Nach Trump-Sieg: Journalisten fürchten um Pressefreiheit – und ihre Sicherheit

10. November 2016, 07:12
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Reporter ohne Grenzen appelliert an neuen US-Präsidenten

Washington – Nach dem Wahlsieg von Donald Trump äußern sich US-Journalisten besorgt, wie sie künftig ihren Beruf ausüben können. Die Journalistenorganisation Reporter ohne Grenzen hat den künftigen Präsidenten der USA aufgefordert, die Pressefreiheit zu respektieren. Der Republikaner habe im Wahlkampf immer wieder Journalisten schikaniert und gemobbt, kritisierte die weltweit agierende Organisation am Mittwoch in Paris.

Politico zitiert etwa eine Grafikerin des "Wall Street Journal", die sich in der US-Wahlnacht beim Verlassen des gemeinsamen Bürogebäudes mit Fox News in New York mit zwei Verbalübergriffen konfrontiert sah, die Trumps Aussagen über seinen handgreiflichen Umgang mit Frauen zitierten. Ein Trump-kritischer Journalist von "Slate" berichtet von Drohungen und Beschimpfungen per Mail und Twitter. Ein T-Shirt mit dem Aufdruck "Rope.Tree.Journalist – Some Assembly Required" ging durch die Medien.

foto: reuters / jonathan ernst
Bei einer Trump-Wahlveranstaltung in Minnesota.

Reporter ohne Grenzen warnt: Trumps Versuche, während seines Wahlkampfes die Pressefreiheit zu beschneiden, "haben ein beunruhigendes Signal für seine Präsidentschaft ausgesandt. Trump beleidigte und schikanierte Journalisten, die ihn negativ porträtierten oder harte Fragen stellten", kritisierte Reporter ohne Grenzen über den Wahlkampf des künftigen US-Präsidenten.

Medien juristisch verfolgen

Zugleich erinnerte die Organisation die nach ihren Angaben von Trump gemachte Ankündigung, dass er die Gesetze zum Vorwurf der Beleidigung oder üblen Nachrede ändern wolle, um Medien juristisch verfolgen zu können, wenn sie kritische Artikel schrieben.

Schon im März warnte Reporter ohne Grenzen vor Trumps Plänen. Sie fügten sich "in ein beunruhigendes Muster von Restriktionen Trumps gegen Journalisten. Schon unter Präsident Barack Obama habe die Pressefreiheit in den USA Schaden genommen, die vermehrt Investigativjournalisten und Whistleblowern verfolgten.

Klagen wie nie zuvor

Reporter ohne Grenzen zitierte damals Aussagen Trumps bei einer Wahlveranstaltung in Fort Worth (Texas) für den Fall seines Wahlsiegs angekündigt: "Ich werde unsere Gesetze über Verleumdung und üble Nachrede erweitern, so dass wir sie verklagen und eine Menge Geld gewinnen können, wenn sie absichtlich negative und scheußliche und verlogene Artikel schreiben." Wenn die "New York Times" oder die "Washington Post" einen skandalträchtigen Artikel schreibe, "können wir sie dann verklagen und Geld kassieren". Nach einer solchen Reform würden die Medien mit Klagen überzogen werden wie nie zuvor, zitierte Reporter ohne Grenzen Trump. (red, APA, 10.11.2016)

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