Bis zu 900 Euro Einsparung bei Strom und Gas möglich

10. November 2016, 12:34
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Noch nie hat ein Wechsel zu einem neuen Strom- oder Gaslieferanten so viel an Einsparung gebracht. Am wechselfreudigsten sind die Oberösterreicher

Wien – Ärger mit dem bestehenden Strom- und Gaslieferanten oder schlicht Neugier, wie so ein Wechsel funktioniert: Das führten Kunden bisher häufig an, wenn sie über ihre Gründe für den Wechsel des Energielieferanten befragt wurden. Jetzt kommt zunehmend ein ökonomisches Motiv hinzu. Noch nie seit Beginn der Liberalisierung vor 15 Jahren konnten so hohe Einsparungen erzielt werden wie jetzt.

Im Durchschnitt könne ein Normhaushalt in Österreich (3.500 Kilowattstunden Strom, 15.000 kWh Gas) beim Wechsel zum jeweils günstigsten Anbieter 500 bis 600 Euro im Jahr einsparen. Das gaben die Geschäftsführer der E-Control, Wolfgang Urbantschitsch und Andreas Eigenbauer, am Donnerstag bei der Präsentation des Marktberichts bekannt.

In ausgewählten Regionen könne sich die Jahresrechnung sogar um bis zu 900 Euro verringern. Dies sei etwa in Linz oder Klagenfurt der Fall, wenn Haushalte von ihrem angestammten Versorger zum jeweils günstigsten Strom- und Gasanbieter wechselten und den Wechselrabatt beanspruchten. Da dieser immer nur für ein Jahr gewährt werde, sei es günstig, jährlich zu wechseln. Das sei unkompliziert und gehe großteils bereits online.

Unterschiedliche Wechselraten

In Westösterreich seien die Einsparmöglichkeiten vergleichsweise gering. Der Grund ist der, dass dort die angestammten Versorger verhältnismäßig günstig sind und die Preisdifferenz zu Newcomern deshalb kleiner ist.

In den ersten neun Monaten dieses Jahres haben 205.000 Haushalte ihren Lieferanten gewechselt, 40 Prozent mehr als in der Vergleichsperiode des Vorjahres. Nur 2014 gab es noch mehr Haushalte, die Verträge mit einem neuen Strom- oder Gaslieferanten abgeschlossen haben.

Am wechselfreudigsten im Verhältnis zur Kundenanzahl sind dem Bericht zufolge die Oberösterreicher. Von Jänner bis September 2016 haben 50.700 Haushalte ob der Enns gewechselt. Bei Strom lag die Wechselrate bei 4,2 Prozent; bei Gas haben 5,5 Prozent der Haushalte einen neuen Lieferanten gewählt. Auf Platz zwei liegt die Steiermark, gefolgt von Kärnten. Am meisten Haushalte in absoluten Zahlen, nämlich 62.500, haben sich in Wien um einen neuen Strom- oder Gaslieferanten umgeschaut. Die niedrigsten Wechselraten gab es im Berichtszeitraum in Tirol (1,2 Prozent), Salzburg und Vorarlberg (jeweils 0,8 Prozent).

Viele neue Anbieter

Ein Grund, warum das Einsparpotenzial heuer besonders hoch ist, liegt im Markteintritt vieler neuer Anbieter. Die haben das Preisgefüge zusätzlich in Bewegung gebracht. So sind bei Strom allein heuer acht neue Anbieter dazugekommen. Von den 150 Stromlieferanten, die von diversen Vergleichsportalen erfasst werden, sind 42 österreichweit tätig; insgesamt 43 haben heuer ihre Preise gesenkt. Bei Gas sind drei neue Anbieter hinzugekommen, womit die Gesamtzahl der Gaslieferanten auf über 40 gestiegen ist. Zwölf davon bieten österreichweit an. Die Preise gesenkt haben auch zwölf.

Beim reinen Energiepreis, der rund ein Drittel der Gesamtrechnung ausmacht, sieht die E-Control den Boden erreicht. Tendenziell gehe es mit den Preisen somit eher nach oben als nach unten. (Günther Strobl, 10.11.2016)

  • Bis September haben 40 Prozent mehr Verbraucher den Anbieter gewechselt als noch im Vorjahr.
    foto: jan woitas/dpa

    Bis September haben 40 Prozent mehr Verbraucher den Anbieter gewechselt als noch im Vorjahr.

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    grafik: apa
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