Christie, Giuliani, Gingrich: Wer in Trumps Regierung Minister werden könnte

Ansichtssache10. November 2016, 06:00
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Rudy Giuliani, der ehemalige Bürgermeister New Yorks, hat im Wahlkampf die Rolle des inoffiziellen Sprechers des Bauunternehmers gespielt. Bisweilen tat er es in einem Ton, der ihn wie ein Sprachrohr Trumps klingen ließ. Als massive Kritik aufkam, weil der Milliardär offenbar 18 Jahre lang keine Einkommenssteuer gezahlt hatte, indem er enorme Verluste geltend gemacht hatte, war es Giuliani, der ihn gegen alle Vorwürfe in Schutz nahm. In Wahrheit sei der Mann ein Genie, er habe Steuergesetze ausgenutzt, um sein Unternehmensimperium zu retten, sagte er. "Große Männer sind groß im Scheitern, und dann nehmen sie dieses Scheitern und verwandeln es in große Ergebnisse", fabulierte Giuliani und stellte den Baulöwen in eine Reihe mit Steve Jobs und Winston Churchill. Bevor er ins New Yorker Rathaus gewählt worden war, hatte sich Giuliani einen Namen als Staatsanwalt von kompromissloser, in den Augen seiner Kritiker überzogener Härte gemacht. Trump könnte ihn als Justizminister in seine Regierung berufen.

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Newt Gingrich war einst der republikanische Gegenspieler des demokratischen Präsidenten Bill Clinton. 1995 wurde er Vorsitzender (Speaker) des Repräsentantenhauses, nachdem er die Konservativen erstmals nach vier Jahrzehnten wieder zu einer Mehrheit in der Abgeordnetenkammer geführt hatte. Bei der diesjährigen Kandidatenauslese gehörte er zu den ersten Prominenten seiner Partei, die ins Lager Trumps überliefen. Der 73-Jährige wird als neuer Außenminister gehandelt. Denkbar ist aber auch, dass er als Strategieberater die Strippen zieht, ähnlich wie einst Karl Rove, der Wahlstratege des Präsidenten George W. Bush.

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Chris Christie, der Gouverneur New Jerseys, war als Gegner des New Yorker Tycoons ins Rennen um die Präsidentschaftskandidatur der "Grand Old Party" gegangen. Nachdem er chancenlos aufgegeben hatte, ergriff er demonstrativ für Trump Partei, mit Auftritten, die ihm den Vorwurf peinlicher Speichelleckerei eintrugen. Als konservativer Gouverneur eines Bundesstaats, in dem traditionell die Demokraten den Ton angaben, pflegt er den Ruf eines harten Sanierers, der aber auch Brücken über Parteigräben hinweg zu bauen versteht.

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Ein Skandal namens Bridgegate hat allerdings schwer an seinem Image gekratzt. Um einen Bürgermeister zu bestrafen, der nicht nach Christies Pfeife tanzte, löste dessen Stab einen Megastau aus. An einer Zufahrt zur George-Washington-Brücke, die New Jersey mit Manhattan verbindet und zu den meistbefahrenen des Landes zählt, ließ man kurzerhand mehrere Fahrbahnen sperren. Allein aus Rachemotiven, wie sich bald herausstellte. Christie leitet das Team, das in der Übergangsphase bis zur Vereidigung am 20. Jänner das neue Kabinett zimmert.

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Für das Verteidigungsressort oder das Amt des nationalen Sicherheitsberaters rechnet sich Michael Flynn gute Chancen aus, ein Ex-General, der während des Irakkrieges die Special Forces befehligte und zuletzt Chef des Militärgeheimdienstes war.

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Steven Mnuchin, ein früherer Goldman-Sachs-Banker, gilt als möglicher Kandidat für den Posten des Finanzministers.

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Abzuwarten bleibt, welche Rolle Carl Icahn spielt, ein Milliardeninvestor, über den der Wahlsieger seit geraumer Zeit sagt, er werde ihm zentrale Aufgaben in einer Administration Trump übertragen. (Frank Herrmann, 10.11.2016)

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