Irans Regierung sieht keine Gefahr für Atomdeal

11. November 2016, 16:37
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Während iranische Medien vom "Sieg des Verrückten" oder einer "tragischen Komödie" sprechen, versuchen Spitzenpolitiker Ängste um das Atomabkommen zu besänftigen

In den iranischen Medien löste die US-Wahl die unterschiedlichsten Reaktion aus. "Es scheint, dass alle Nationen in bestimmten Phasen in ihrer Geschichte einen Hang zu unüberlegten Entscheidungen durchzustehen haben", schrieb die liberale Zeitung "Shargh" und bezeichnete die Vorgänge als "tragische Komödie". Auch Vergleiche mit den Wahlen im Iran vor elf Jahren wurden gezogen. Damals hatte Mahmud Ahmadi-Nejad im Gegensatz zu allen Voraussagen gewonnen. Die konservative Zeitung "Keyhan" erschien nach den Wahlen mit dem Aufmacher "Sieg des Verrückten gegen Lügnerin" und belächelte die Wahlen in den Vereinigten Staaten.

Inzwischen wird auch auf eine Rede des religiösen Führers vor fast einem Monat Bezug genommen, in der er zu den Wahlen in den USA – ohne direkt Namen zu nennen – Stellung bezogen und erklärt hatte: "Ein Mann verrät, wie skandalös die Verhältnisse in den USA sind, und bestätigt indirekt das, was wir immer über die Situation in den USA gesagt haben. Kein Wunder, wenn die Masse ihn unterstützt."

Politische Folgen

Die Auswirkungen auf den Iran beschäftigen seit Mittwoch weiterhin die Politik in Teheran. Präsident Hassan Rohani und Außenminister Mohammed Javad Zarif versuchen im Zusammenhang mit dem Atomdeal die Gemüter zu beruhigen: Eine einseitige Aufkündigung durch die USA sei ein Widerspruch zu den Vereinbarungen mit dem Sicherheitsrat der Vereinten Nationen. Zugleich sind konservative Medien durchaus der Meinung, dass das Abkommen auf der Kippe stehen könnte. In Zeitungskommentaren melden sich auch Gegner der Vereinbarung zu Wort und erhoffen sich neuen Auftrieb vor der Präsidentenwahl im Iran im Mai nächsten Jahres.

Innerhalb der iranischen Bevölkerung haben die meisten die US-Wahl mit großem Interesse verfolgt und heftig in Internetforen diskutiert. Bei den in den USA lebenden Exiliranern war allerdings nicht klar zu erkennen, für wen sie sich entschieden hatten. (Amir Loghmany aus Teheran, 11.11.2016)

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