Playstation 4 Pro im Test: Starkes Upgrade, aber kein Muss

Test13. November 2016, 11:00
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Sonys neue Spielkonsole bringt schönere Grafik für PS4-Games zu einem fairen Preis. Doch für wen lohnt sich der Kauf wirklich?

Die neue Playstation 4 Pro ist Sonys größte, leistungsstärkste und mit einer unverbindlichen Preisempfehlung von 399 Euro Sonys teuerste Spielkonsole am Markt. Der Clou: Sie unterstützt die gleichen Games wie alle anderen PS4-Modelle, kann diese aber mit schönerer Grafik wiedergeben.

Davon sollen bis zur nächsten PlayStation-Generation vor allem all jene Konsumenten profitieren, die schon heute die höhere Auflösung von modernen 4K-Fernsehern genießen wollen. Wurde damit ob der technischen Implikationen mancherorts bereits das Ende der beständigen Spielkonsolenzyklen heraufbeschwört, erweist sich die PS4 Pro im Test als durchaus sinnvolle und weit weniger dramatische Ergänzung zur PlayStation 4. Schärfere Bilder hier, höhere Bildraten da, aber im Prinzip bleibt für die riesige PS4-Spielerschaft alles beim Alten. Wir haben uns angesehen, welche Vorzüge die PS4 Pro mit sich bringt, wo die Schwächen dieses Interims-Upgrades liegen und für wen sich der Kauf der neuen Konsole tatsächlich lohnt.

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Für Lesefaule: unser Videotest zur PS4 Pro.

Design

Äußerlich macht sich die PS4 Pro besonders durch ihre Größe bemerkbar. Sie bringt ein Kilogramm mehr auf die Waage als die PS4 Slim und sieht so aus, als hätte man eineinhalb Konsolen übereinander gestapelt. Ein massiger Tripeldecker, der in natura sehr hochwertig verarbeitet wirkt und Sonys neue Designsprache konsequent umsetzt – inklusive Lichtleiste und physischer Tasten. Dazu kommen einige praktische Ergänzungen wie ein zusätzlicher USB-3.0-Anschluss an der Rückseite. Und im Gegensatz zur PS4 Slim befindet sich dort auch ein optischer Audio-Ausgang. Der Tausch der internen Festplatte lässt sich abermals mit wenigen Handgriffen vornehmen. Erstmals wird diese mit der flotteren SATA 3-Schnittstelle angeschlossen, was sich allerdings nur bei modernen SSD-Festplatten durch kürzere Ladezeiten bemerkbar macht.

Neben allen notwendigen Kabeln sind der PS4 Pro ein Exemplar des neuesten Dualshock-4-Controllers und ein einfaches Headset beigelegt. Über den Klinke-Anschluss am Gamepad kann aber wie gehabt jedes beliebige Modell eingesetzt werden.

Hardware

Der massive Fußabdruck ist dem signifikanten Hardware-Upgrade geschuldet. Der Rechentakt der Prozessoren wurde erhöht und statt nur eines Grafikchips wie bei der PS4 arbeiten hier gleich zwei baugleiche GPUs. Damit ist eine theoretische Grafikleistung von 4,2 TFLOPs möglich. Die Standard-PS4 schafft 1,84 TFLOPs. Um mehr Videospeicher für hochauflösende Texturen freizuschaufeln, wurde überdies ein 1 GB großer DDR3-Arbeitsspeicher implementiert, der dem Hauptprozessor für allgemeine Aufgaben zur Verfügung steht. Für Spieldaten wird in der Standardausführung eine 1 TB große Festplatte verbaut.

Eine gut überlegte Architektur, die sicherstellt, dass alle bestehenden PS4-Games problemlos auf der PS4 Pro laufen und die Skalierung der Grafikeigenschaften für Spielhersteller nicht allzu komplex und kostspielig ausfällt. Machen Entwickler von den zusätzlichen Ressourcen Gebrauch, taktet die PS4 Pro höher und es kommt der zweite Grafikchip zum Einsatz. Ist dies nicht Fall, arbeitet die PS4 Pro mit den gleichen Spezifikationen wie die normale PS4. Das erklärt auch, weshalb der vergleichsweise hohe Nennwert für den maximalen Energieverbrauch von 310 Watt nur im Pro-Modus schlagend wird. Ist dies der Fall drehen dann aber auch die Lüfter auf, wodurch die neue Konsole deutlich hörbar ihr Werk verrichtet. Etwas weniger aufdringlich als die Original-PS4, mit der flüsterleisen Slim kann sie in Sachen Zurückhaltung jedoch nicht konkurrieren.

Pro-Modus

Für Konsumenten bedeuten all diese Neuerungen zunächst keine Änderungen in der Nutzung. Interface und Bedienung sind gleich geblieben. Wer über einen Fernseher mit 4K-Auflösung verfügt, kann die Bildausgabe in den Einstellungen adaptieren. Gleiches gilt für die Nutzung des erweiterten Farbraums mittels HDR. Wichtig: Um die beiden Features auskosten zu können, muss die PS4 Pro unbedingt mit einem HDMI 2.0-kompatiblen Kabel an den Monitor angeschlossen werden. Im Lieferumfang ist ein entsprechendes Kabel enthalten.

Grafikverbesserungen

Soweit, so einfach. Herauszufinden, welches Spiel ein Pro-Upgrade erhalten hat und wie dieses aussieht, ist schon ein wenig komplizierter. Denn ob Hersteller die erweiterten Rechenkapazitäten ausschöpfen oder nicht, ist ihnen überlassen. Ist dies der Fall werden Updates automatisch zum Download angeboten, sobald man das Spiel installiert. Zum Start bieten knapp 40 Werke einen Pro-Modus an, Updates für viele weitere Games bis 2017 und darüber hinaus sind Sony zufolge bereits in Arbeit.

Gegenwärtig beschränken sich die Verbesserungen hauptsächlich auf höhere Auflösungen sowie stabilere Bildraten. Vereinzelt weisen Spiele bei der Pro feinere grafische Effekte wie zusätzliche Partikel oder schönere Schatten auf. Während dies bei manchen Games für merklich schärfere Bilder sorgt, fallen die Unterschiede bei anderen Produktionen tatsächlich nur im Direktvergleich auf.

Für Full HD und PSVR

Unseren Tests nach zu urteilen, müssen sich Nutzer von herkömmlichen Full-HD-Fernsehern in erster Linie mit Optimierungen zufrieden geben. Bei "Rise of the Tomb Raider" beispielsweise rendert die PS4 Pro das Bild zunächst in einer höheren Auflösung und skaliert es dann auf 1080p herunter, wodurch praktisch kein Kantenflimmern mehr zu sehen ist. Eine Methode die auch beim Superheldenspiel "Infamous: Second Son" angewendet wird. In "Uncharted 4" kann man wiederum den Mehrspielermodus erstmals in vollen 1080p bei 60 Bildern pro Sekunde erleben. In "Battlefield 1" sorgt die zweite GPU dafür, dass die Grafik-Engine bei rechenlastigen Szenen die Auflösung nicht mehr herunterschrauben muss.

In diesem Spektrum siedeln sich auch die Verbesserungen bei PlayStation-VR-Games an. In "Thumper" oder "VR Worlds" etwa gibt es weniger Kantenflimmern durch höhere Auflösungen, ohne die Bildrate zu beeinträchtigen. Gerade ob der teils ziemlich pixeligen Grafik von VR-Spielen ist zu hoffen, dass die PS4 Pro hier künftig für mehr Feinschliff sorgen wird.

Für 4K-Fernseher

Klar ist allerdings, dass die Besitzer von 4K-Fernsehern die größten Nutznießer der PS4 Pro sind. Zwar unterstützen die wenigsten der verfügbaren Games die vierfach höhere Auflösung nativ, doch fortschrittliche Skalierungsmethoden wie "Checkerboard Upscaling" sorgen dennoch für eine sehr saubere Darstellung. Gerade bei großen Bildschirmen ab 55 Zoll machen sich die Unterschiede durch präzisere Details und schärfere Kanten bemerkbar. Da hilft es bereits, wenn Spiele schon einen vermeintlich kleinen Sprung von 1080p auf 1440p machen und dann hochskaliert werden – denn dabei sprechen wir immerhin schon von 70 Prozent mehr dargestellte Pixel. Alternativ bieten einige Games wie "The Witness" wiederum die Wahl zwischen Modi mit höherer Auflösung oder höherer Bildrate an.

HDR

Für farbenfrohere Bilder sorgt die Unterstützung der HDR-Technologie, die aktuell hauptsächlich von hochpreisigeren 4K-Fernsehern beherrscht wird. Bei Spielen wie "Ratchet & Clank" oder "The Last of Us" gehen dadurch in kontrastreichen Szenen weniger Details verloren und Himmel oder Sonnenuntergänge wirken noch eindrucksvoller. Wie intensiv das Erlebnis ausfällt, hängt dabei wesentlich vom eingesetzten Bildschirm ab. Als Faustregel gilt: Ums größer die Leuchtkraft und das Kontrastverhältnis des TV-Geräts, desto stärker kann der HDR-Effekt zum Tragen kommen. Für Testzwecke konnten wir zur Freude unserer Augen einen OLED-TV von LG heranziehen, aber auch hochwertige LED-Panele, wie sie bei Samsung, Sony oder anderen Herstellern verwendet werden, eignen sich gut für HDR. Billig ist dieser Augenschmaus jedoch durch die Bank noch nicht.

Limitierungen

Wie gut die Mehrleistung der PS4 Pro künftig ausgereizt werden kann, wird vor allem davon abhängen, wie schnell Entwickler mit der neuen Hardware umzugehen lernen. Blickt man auf Sonys hauseigene Produktionen "Horizon: Zero Dawn" und "Days Gone", stimmt die Aussicht auf das Jahr 2017 sehr positiv. Werden Games von Anfang an mit den Pro-Features im Hinterkopf umgesetzt, dürften die Vorzüge in Zukunft noch deutlicher ausfallen. Und das Schöne an dem Konzept ist: Zumindest theoretisch lassen sich Spiele per Updates auch nachträglich noch optimieren.

Gleichzeitig sollte man sich von der PS4 Pro keine neuen technischen Wunder erwarten. Denn wie groß die Verbesserungen bei Spielen ausfallen, wird zu einem Teil durch die strikten Richtlinien limitiert, die Sony Entwicklern vorgibt. Alle PS4-Pro-Spiele müssen inhaltlich identisch auch auf der normalen PS4 laufen, daher gibt die schwächere Hardware von Haus aus den Ton an. Und um in Multiplayer-Games Chancengleichheit zwischen PS4- und PS4-Pro-Spielern zu gewährleisten, müssen die Spiele auf beiden Systemen die gleiche Bildrate halten. Andererseits werden Entwickler nicht daran gehindert, bei den Auflösungen zu variieren.

4K Video ohne Discs

Ein überraschendes Versäumnis der PS4 Pro ist, dass kein Ultra-HD-Blu-ray-Laufwerk verbaut wurde. Anstelle dessen spielt die Konsole nur normale Blu-ray-Filme mit 1080p-Auflösung ab. Für 4K-Videos werden Nutzer auf Streaming-Dienste wie Netflix oder Youtube verwiesen.

Eine Entscheidung, die Sony getroffen hat, um Produktionskosten zu sparen und gleichermaßen viel über den sinkenden Stellenwert aussagt, den physische Datenträger bei Filmen heute noch haben. Angesichts der immensen Popularität von Netflix und Co. ist kaum vorstellbar, dass UHD-Blu-rays im Videobereich eine nennenswerte Rolle im Massenmarkt spielen werden. Dennoch ist es gerade für Cineasten enttäuschend, dass ihnen von Sonys neuer Konsole nicht einmal die Option geboten wird. Denn an die Bildqualität von Blu-rays kommen Videostreams selbst bei 4K-Auflösung ganz klar nicht heran.

Ein Hinweis am Rande: Um Streaming-Dienste auf der PS4 Pro nutzen zu können, muss in den Systemeinstellungen das Kopierschutzsystem HDCP aktiviert sein.

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Für Ungeduldige: unser Fazit zur Playstation 4 Pro.

Fazit

Für nur 100 Euro mehr bietet die PS4 Pro die doppelte Leistung wie die normale PS4 und ist für moderne 4K-Fernseher gerüstet. Selbst wenn die grafischen Unterschiede zum Start noch überschaubar ausfallen, wird damit ein sehr attraktives Preis/Leistungsverhältnis geboten. Besonders Neukunden, die sich schon länger eine PS4 kaufen wollten, ist der Griff zum Pro-Modell ans Herz zu legen. Obgleich bei Full-HD-Fernsehern die Vorzüge derzeit eher auf Optimierungen wie konstantere Bildraten und weniger Kantenflimmern beschränkt sind. Bei 4K-Bildschirmen machen sich die höheren Auflösungen hingegen schon deutlicher bemerkbar. Wer bereits eine PS4 sein Eigenen nennt und mit einem Upgrade liebäugelt, muss abwägen, ob die Vorteile eine weitere Anschaffung rechtfertigen. Sofern man mit den grafischen Qualitäten der PS4 zufrieden ist, kann man auf ein Pro-Upgrade getrost verzichten.

Wie bei jeder neuen Konsole gilt letzten Endes auch hier: Wie sehr Spiele von der besseren Hardware wirklich profitieren können, wird sich erst mit der Zeit zeigen. Auch, ob das Modell Mid-Generation-Upgrades von Konsolenspielern überhaupt angenommen wird. Unseren Testeindrücken zum Marktstart nach zu urteilen, scheint Sony mit der PS4 Pro jedenfalls eine faire Lösung gefunden zu haben, um Grafikliebhabern und technikaffineren Spielern noch etwas mehr Augenschmaus zu bescheren, ohne dass bestehende PS4-Besitzer das Gefühl haben müssen, etwas zu verpassen. (Zsolt Wilhelm, 13.11.2016)

Die Playstation 4 Pro ist um 399 Euro im Handel erhältlich und unterstützt alle PS4-Spiele.

Hinweis im Sinne der redaktionellen Leitlinien: Die PS4 Pro wurde für den Test von Sony zur Verfügung gestellt, der 4K-Fernseher LG 55B6V OLED von Media Markt Wien-Mitte. Manchmal bauen wir Amazon-Links in unsere Artikel ein. Wenn Sie über diese Links ein Produkt erwerben, erhält DER STANDARD eine kleine Kommission von Amazon – und Sie helfen uns dabei, unsere journalistische Arbeit zu finanzieren.

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Playstation 4 Pro (Amazon)

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