesenen, nicht objektivierbaren Heikelkeit und einem leicht zu reizenden finalen Weglegreflex schon bei minimalster Ablenkung. Bei der Welt im Rücken hat er nicht angeschlagen.

Doris Knecht liest am So, 13. 11., um 14.15 Uhr, Wasnerin-Bühne auf der Buch Wien.

Doris Knecht, "Langsam, langsam, nicht so schnell", € 17,90 / 224 Seiten. Czernin 2016

(Album, 12.11.2016)

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