Bayerische Kommissare sollen "Bandido" gedeckt haben

11. November 2016, 16:38
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Staatsanwaltschaft Nürnberg ermittelt wegen des Verdachts der Strafvereitelung gegen LKA-Beamte

München/Berlin – Über die Art der Kontaktaufnahme gibt es durchaus unterschiedliche Aussagen. Von einer "Razzia" im bayerischen Landeskriminalamt (LKA) berichten mehrere bayerische Medien. Staatsanwälte und Ermittler aus Nürnberg hätten sich vor einigen Tagen schon auf den Weg in die bayerische Hauptstadt gemacht, um dort bei den Kollegen vom LKA Unterlagen zu beschlagnahmen. Im LKA hingegen wiegelt man ab. Eine Razzia sei das nicht gewesen, vielmehr die "Übergabe" eines Schriftstücks.

Doch egal, wie man die eher ungewöhnliche Begegnung unter Kollegen nun nennt – sie schlägt jedenfalls hohe Wellen. Denn die Nürnberger Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts der Strafvereitelung im Amt, um Urkundenfälschung, Falschaussagen vor Gericht sowie um sogenannten Diebstahl in mittelbarer Täterschaft gegen sechs LKA-Beamte, zwei davon sind in leitender Position.

Quasi-Komplize bei Baggerdiebstahl

Einer der Beamten wurde bereits im Februar vom Dienst suspendiert. Der Kripokommissar war Kontaktmann eines Verbindungsmanns im Rockermilieu. Er soll Straftaten des V-Manns bei den "Bandidos" nicht nur gedeckt haben, sondern beim Diebstahl von Minibaggern in Dänemark quasi Komplize gewesen sein.

Ins Rollen gekommen war die Angelegenheit durch einen Drogenprozess gegen den V-Mann Mario F. Dieser war 2013 verurteilt worden. Im Prozess hatte er die Beamten des LKA massiv beschuldigt. Seine Version der Geschichte: Er selbst sei am Drogenhandel überhaupt nicht interessiert gewesen. Aber er habe an kriminellen Aktionen teilnehmen müssen, der für in zuständige V-Mann-Führer habe dies sogar forciert, weil er sich so Informationen aus dem inneren Kreis der Bandidos erhoffte.

Gericht glaubt V-Mann nicht

Die Beamten stritten dies ab, das Gericht glaubte Mario F., der ein langes Vorstrafenregister hat, kein Wort und schickte ihn sieben Jahre ins Gefängnis. In einem zweiten Prozess fiel, im August 2016, das Urteil mit zwei Jahren und drei Monaten Haft deutlich geringer aus. Denn mittlerweile hatte sich auch die Staatsanwaltschaft für die Aussagen von F. interessiert und Ermittlungen gegen das LKA eingeleitet. Schon 2014 und 2015 wurden die Räume des LKA durchsucht.

Mittlerweile besteht der Verdacht, dass der für Mario F. zuständige LKA-Kommissar dem "Bandido" sogar Tipps für den Diebstahl der teuren Minibagger in Dänemark gegeben hat und danach mit Kollegen Akten über F. fälschte. Bis auf einen suspendierten Beamten sind die anderen verdächtigen Beamten weiter im Einsatz. Ein Kriminaldirektor leitet die wiederaufgenommenen Ermittlungen zum Oktoberfestattentat im Jahr 1980. Die SPD fordert nun seinen Abzug aus der leitenden Position. (bau, 11.11.2016)

  • Ein "Bandido" bringt Beamte des LKA Bayern in Schwierigkeit.
    foto: marius becker/dpa

    Ein "Bandido" bringt Beamte des LKA Bayern in Schwierigkeit.

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