Fotograf Emil Gataullin: Ewigkeitsrendezvous

17. November 2016, 10:15
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Der akademisch ausgebildete russische Freskomaler spürt in seinen Fotos der Frage nach, was den Alltag sinnvoll und lebenswert macht

Ein Baumeister der unsichtbaren Räume ist er, einer, der zur Anbetung des Moments aufruft, einer, der der Ewigkeit und gleichzeitig der Endlichkeit des Seins huldigt, ist er: der Poet Emil Gataullin.

In archaischen Schwarz-Weiß-Fotografien spürt der akademisch ausgebildete russische Freskomaler weniger einer diffusen Aktualität nach denn der Frage, was den Alltag sinnvoll und lebenswert macht. Melancholisch ist sein Grundmotiv, das in Moll nach der Wahrheit sucht, nicht aber traurig.

Gataullin, ein Spätberufener in Sachen Fotografie, ist ein poetischer Chronist der einfachen Menschen. Er erzählt Geschichten. Nie laut, nie indiskret, nie schamlos. Der 1972 in Koroljow bei Moskau Geborene dokumentiert in einer von Humanismus geprägten Perspektive, die wie sein Stil, sein spezieller Blick an Großmeister Henri Cartier-Bresson erinnert, etwas, das wir in unserer von Reizüberflutung, Schnelllebigkeit und Oberflächlichkeit geprägten Welt suchen: das einfache Leben – mit der immerwährenden Sehnsucht nach Glück, Erfüllung, Liebe, schlicht einem friedvollen Zusammensein.

Er visualisiert, was andere nicht sehen. Zauberhaft die Kompositionen seiner Bilderwelten. Einfach, klar, strukturiert, reduziert auf das Wesentliche. Mit einem Blick, der heute in Vergessenheit gerät. Aufrichtig, authentisch, ungeschönt.

Kein Wunder, dass sein Werk – wunderbar unzeitgemäß – Zeitgeist verweigernd, analog entsteht. Bleibt nur noch zu bemerken, dass das Epos – jedes Bild ist großartig – der Imagination des perfekten Fotobuchs nahekommt. (Gregor Auenhammer, Album, 12.11.2016)

Emil Gataullin, "Bis zum Horizont". € 49,90 / 256 Seiten. Edition Lammerhuber, Baden bei Wien 2106. Gleichnamige Ausstellung zeigt die GAF Galerie für Fotografie in Hannover bis 15. 1. 2017

  • Cartier-Bressons Credo, die Gesamtheit des Seins in einem Porträt einzuschließen, realisiert der russische Fotograf Emil Gataullin in eindrucksvoller Weise.
    aufschlagseite aus emil gataullins "bis zum horizont", fotografiert von lukas friesenbichler

    Cartier-Bressons Credo, die Gesamtheit des Seins in einem Porträt einzuschließen, realisiert der russische Fotograf Emil Gataullin in eindrucksvoller Weise.

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