Glosse "Wortkunde": Bestattung

Glosse13. November 2016, 09:00
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Um das Thema drückt sich natürlich jede und jeder, so lange es geht, aber irgendwann gilt es, sich mit seiner Bestattung auseinanderzusetzen. Zumindest, wenn man den Hinterbliebenen nicht noch jenseitig zur Last fallen möchte. Als Bestattung bezeichnet man die Verbringung sterblicher Überreste an einen fixen Ort. Wobei fix zusehends in Bewegung gerät.

Wien, zum Beispiel, erweitert gerade seinen Waldfriedhof. Immer mehr Menschen wollen in der Natur bestattet werden. Das taugt einer gesellschaftlichen Randgruppe ganz besonders: den Kannibalen. Die freuen sich über Waldfriedhöfe. Die dort gedeihenden Schwammerln gelten in der Neigungsgruppe als Delikatesse. Das ist, zugegeben, etwas geschmacklos beziehungsweise geschmacksintensiv, aber selbst normale Menschen wollen sich in der Natur verewigt wissen. Und das oft sogar an mehreren Stellen.

Ein Waldfriedhof erfüllt diesen Wunsch, bietet Beerdigungen nach allen vier Himmelsrichtungen. Dabei werden sterbliche Überreste auf vier verschiedene Ruhestätten aufgeteilt, im Bestatterjargon spricht man deshalb vom Waldviertler. Im Trend liegt zudem die Baumbestattung. Eine widersprüchliche Nomenklatur, denn es ist nicht die Bestattung eines Baumes gemeint, wobei, wenn aus diesem Särge gezimmert werden, ist diese Sichtweise ein Stück Holz weit erfüllt.

Nein, Baumbestattung meint die Beerdigung am Fuße eines Baumes. Zurück zu den Wurzeln, quasi. Zu den Bedenken gegen Naturbestattungen zählt die Sache mit den Tieren. Viele fürchten, ein Waldfriedhof könnte auf Wildtiere eine ähnliche Anziehungskraft haben wie auf unsereins eine Kantine. Doch diese Bedenken können in den meisten Fällen ausgeräumt werden.

Was bringt die Zukunft auf diesem No-Future-Markt? Bestatter wollen bei Beerdigungen künftig auf das individuelle Wesen einer verstorbenen Person eingehen. Da ist die Produktpalette noch überschaubar, ein Angebot aber gibt es bereits, jenes für verblichene Wutbürger. Ihnen bietet sich neuerdings die Möglichkeit einer Beerdigung in einem Grantscherben. (Karl Fluch, 13.11.2016)

  • Ein Waldfriedhof bietet Beerdigungen nach allen vier Himmelsrichtungen.
    foto: apa / herbert neubauer

    Ein Waldfriedhof bietet Beerdigungen nach allen vier Himmelsrichtungen.

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