Epochenübergreifender Spagat

11. November 2016, 16:15
posten

Angebotswandel bei Kunstmessen auch in Wien. Verkäufe stimmen optimistisch

Verkäufe stimmen optimistisch. Leistungsschau, das war einst ein im Umfeld von Kunst- und Antiquitätenmessen geläufiger Begriff. Er symbolisierte die Maxime der Aussteller, das Hochwertigste aus dem jeweiligen Schwerpunktbereich zum Verkauf zu offerieren. Dass dem letztlich nicht immer so war, lag in der Natur der Sache. Dass der Terminus längst ausgedient hat, ist wiederum kein jüngeres Phänomen, sondern der Entwicklung des Marktes geschuldet.

In Schönheit zu sterben, dieses wirtschaftliche Risiko kann sich der Handel angesichts schrumpfender Gewinnmargen und wachsender Konkurrenz nicht mehr leisten. Auf Messen wird deshalb mehrheitlich jene Warengattung präsentiert, die sich mit hoher Wahrscheinlichkeit verkaufen lässt. Das erklärt, warum der Anteil an Bildern und hier besonders Werke der Nachkriegsgeneration in den vergangenen Jahren stetig wuchs, während andere Segmente nahezu völlig verschwanden.

Ein Abbild dessen zeigen die am Wochenende zu Ende gehenden Verkaufsevents, sowohl die Wiener Internationale Kunst & Antiquitätenmesse (Palais Ferstel, Palais Niederösterreich) als auch die Art & Antique Hofburg Vienna.

Das einstige Spezialistentum hat vielfach ausgedient und teils den Weg zum Gemischtwarensortiment geebnet. Crossover ist der nun dafür gerne strapazierte Terminus. Etwa in den Reihen der Hofburg-Messe, wo dies geschmackssicher gelingen kann, aber auch nicht muss. Zu den Profis gehören hier Lilly Setzer oder der Kunsthandel Runge. Bei Ersterer war der epochenübergreifende Spagat von Antiquitäten bis zu zeitgenössischer Kunst von Anbeginn Konzept, bei Letzterem kam im Laufe des Jahres und über den Generationenwechsel eines gekonnt zum anderen.

Als Neuzugang in dieser Kategorie gilt Susanne Bauer, die das 20. Jahrhundert in seiner Vielfalt zu einem bunten wie gefälligen Cocktail zu mischen versteht. Eine erste Zwischenbilanz gibt der Programmausrichtung der Genannten recht.

Der Blickfang

Verkauft wurde sowohl an Stamm- als auch an allseits begehrte Neukunden. Im Falle Setzers langte mehrheitlich die Generation 50 plus bei Antiquitäten zu. Der Blickfang in Form eines Konsolenpaars aus dem 19. Jahrhundert, dessen Vorbilder aus dem 18. Jahrhundert im Buckingham Palace stehen, harrt mitsamt den blattvergoldeten Holzapplikationen für 42.000 Euro noch eines Interessenten.

Insgesamt sollen die Geschäfte gut laufen und wissen die Aufseher von kontinuierlichen Abtransporten zu berichten. Siegfried Kaiblinger, der aufgrund der kurzfristigen Absage eines ungarischen Kollegen den gesamten Wintergarten "tapezieren" durfte, hält bei 13 Verkäufen. Dichtauf folgen Giese & Schweiger, die zusätzlich zu ihrem Repertoire an Gemälden des 19. und frühen 20. Jahrhunderts eine Sonderschau mit Werken Oswald Oberhubers bieten, aus der, bis Donnerstag, nicht weniger als sieben Arbeiten verkauft wurden. Zusätzlich wanderten Bilder von Olga Wisinger-Florian, Carl Moll, Josef Gisela und Ferdinand Georg Waldmüller ab. Zum Vergleich: Der Ausflug nach München, wo man bei der "Highlights – Internationale Kunstmesse" (26.-30. 10.) gastierte, war mit nur zwei Verkäufen weniger erfolgreich verlaufen. (kron, 12.11.2016)

  • Winteridylle in Aquarell: 1921 schuf Ernst Nepo diese Gebirgslandschaft, für die 38.000 Euro veranschlagt sind.
    foto: galerie bei der albertina

    Winteridylle in Aquarell: 1921 schuf Ernst Nepo diese Gebirgslandschaft, für die 38.000 Euro veranschlagt sind.

  • Bereits am ersten Messewochenende verkaufte Susanne Bauer diesen um 1903 von Adolf Loos entworfenen und Friedrich Otto Schmidt produzierten Salontisch.
    foto: galerie susanne bauer

    Bereits am ersten Messewochenende verkaufte Susanne Bauer diesen um 1903 von Adolf Loos entworfenen und Friedrich Otto Schmidt produzierten Salontisch.

Share if you care.