Mindestlohn im Handel steigt auf 1545 Euro

9. November 2016, 18:40
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Die Gehälter im Handel steigen 2017 um 1,33 Prozent. Junge Mitarbeiter profitieren stärker. Debatten um weniger Zuschläge und mehr Urlaub werden vertagt

Wien – Drei Tage lang wurde verhandelt. Mittwochabend einigten sich die Sozialpartner im Handel auf einen neuen Kollektivvertrag. für 500.000 Angestellte. Basis dafür war eine Inflationsrate von 0,8 Prozent. Einhellige Bilanz beider Seiten: Die Gespräche seien stets hart, aber fair verlaufen.

Im Schnitt steigen die Gehälter der Handelsmitarbeiter 2017 um 1,33 Prozent. Die Einstiegslöhne erhöhen sich um 1,45 Prozent. Die Lehrlingsentschädigung zieht um durchschnittlich 5,11 Prozent an."

Es ist ein Bekenntnis zur Jugend. Es war uns wichtig, hier etwas zu tun", sagt Iris Thalbauer, Geschäftsführerin der Sparte Handel der Wirtschaftskammer dem STANDARD. Auch Anita Palkovich, Verhandlerin auf Arbeitnehmerseite, spricht von einem Signal an die Jungen der Branche.

Einheitliches Einkommensschema

Wer bisher bis zu 1024 Euro im Monat verdiente, erhält nun 1,45 Prozent mehr. Für Gehälter bis zu 1943 Euro gibt es um 1,35 Prozent mehr. Dann flacht der Zuwachs ab. Lehrlinge können sich je nach Lehrjahr auf ein Plus von bis zu neun Prozent einstellen. Die Lehrlingsentschädigung wird zudem vereinheitlicht, künftig gibt es nur noch ein Einkommensschema. Im ersten Lehrjahr erhalten die Auszubildenden 570 Euro, im zweiten 720 Euro, im dritten 1.020 Euro und im vierten 1.070 Euro.

1545 Euro beträgt das Einstiegsgehalt im Handel nunmehr. 1700 Euro wollte die Gewerkschaft in möglichst raschen Schritten erreichen. "Davon sind wir noch weit entfernt", sagt Thalbauer. Aber die Betriebe müssten sich nach dem Plafond strecken. Der jetzige Abschluss ist aus ihrer Sicht "gerade noch tragbar".

Kein Teil des Pakets wurden jedoch rahmenrechtliche Anliegen. Sechste Urlaubswoche, Papamonat, die Übernahme der Internatskosten für die Berufsschule bleiben offene Forderungen der Gewerkschaft. Im Gegenzug wird vorerst auch nicht an den Zuschlägen für Abendschichten unter der Woche gerüttelt.

Neuer Anlauf für Reform

Alles das hat laut Thalbauer in KV-Verhandlungen nichts zu suchen. Vielmehr werde man diese Themen im Rahmen der Reform der Gehaltstafeln anpacken. "Wir wollen, dass hier was weitergeht." All diese Themen bleiben auf der Agenda, betont Palkovich. Nach Differenzen im Sommer, die zum Abbruch der Gespräche führten, gelte es nun, keine Zeit zu verlieren und Lösungen zu finden. (Verena Kainrath, 9.11.2016)

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