Neue Leitung nach Deutschland soll Stromengpass verhindern

10. November 2016, 17:47
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Die E-Control bringt eine neue Variante ins Spiel, um die drohende Auftrennung der Preiszone abzuwenden

Wien – Im Bemühen, die drohende Auftrennung der gemeinsamen Preiszone bei Strom und damit höhere Preise als in Deutschland zu verhindern, hat die Regulierungsbehörde E-Control eine neue Variante ins Spiel gebracht. Eine zusätzliche Leitung von Österreich nach Deutschland könne helfen, die Situation zu entschärfen, sagten die E-Control-Chefs Wolfgang Urbantschitsch und Andreas Eigenbauer am Donnerstag. Darüber hinaus behalte man sich alle rechtlichen Schritte vor.

Dienstagabend haben die Mitglieder der europäischen Stromregulierungsbehörde Acer mit der Gegenstimme des Vertreters aus Österreich, Urbantschitsch, einen Entscheidungsentwurf befürwortet, der ein Ende der gemeinsamen Strompreiszone mit Deutschland vorsieht. Nun steht nur noch die Unterschrift von Acer-Direktor Alberto Pototschnig aus – eine reine Formalität.

Bundesnetzagentur aktiv

Mit dem künstlichen Stromengpass an der deutsch-österreichischen Grenze hofft man, das polnische und tschechische Stromnetz entlasten zu können. Wegen fehlender Leitungen in Deutschland fließt der Strom aus den großen Windparks im Norden Deutschlands immer öfter über die Nachbarländer nach Süden. Experten bezweifeln aber, dass eine Strombewirtschaftung langfristig die Lösung des Problems ist. Nur ein Netzausbau könne helfen.

Mit der zusätzlichen Leitung nach Deutschland könne das Problem reduziert werden, glaubt man in Österreich. Das österreichische Teilstück der 380-Kilovolt-Leitung von St. Peter am Hart (OÖ) nach Isar/Ottenhofen ist kurz. Von der Grenze nach Simbach am Inn sind es 60 Kilometer, wofür es aber noch keine Genehmigung gibt. Den Einwand der Bundesnetzagentur in Bonn, dass die Leitung nichts bringe, kann Urbantschitsch nicht nachvollziehen: "Das sehen wir anders."

Die Bundesnetzagentur jedenfalls hat Ende Oktober die deutschen Übertragungsnetzbetreiber angewiesen, Maßnahmen zur Engpassbewirtschaftung vorzubereiten, die ab Mitte 2018 greifen sollen. (stro, 10.11.2016)

  • Eine neue Leitung nach Deutschland soll es richten, schlagen die E-Control-Chefs vor.
    foto: frank rumpenhorst/dpa

    Eine neue Leitung nach Deutschland soll es richten, schlagen die E-Control-Chefs vor.

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