24 Prozent der US-Wahlbevölkerung machten Trump zum Präsidenten

Infografik11. November 2016, 13:59
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Nur George W. Bush hatte annähernd so wenig Rückhalt in der Bevölkerung. Unüblich ist ein Prozentwert in dieser Höhe aber nicht

"Ich verspreche jedem Bürger dieses Landes, dass ich ein Präsident für alle Amerikaner sein werde – auch für jene, die mich in der Vergangenheit nicht unterstützt haben": Das verkündete Donald Trump zu Beginn seiner Siegesrede als designierter US-Präsident. Er richtete sich damit an jene drei von vier US-Amerikanern, die für Hillary Clinton gestimmt hatten, sich nicht registriert hatten oder vorab von der Wahl ausgeschlossen waren.

Auf ihrem Wahlzettel hatten den Republikaner lediglich 23,8 Prozent der US-Wahlbevölkerung angekreuzt.

In den USA leben gemäß aktueller Zensusberechnung 325 Millionen Menschen, davon sind 75 Millionen jünger als 18 Jahre. Es bleiben 251 Millionen Menschen im Wahlalter. Allerdings sind etwa 20 Millionen wegen einer Straftat von der Wahl ausgeschlossen oder keine US-Staatsbürger. Dazu kommen auch Personen, die außerhalb der Bundesstaaten leben – etwa in Puerto Rico. Sie sind nicht stimmberechtigt. Durch diese Einschränkung sind acht Prozent der US-Wahlbevölkerung vorab ausgeschlossen.

Damit die verbleibenden 232 Millionen Menschen dann tatsächlich ihre Stimmen abgeben dürfen, müssen sie sich registrieren. Diese Hürde ist in den einzelnen Bundesstaaten unterschiedlich hoch. Manche haben Fristen, die eingehalten werden müssen – manche nicht. Für einige Staaten reicht eine Registrierung am Wahltag – für North Dakota entfällt sie vollständig. Mehr über die Hindernisse auf dem Weg zur Stimmabgabe finden Sie hier.

foto: getty / jessica mcgowan
Vor vielen Wahllokalen bildeten sich lange Warteschlangen – wie hier in Georgia.

Das umständliche Wahlprozedere trägt auch nicht zu dazu bei, dass Amerikaner zur Wahlurne gehen. Das Misstrauen in politische Institutionen ist auf einem Rekordwert. Und sowohl Donald Trump als auch Hillary Clinton zählen zu den unbeliebtesten Präsidentschaftskandidaten, die es je gegeben hat.

146 Millionen US-Bürger oder 58 Prozent der Wahlbevölkerung haben sich trotzdem auf die Wahl eingelassen. 129 Millionen haben schließlich auch für Trump, Clinton oder einen der Drittkandidaten gestimmt. Grund für diese Diskrepanz sind klassische Nichtwähler-Motive:

  • keine Zeit,
  • keine Lust,
  • Krankheit.

Das hat das US-Meinungsforschungsinstitut Statistic Brain erhoben. Es bleiben jene 23,8 Prozent der Wahlbevölkerung, die tatsächlich Donald Trump angekreuzt haben, 23,9 Prozent waren es bei Hillary Clinton. Sie hat nach aktuellem Stand der Stimmenauszählung absolut gesehen mehr Wähler auf ihrer Seite, aber nicht genügend Wahlmänner für die Mehrheit im Electoral College.

Mehr Stimmen, trotzdem nicht Präsident

Zuletzt ist Al Gore im Jahr 2000 dieses Schicksal widerfahren. Auch damals hatte George W. Bush absolut gesehen weniger Wähler als sein Kontrahent. Er trat mit den Stimmen von 24 Prozent der Wahlbevölkerung seine erste Amtzeit an. Bis zur Wahl von Donald Trump war er der Präsidentschaftskandidat, der gemessen an der Wahlbevölkerung mit dem niedrigsten Zuspruch ins Weiße Haus eingezogen ist. Barack Obama mobilisierte 2008 etwa sechs Prozentpunkte der Wahlbevölkerung mehr als Donald Trump.

Im internationalen Vergleich ist die Wahlbeteiligung in den Vereinigten Staaten niedrig. Gegenüber 2012 ist die Wahlbeteiligung erneut um zwei Prozentpunkte gefallen.

Daten nach aktuellem Auszählungsstand am Freitag, 10 Uhr.

Unüblich ist ein Anteil von lediglich einem Viertel der Wahlberechtigten für einen Wahlsieger bei einer Abstimmung zwischen zwei Kandidaten nicht. Für Österreich würde diese Rechnung nicht viel besser aussehen. Ein Bundespräsident Alexander Van der Bellen käme mit den Stimmen der aufgehobenen Stichwahl vom 22. Mai auf 30,6 Prozent der Wahlbevölkerung über 16 Jahre, Norbert Hofer auf 30,2 Prozent. Die Demokratie lebt zwar von der Teilhabe ihrer Bürger, aber auch in Österreich sinkt der Anteil der Mitbestimmenden. Es dürfen zwar immer mehr Menschen wählen, aber immer weniger tun es. (Gerald Gartner, 11.11.2016).

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