Absage an den Zweifel

11. November 2016, 16:43
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Österreichs Fußballer stehen in der WM-Qualifikation unter Druck. Sollte am Samstag im Happel-Stadion Irland nicht geschlagen werden, dann wird es finster

Wien – Kapitän Julian Baumgartlinger hat einen schönen Satz gesagt: "Wir verzichten darauf, an uns zu zweifeln." Am Tag vor dem Treffen mit Irland wollten irische Journalisten wissen, was denn in den vergangenen zwölf Monaten in der österreichischen Fußballnationalmannschaft alles schiefgelaufen sei. Warum man den Faden verloren habe, weshalb die möglicherweise zu hohen Erwartungen nicht mehr erfüllt werden konnten. Darüber könnte man natürlich stundenlange Vorträge halten, Dissertationen schreiben, eine Fernsehserie drehen, die einfachste Lösung verriet Baumgartlinger: "Abhaken. Wir wissen, dass wir besser sind, als es die Ergebnisse vermuten lassen. Leider zählen nur die Ergebnisse."

Darauf kommt es natürlich auch am Samstag um 18 Uhr im ausverkauften Happel-Stadion an. Das vierte Spiel der WM-Qualifikation (live auf derStandard.at) steht an, sie begann schleppend, nur vier Punkte, Irland hat immerhin schon sieben. Teamchef Marcel Koller ist sich der Brisanz logischerweise bewusst, den Ausdruck "Schicksalsspiel" lehnt er strikt ab, zu Recht, er ist nämlich ziemlich doof.

Der Schweizer wurde am Freitag übrigens 56 Jahre alt, da drängt sich der an sich unsägliche Gedanke auf, dass das schönste Geschenk ein Sieg am Tag nach dem Fest wäre. Die Vorbereitung ist unfallfrei verlaufen. "Ich gehe davon aus, dass wir ab 18 Uhr voll Tatendrang sind, alles geben, mit der richtigen Überzeugung auftreten." Man müsse sich den robusten, zweikampfstarken Iren entgegenstellen, ihnen die Schneid abkaufen, hinten sicher agieren, mehr als die nötigen Meter laufen "und vorn Fußball spielen. Ich glaube an unsere Qualitäten."

Natürlich sei aufgrund der jüngsten Resultate das Selbstvertrauen ein wenig abhandengekommen. "Das ist so, wenn man verliert. Aber uns ist das Wissen geblieben, jederzeit gewinnen zu können. Irgendwann werden wir für den Aufwand wieder belohnt."

Mit Schöpf und Sabitzer

Baumgartlinger sagte noch, dass es seinen Kollegen und ihm nicht an Selbstvertrauen mangle. "Es geht darum, dass wir es gemeinsam aufs Feld bringen." Koller wird nicht groß experimentieren, er betonte, für Konsequenz und Konstanz zu stehen. Kevin Wimmer dürfte wieder den linken Verteidiger mimen, es ist davon auszugehen, dass Schalke-Legionär Alessandro Schöpf den Platz des verletzten Zlatko Junuzovic als Zehner einnimmt. Martin Harnik witzelte, wäre er Teamchef, würde er eher Marcel Sabitzer als sich selbst an den rechten Flügel stellen ("Er hätte sich das verdient"). Koller wird Harnik höchstwahrscheinlich nicht irren lassen.

Marc Janko dürfte aufgrund seiner Größe und Robustheit in der Mitte wohl stürmen, er soll die irischen Verteidiger beschäftigen. Wobei Koller einschränkte: "Es ist nicht entscheidend, ob jemand groß oder klein ist, arbeiten und alles geben muss er." Der irische Teamchef Martin O'Neill muss auf gleich drei Stützen verzichten, Shane Long, Stephen Ward und James McCarthy sind verletzt. Die Videoanalysen waren demnach zwar nicht sinnlos, aber nicht ganz aussagekräftig. Aber wie sagten Koller und Baumgartlinger? "Wir müssen in erster Linie auf uns schauen." (Christian Hackl, 11.11. 2016)

WM-Qualifikation/Gruppe D/4. Runde:
Österreich – Irland (Wien, Ernst-Happel-Stadion, Samstag, 18.00 Uhr/live ORF eins, SR Sergej Karasew/RUS)

Mögliche Aufstellungen:

Österreich: Özcan (Bayer 04 Leverkusen/9 Länderspiele) – Klein (VfB Stuttgart/43/0 Tore), Dragovic (Bayer 04 Leverkusen/52/1), Hinteregger (FC Augsburg/20/1), Wimmer (Tottenham Hotspur/6/0) – Baumgartlinger (Bayer 04 Leverkusen/51/1), Alaba (FC Bayern München/52/11) – Sabitzer (RB Leipzig/24/4), Schöpf (Schalke/10/2), Arnautovic (Stoke City/58/13) – Janko (FC Basel/59/28)

Ersatz: Lindner (Eintracht Frankfurt/8), Lukse (SCR Altach/0) – Lazaro (Red Bull Salzburg/4/0), Madl (Fulham/0), Suttner (FC Ingolstadt/17/0), Stangl (Red Bull Salzburg/0), Ilsanker (RB Leipzig/19/0), Onisiwo (Mainz/1/0), Harnik (Hannover/61/14), Schaub (Rapid Wien/1/0), Gregoritsch (Hamburger SV/1/0), Hinterseer (FC Ingolstadt/11/0)

Es fehlen: Junuzovic (Entzündung in der Ferse), Prödl (Adduktorenprobleme), Almer (Kreuz- und Seitenbandriss)

Irland: Randolph (West Ham) – Coleman (Everton), Duffy (Brighton), Clark (Newcastle), Brady (Norwich) – Whelan (Stoke), Hendrick (Burnley), Arter (Bournemouth) – McGeady (Preston), Walters (Stoke), McClean (West Bromwich)

Ersatz: Westwood (Sheffield Wednesday), C. Doyle (Bradford), – Keogh, Pearce (beide Derby), O'Shea (Sunderland), McShane (Reading), Boyle (Dundalk), Meyler (Hull), Gleeson (Birmingham City), Hayes (Aberdeen), Horgan (Dundalk), Rooney (Aberdeen), McGoldrick (Ipswich), O'Dowda (Bristol City), Hoolahan (Norwich), K. Doyle (Colorado Rapids)

Es fehlen: Long, Christie, Ward, McCarthy, Quinn, Murphy, O'Kane (alle verletzt)

  • Nicht alle, aber einige dieser österreichischen Fußballer werden gegen Irland einlaufen und das Beste geben.
    foto: apa/neubauer

    Nicht alle, aber einige dieser österreichischen Fußballer werden gegen Irland einlaufen und das Beste geben.

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