Oettinger: Europa muss mit einer digitalen Stimme sprechen

10. November 2016, 16:57
13 Postings

Bei 33. Vorarlberger Wirtschaftsforum : "Sonst werden wir im Sandwich zwischen USA und Asien zerdrückt"

Die Welt erlebe derzeit eine digitale Revolution und Europa brauche dringend eine gemeinsame digitale Strategie, "sonst werden wir im Sandwich zwischen USA und Asien zerdrückt". Das sagte der EU-Kommissar für digitale Wirtschaft und Gesellschaft und künftige EU-Haushaltskommissar, Günther Oettinger, Donnerstagnachmittag beim 33. Vorarlberger Wirtschaftsforum im Festspielhaus Bregenz.

Digitaler Umbruch

Nahezu alle Bereiche des Lebens sind laut Oettinger vom digitalen Umbruch betroffen, in rund zehn Jahren werde es viele gewohnte Strukturen – von TV-Sendern bis zu Bankfilialen – nicht mehr oder nicht mehr in der gewohnten Form geben, prognostizierte Oettinger: "Alles, was digitalisiert werden kann, wird digitalisiert". Um im internationalen Wettbewerb bestehen zu können oder möglichst selbst den Ton anzugeben, müsse Europa in dem Bereich weg von regionalen und lokalen Partikularinteressen: "Eine europäische digitale Strategie muss Priorität haben", forderte der EU-Kommissar. Eine wesentliche Voraussetzung sei die Ausbildung von genügend IT-Spezialisten. Nach seiner Information würden an den Universitäten zu wenig Studienplätze für Informatiker bereitgestellt: "Wir brauchen in der nächsten Generation aber mehr Kompetenz in Sachen Informations-Technologie".

Gratis-Kultur "trügerisch"

Die Gratis-Kultur des Internets sei trügerisch, warnte Oettinger und erinnerte daran, dass etwa ein User die Google-Zugänge letztlich mit der Bereitstellung seiner Daten bezahle. Ein Teil der Werbeeinnahmen im Internet müsse auch dem Sektor Kultur zukommen. In der von ihm so bezeichneten Kreativwirtschaft liege für Europa viel Potenzial, aber nur wenn die EU nicht mit 27, sondern mit einer Stimme spreche. Beim Datenschutz hätten nationale Einzelkämpfer keine Chance, erforderlich sei die Bündelung der Kräfte mit gemeinsamen Standards einer europäischen Datensicherheitsstruktur, forderte Oettinger.

Zum Ausgang der US-Wahl betonte Oettinger unter Beifall seinen Standpunkt, wonach das geeinte Europa "erwachsen" werden müsse, weil die Hilfe des großen Bruders USA nicht mehr selbstverständlich sei. Die Wahl sei entschieden, er hoffe, dass die Republikaner genügend Profis in ihren Reihen haben, die "verhindern, dass Donald Trump der Versuchung erliegt, das zu realisieren, was er im Wahlkampf gesagt hat". (APA, 10.11.2016)

Share if you care.