"Hurrikan" Trump zieht nach Lateinamerika

10. November 2016, 15:52
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Mexikos Zentralbank kündigt Notmaßnahmen an, Regierung will Zusammenarbeit

Cusco – Entsetzen, Unsicherheit und Schweigen: Das waren die ersten Reaktionen in Lateinamerika auf den Wahlsieg von Donald Trump. Während am Mittwoch die offiziellen Reaktionen noch ungewöhnlich lange auf sich warten ließen, überschlugen sich in Medien und sozialen Netzwerken Analysten und Journalisten mit Kommentaren. "Ab Jänner wird sich Mexiko fühlen wie Taiwan, neben einem übermächtigen und feindlichen Nachbarn", twitterte der mexikanische Sicherheitsexperte Alejandro Hope.

Mexiko, das dank der Nordamerikanischen Freihandelszone (Nafta) 90 Prozent seines Außenhandels mit den USA abwickelt, wird von Trumps Wahlsieg am stärksten betroffen sein. Trump hat angedroht, Nafta neu zu verhandeln und sämtliche mexikanischen Importe mit einem Zoll von 35 Prozent zu versehen. Am Mittwoch wurde der Peso mit einem Rekordtief zum Dollar gehandelt – ein Wertverlust von 14 Prozent in wenigen Stunden. Mexikos Finanzminister und der Zentralbankchef kündigten am Mittwoch erste Notmaßnahmen an, um die Wirtschaft zu stabilisieren. Zentralbankchef Augustin Carstens hatte zuvor einen Sieg von Trump als "Hurrikan" bezeichnet.

"Partner" Mexiko

Dennoch hat die mexikanische Regierung am Mittwoch angekündigt, auch mit dem zukünftigen US-Präsidenten zusammenzuarbeiten. "Wir sind Verbündete, Partner und Nachbarn", sagte Staatschef Enrique Peña Nieto am Mittwoch nach einem Telefongespräch mit Trump. "Unsere Beziehung zu den USA endet nicht mit dem Triumph von Donald Trump", sagte Außenministerin Claudia Ruiz Massieu im Fernsehsender Televisa. Mexiko bereite sich allerdings auf verschiedene Szenarien vor, beispielsweise die Aufnahme zahlreicher ausgewiesener Migranten.

Der Journalist Rogelio Núñez sprach im Portal "Infolatam" von einer "Ära der Unsicherheit" für Lateinamerika. Trump habe kein Team, das sich mit Lateinamerika auskenne, und habe sich im Wahlkampf darauf beschränkt, Latinos und insbesondere Mexiko zu verunglimpfen. Er gehe davon aus, dass die Region keine Priorität genießen werde und die USA sich vom Rest Amerikas entfernen.

Letztlich sei aber unklar, welchen Weg Trump einschlage, sagte der Lateinamerikaexperte Michael Shifter von der Organisation Interamerikanischer Dialog. Seine Ankündigungen zu Kuba etwa schwankten zwischen wirtschaftlicher Annäherung und politischer Eiszeit. Trotzdem machten es Trumps systematische Beleidigungen gegenüber Lateinamerika schwierig, einigermaßen normale Beziehungen aufzubauen.

Zum Auftakt der Finalrunde in der Fußball-WM-Qualifikation empfängt die US-Mannschaft am Freitag (Ortszeit) in Columbus ausgerechnet Mexiko. (Sandra Weiss, 10.11.2016)

  • Peña Nieto will mit Trump zusammenarbeiten.
    foto: reuters/edgard garrido

    Peña Nieto will mit Trump zusammenarbeiten.

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