Trumps Vorlieben: New Yorker Bling-Bling-Faktor

12. November 2016, 15:00
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Während sich Sammler kommende Woche in New York um qualitätsvolle Kunstwerke der Impressionisten und Zeitgenossen matchen, gibt Donald Trump Reproduktionen den Vorzug

Am Tag der Präsidentschaftswahl und in den folgenden finden in New York keine wichtigen Versteigerungen statt. Alle vier Jahre verschieben die Marktführer Christie's und Sotheby's deshalb stets die Auktionstermine der Impressionist & Modern Art sowie Post War & Contemporary Sales um eine Woche.

Eine Tradition, die angesichts des für viele überraschenden Wahlausgangs gelohnt haben dürfte. Denn Emotionen spielen in diesem Business eine größere Rolle als vielfach angenommen. Je größer die durch politische oder wirtschaftliche Ereignisse hervorgerufene Irritation, desto geringer das Interesse am Kunstkauf.

Innert weniger Tage wird der erste Schock wohl dem branchenüblichen Pragmatismus weichen. Schließlich sollen gerade die Reichen ob der im Vorfeld von Donald Trump avisierten Steuerreform profitieren, womit dieser Klientel künftig mehr "Spielgeld" zur Verfügung stünde: pro Kopf und Jahr 275.000 Dollar, berechnete das Magazin Forbes.

Marmor und Gold

Indes halten sich Befürchtungen, wonach sich Trumps Vorliebe für protzigen Bling-Bling-Style zu einem regelrechten Trend entwickeln könnte, eindeutig in Grenzen.

Im dreistöckigen Penthouse dominieren Marmor und Gold. Ganz besonders viel Gold, 24 Karat dem Vernehmen nach. Die Gestaltung des Interieurs samt Möblage stammt von Angelo Donghia, dem auch als "Saint Laurent of sofas" bekannten Designer. Er schuf ein "The Donald" ebenbürtiges Heim im Stile des französischen Sonnenkönigs Louis XIV.

Der in annähernd jeder Homestory in den vergangenen Jahren erwähnte Renoir, dessen Wert der Hausherr gerne mit zehn Millionen Dollar beziffert, ist allerdings gar nicht echt. Das Original des berühmten Bildes La Loge (1874) weilt tatsächlich in einem Londoner Museum, im Bestand Courtauld Gallery, um genau zu sein. Melanias Arbeitszimmer ziert demnach eine Reproduktion.

Nicht die einzige übrigens, von den Möbelnachahmungen einmal abgesehen. Auktionssäle und Galerien gehörten bislang offenbar nicht zum Jagdrevier des Trump-Clans.

50-Millionen-Munch

Bei Christie's und Sotheby's stehen kommende Woche (ab 14. November) in wechselnder Abfolge Highlights der eingangs erwähnten Sparten auf dem Programm. Dass der vorläufige Höchstwert des laufenden Geschäftsjahres auf New Yorker Boden übertroffen wird, gilt als gesichert. Die Frage wird eher sein, in welcher Größenordnung.

An der Spitze der seit Jänner hier erteilten Zuschläge steht Jean-Michel Basquiats Untitled von 1982, das im Mai bei Christie's für 57,28 Millionen Dollar (inkl. Aufgeld) den Besitzer wechselte.

Den wahrscheinlichsten Thronfolger schickt Sotheby's ins Rennen: Edvard Munchs Pikene pa broen (Mädchen auf der Brücke) aus dem Jahr 1902. Zuletzt wurde dieses Ölgemälde 1996 und 2008 bei Sotheby's in New York versteigert, erzielte beim ersten Mal nur das Limit von 7,7 Millionen Dollar (5,97 Mio. Euro), zwölf Jahre später dann bereits 30,84 Millionen Dollar (19,87 Mio. Euro). Die aktuellen Erwartungen belaufen sich auf zumindest 50 Millionen, netto und exklusive Aufgeld des Auktionshauses.

Sotheby's hält seit 2012 den Rekord für ein Werk des norwegischen Künstlers, als man für eine von vier Versionen des legendären Sujets Der Schrei (1895), ein Pastell, stolze 119,92 Millionen Dollar erzielte. Exakt drei Jahre dauerte die Regentschaft als höchster Auktionswert in der Geschichte des internationalen Kunstmarktes.

Bei Kontrahent Christie's soll das nunmehr an den Start geschickte Zugpferd dem Vernehmen nach eine der größeren Geduldsproben gewesen sein. Quasi in letzter Minute erhielt man den Auftrag zur Versteigerung eines Heuhaufens von Claude Monet, eines der wenigen noch in Privatbesitz befindlichen Werke der 1890/91 entstandenen Serie, das nun etwa 45 Millionen Dollar einspielen soll. (Olga Kronsteiner, Album, 11.11.2016)

  • Edvard Munchs "Mädchen auf der Brücke" aus dem Jahr 1902 soll bei Sotheby's kommende Woche etwa 50 Millionen Dollar einspielen. 2008 hat es für etwas mehr als 30 Millionen den Besitzer gewechselt.
    foto: sotheby's

    Edvard Munchs "Mädchen auf der Brücke" aus dem Jahr 1902 soll bei Sotheby's kommende Woche etwa 50 Millionen Dollar einspielen. 2008 hat es für etwas mehr als 30 Millionen den Besitzer gewechselt.

  • Dieser Heuhaufen ist einer von mehreren, die Claude Monet 1891 schuf. Die Erwartungen von Christie’s belaufen sich auf etwa 45 Millionen Dollar.
    foto: christie’s

    Dieser Heuhaufen ist einer von mehreren, die Claude Monet 1891 schuf. Die Erwartungen von Christie’s belaufen sich auf etwa 45 Millionen Dollar.

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