Initiative fordert freien Zugang zu Fahrzeugdaten für alle

10. November 2016, 12:54
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Sieben europäische Verbände verlangen rechtliche Rahmenbedingungen von EU-Kommission

Eine Initiative sieben europäischer Verbände rund um die Fahrzeugindustrie fordert von der EU-Kommission rechtliche Rahmenbedingungen, um den freien Zugang zu Fahrzeugdaten für alle Marktteilnehmer sicherzustellen. Als Lösung wird eine offene Telematik-Plattform vorgeschlagen. Fahrzeugbesitzer sollen entscheiden, wer auf welche Daten Zugriff erhält, hieß es am Donnerstag bei einer Pressekonferenz.

"eCall"

Ab 2018 müssen alle neuen Pkw in der EU verpflichtend über den Autonotruf "eCall" verfügen. Über eine eingebaute SIM-Karte werden die Fahrzeuge jederzeit online sein, erklärte Wolfgang Dytrich, Vorsitzender des Berufszweiges Großhandel mit Kfz-Teilen und Serviceeinrichtungen. Doch schon jetzt bieten Fahrzeughersteller eigene Notrufdienste in Kombination mit Mehrwertdiensten an. Dabei übermitteln Pkw permanent Fahrdynamikdaten bzw. für die Fahrzeugwartung relevante Daten an die Hersteller. Diese Praxis sei datenschutzrechtlich problematisch und könne auch zum Nachteil anderer Marktteilnehmer wie Werkstätten führen, erklärten die Experten des Landesgremiums Fahrzeughandel Wien bei der Pressekonferenz in Wien.

"Niemand weiß, wohin die Reise geht", konstatierte Dytrich. "Aktuell ist der Berufsstand des freien Teilehandels und der Bereich der Serviceeinrichtungen massiv gefährdet, wenn Fahrzeughersteller exklusiv den Zugriff und die Vermarktung der Fahrzeugdaten beanspruchen", sagte Dytrich. Die Folge wäre eine Wettbewerbsverzerrung, "die besonders dem Konsumenten eine Kostenoptimierung bei Wartung und Reparatur seines Fahrzeugs verwehrt", warnte Dytrich.

Nicht rechtskonform

Dytrich riet Kunden, schon jetzt beim Abschließen eines Kaufvertrags für ein neues Auto genau den Vertrag zu lesen. Denn viele Marken würden dadurch bereits jetzt sicherstellen, dass sämtliche Rechte der Daten an den Hersteller übergeben werden. Laut einem Experten der Datenschutzkommission im Bundeskanzleramt seien diese Zustimmungserklärungen nicht datenschutz- und dadurch auch nicht rechtskonform.

Georg Ringseis, Landesinnungsmeister der Fahrzeugtechnik Wien, befürchtete eine Monopolisierung, wenn Fahrzeughersteller exklusiv über die Daten verfügen. Das könne dazu führen, dass Autobesitzer nur noch in bestimmten Werkstätten ihre Pkw reparieren und warten lassen können. Für Konsumenten würde eine Monopolisierung einen Preisanstieg bedeuten. Noch sei es so, dass Kunden speziell bei älteren Fahrzeugen und dem Angebot des freien Teilehandels günstigere Reparaturleistungen erhalten.

Die sieben europäischen Verbände, darunter etwa auch der internationale Automobilverband FIA (Federation Internationale de l'Automobile), begrüßen den technologischen Fortschritt der vernetzten Fahrzeuge. Jedoch müsse der faire Wettbewerb gewährleistet sein und unabhängige Dienstleister den gleichen Zugang zu Fahrzeugdaten erhalten wie die Hersteller. Sie fordern eine offene Telematik-Plattform. Laut den Experten wird die Europäische Kommission voraussichtlich bis Juni 2017 über diese Gesetzesinitiative entscheiden. (APA, 10.11.2016)

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    foto: apa
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