Rudy Giuliani: Trumps loyaler Mann fürs Grobe

Kopf des Tages10. November 2016, 18:02
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New Yorks Exbürgermeister könnte US-Justizminister werden

Spätestens am Parteitag der Republikaner im Juli in Cleveland war klar: Rudy Giuliani ist Trumps Mann fürs Grobe. Seine Brandrede für eine Strafverfolgung der Demokratin Hillary Clinton in der E-Mail-Affäre brachte dem ehemaligen New Yorker Bürgermeister zwar viel Spott der Comedians ein, stellte aber auch klar, welche Rolle er in Trumps Wahlkampf spielte: nämlich die des Sprachrohrs und des Verteidigers der Trump’schen Sache. So eilte er dem umstrittenen republikanischen Kandidaten auch zu Hilfe, als dieser wegen seines Steuergebarens in der Kritik stand.

Ein "Genie" müsse Trump sein, um die Regeln des Steuersystems so geschickt auslegen zu können und jahrelang keine Steuern zu zahlen. Mit diesem Gerechtigkeitsempfinden und der Loyalität gegenüber Trump will er sich nun für das Amt des Justizministers empfehlen. Die Juristerei war auch schon vor seiner Wahl zum New Yorker Bürgermeister im Jahr 1993 sein Metier. Als Staatsanwalt stand er in dem Ruf kompromissloser Härte. In seinen acht Jahren als Bürgermeister (1994–2001) setzte Giuliani diese schonungslose Law-and-Order-Politik fort. Seine Sternstunde war dann zugleich eine der schwärzesten der USA.

Für sein Krisenmanagement nach den Anschlägen des 11. September 2001 erntete Giuliani international Respekt, das renommierte "Time"-Magazin kürte ihn zur Person des Jahres 2001. Fortan gefiel er sich in seiner Rolle als "America's Mayor". Rudolph William Louis Giuliani, geboren am 28. Mai 1944 als Sohn italienischer Einwanderer in Brooklyn, begann sein politisches Leben übrigens als Demokrat. Als er im Jahr 2000 gegen Clinton um den Sitz des Senators von New York antrat, war er allerdings längst ein überzeugter Republikaner. Seine Bewerbung zog er zurück, nachdem seine außereheliche Affäre mit seiner späteren dritten Frau – mit ihr hat er zwei Kinder – bekanntgeworden war. Seine damalige Gattin erfuhr von der bevorstehenden Scheidung übrigens über eine Pressekonferenz.

Auch den Vorwahlkampf um die republikanische Präsidentschaftskandidatur gab er 2008 bald auf und steckte alle Energie wieder in sein Beratungsunternehmen für Notfall- und Krisenmanagement. Dann ereilte den Bürgermeister Amerikas der Ruf Trumps. Das Risiko, das Giuliani mit der Unterstützung des parteiintern so ungeliebten republikanischen Kandidaten einging, wird sich jetzt wohl lohnen. (Manuela Honsig-Erlenburg, 10.11.2016)

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    foto: afp/giuliani
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