Presserat: "Wochenblick" schürte Vorurteile gegen Flüchtlinge

11. November 2016, 10:43
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Verstoß gegen Pressekodex – FPÖ-naher "Wochenblick" brachte dunkelhäutigen Badegast ohne Anhaltspunkte in Zusammenhang mit sexuellen Übergriffen auf Kinder

Wien – Der Presserat hat das Online-Portal "wochenblick.at" verurteilt, weil es ihm zufolge Vorurteile gegen Flüchtlinge schürte. Das Medium habe gegen den Ehrenkodex für die österreichische Presse in Punkten Persönlichkeitsschutz, Intimsphäre sowie Schutz vor Pauschalverunglimpfungen und Diskriminierung verstoßen, teilte das mit Journalisten und Richtern besetzte Selbstkontrollorgan am Donnerstag mit.

"Wochenblick" hatte Ende August einen dunkelhäutigen Badegast in Zusammenhang mit sexuellen Übergriffen auf Kinder in Schwimmbädern gebracht, ohne dass es dafür irgendwelche Anhaltspunkte gab. "Das veröffentlichte Foto wird offenbar gezielt mit solchen Attacken in Verbindung gebracht, obwohl es nichts mit einer derartigen Attacke zu tun hat", so der Presserat-Senat. "Dem Autor ist es anscheinend darum gegangen, Vorurteile bei den Lesern zu verstärken." Der Presserat kritisierte auch den diskriminierenden Unterton des Artikels.

Früherer FPÖ-Gemeinderat

Der Presserat hat die Medieninhaberin von "wochenblick.at" aufgefordert, die vorliegende Entscheidung freiwillig zu veröffentlichen. Diese hat sich der Schiedsgerichtsbarkeit des Presserats bisher aber nicht unterworfen. Laut Impressum ist die Medien24 GmbH mit Sitz in Brunnenthal in Oberösterreich die Medieninhaberin von "wochenblick.at". Diese Firma gehört über die Emotion Media GmbH laut "FirmenCompass" zur Gänze dem Unternehmensberater Norbert Geroldinger. Geroldinger war Medienberichten zufolge früher FPÖ-Gemeinderat und blauer Parteiobmann in Brunnenthal.

"Wochenblick"-Chefredakteur Kurt Guggenbichler hatte in der Vergangenheit eine FPÖ-Nähe in Abrede gestellt. Gesellschafter seien Unternehmer, die sich im Hintergrund halten wollen, so Guggenbichler. Unter den Redakteuren finden sich allerdings ehemalige und aktive Funktionäre des Rings Freiheitlicher Jugend (RFJ), der blauen Parteijugend. Ein weiterer Redakteur ist Walter Höferl, der laut "profil" 2012 für die FPÖ Krems kandidierte. Höferls Sohn Alexander ist Leiter von FPÖ-TV, des freiheitlichen Kommunikationsbüros und Chefredakteur des rechten Blogs "unzensuriert.at". (APA, 11.11.2016)

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