Wahlsieger Trump schaltet von Krawall auf Aussöhnung um

9. November 2016, 20:55
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Rivalin Clinton gesteht Niederlage ein – Republikaner verteidigen auch Mehrheit im Kongress

Washington – Nach einem erbitterten Wahlkampf schlägt der künftige US-Präsident Donald Trump versöhnliche Töne an. "Jetzt ist die Zeit gekommen, die Wunden der Spaltung zu heilen und als vereintes Volk zusammenzukommen", warb der Milliardär in seiner Siegesrede am Mittwoch um die Amerikaner, die für seine Rivalin Hillary Clinton gestimmt hatten.

Der Milliardär Trump versprach, er werde Präsident für alle Bürger sein. "Jeder Amerikaner wird die Chance haben, sein Potenzial auszuschöpfen." Er wolle die Nation einen und dabei auch diejenigen ins Boot holen, die ihn nicht unterstützt hätten. Auf Basis seines Wirtschaftsplans werde er das Wachstum verdoppeln. Außenpolitisch kündigte er an, mit allen Staaten zusammenzuarbeiten, die dazu bereit seien. Er wolle fair mit der Weltgemeinschaft umgehen, fügte jedoch hinzu: "Amerika wird sich mit nichts weniger als dem Besten zufriedengeben."

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Wenn Trump am 20. Jänner als Nachfolger von Barack Obama ins Weiße Haus einzieht, ist er mit 70 Jahren der älteste Präsident, der den Posten jemals neu übernommen hat. Er war mit der Botschaft angetreten, das Establishment in Washington zu entthronen und den kleinen Leuten Gehör zu verschaffen. Das bescherte ihm vor allem von älteren weißen Männern ohne höheren Bildungsabschluss und der Arbeiterschicht sowie der Bevölkerung in ländlichen Gebieten großen Zulauf. Trumps wichtigstes Versprechen lautete, Amerika wieder "groß zu machen".

Noch zu Beginn des Jahres hatte kaum jemand einen Sieg des für seine markigen Sprüche berüchtigten Milliardärs für möglich gehalten. Von vielen wurde er wegen seiner politischen Unerfahrenheit und seiner Vergangenheit als Star einer Reality-TV-Sendung belächelt. Selbst in der eigenen Partei stieß Trump wegen seiner Provokationen und umstrittenen Ansichten auf großen Widerstand. Er polterte gegen Einwanderer, beleidigte Frauen mit sexistischen Sprüchen und forderte den Bau einer Mauer an der Grenze zu Mexiko sowie ein Einreiseverbot für Muslime. Handelsabkommen will er kippen oder neu verhandeln – allen voran die Freihandelszone mit Kanada und Mexiko. Auch von ähnlichen Abkommen mit Pazifikstaaten und der EU hält er nichts.

Clinton bot Zusammenarbeit an

Clinton sprach von einer schmerzhaften und enttäuschenden Niederlage, bot Trump aber Zusammenarbeit an. "Ich hoffe, dass er ein erfolgreicher Präsident für alle Amerikaner sein wird." Man müsse ihm eine Chance geben, das Land zu führen. Zugleich forderte die frühere First Lady ihre Mitbürger auf, Werte wie Rechtsstaatlichkeit, Glaubensfreiheit und Gleichberechtigung zu verteidigen. Den Frauen machte sie trotz ihrer Niederlage Mut: "Wir haben immer noch nicht diese höchste Barriere genommen. Aber bald wird es so weit sein." Die 69-Jährige wäre die erste Frau im US-Präsidentenamt gewesen.

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Clinton verlor zwar die Wahl, erhielt aber Medienberichten zufolge mehr Stimmen als Trump. Dies ist beim Mehrheitswahlrecht möglich. Es wäre bereits das zweite Mal binnen 16 Jahren, dass der Wahlsieger nicht die meisten Stimmen auf sich vereinigt: Im Jahr 2000 verlor der Demokrat Al Gore die Präsidentenwahl gegen George W. Bush, obwohl er mehr Stimmen als der Republikaner bekommen hatte.

Mehrfach hatte es so ausgesehen, als ob Clinton das Rennen zu ihren Gunsten entscheiden müsste – etwa nachdem ein Video aus dem Jahr 2005 mit sexistischen Äußerungen Trumps auftauchte. Dennoch kämpfte sich der Geschäftsmann zurück, wobei er davon profitierte, dass auch Clinton alles andere als eine beliebte Kandidatin war. In der Schlussphase des Wahlkampfs kochte erneut die E-Mail-Affäre hoch, die Clintons Gegner gern als Beleg für deren Geheimniskrämerei ins Feld führten. Zwar wurde sie vom FBI entlastet, das änderte aber nichts daran, dass viele Amerikaner Clinton als Vertreterin des Establishments sehen, der man nicht vertrauen könne.

Obama: Friedliche Machtübergabe

US-Präsident Barack Obama will sich mit aller Kraft für eine friedliche Übergabe der Macht an seinen Nachfolger Donald Trump einsetzen. "Es ist kein Geheimnis, dass Trump und ich einige signifikante Unterschiede haben", sagte Obama am Mittwoch. "Aber denken wir acht Jahre zurück – auch George W. Bush und ich hatten einige solcher signifikanten Unterschiede." Trotzdem sei ein guter Übergang gelungen, so Obama. Daran wolle er sich ein Beispiel nehmen. "Ein friedlicher Übergang der Macht ist eines der wichtigsten Kennzeichen unserer Demokratie", sagte Obama.

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"Wir sind nicht zuerst Demokraten oder Republikaner, zuerst sind wir Amerikaner und Patrioten", sagte Obama. Das habe auch Trump in ihrem nächtlichen Telefongespräch zugesichert. Das habe ihn bewegt, sagte der Präsident. "Die Präsidentschaft ist größer als wir", sagte Obama. Für Donnerstag hat Obama Trump ins Weiße Haus eingeladen, um die weitere Übergabe zu besprechen.

Ryan: Trump wird geeinte Republikaner-Regierung führen

Der republikanische Spitzenpolitiker Paul Ryan hat den Wahlsieg von Donald Trump als "unglaublichste politische Errungenschaft" gewürdigt, die er bisher erlebt habe. "Trump hat die Politik auf den Kopf gestellt", sagte Ryan, der Vorsitzender des Abgeordnetenhauses ist, am Mittwoch in Janesville.

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Trump habe die Stimmung im Land erfasst wie kein anderer, "und er wird eine geeinte republikanische Regierung führen". Ryan hatte sich nach der Nominierung Trumps als Spitzenkandidat nur zögerlich hinter ihn gestellt. Später im Wahlkampf ging er dann erneut auf Distanz und lehnte gemeinsame Auftritte mit Trump ab, gab ihm jedoch bei der Wahl seine Stimme.

Zumindest in der ersten Hälfte seiner vierjährigen Amtszeit kann Trump auf die Unterstützung eines republikanisch dominierten Kongresses hoffen, denn den Demokraten gelang es nicht, die Mehrheit in wenigstens einer der beiden Kammern zu erobern. (red, 9.11.2016)

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