Expertin: Trump inszenierte erfolgreich "Hypermännlichkeit"

9. November 2016, 17:32
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Elisabeth Holzleithner über geschlechtsspezifische Gründe für die Niederlage Hillary Clintons und warum eine Frau an der US-Staatsspitze dennoch nicht undenkbar sei

Washington – Mit der Entscheidung für Donald Trump und gegen Hillary Clinton haben die US-WählerInnen auch die Chance auf die erste Frau an der Spitze des Staates verpasst. Elisabeth Holzleithner, Professorin für Gender Studies an der Uni Wien, sagt, dass Hillary Clintons Geschlecht mitentscheiden für ihre Niederlage war.

"Eine Frau hat es angesichts der typischen politischen Strukturen schwerer Präsidentin zu werden, was aber nicht heißt, dass es unmöglich ist", sagt Holzleithner. Für Männer sei es etwa selbstverständlich ein öffentliches Amt zu bekleiden, Frauen seien hingegen "mit Rollenanforderungen – etwa der Mutterrolle – konfrontiert, die der Idee eines öffentlichen Amtes zuwiderlaufen", so die Leiterin des Instituts für Rechtsphilosophie.

Stehvermögen und widerwärtige Tweets

Zudem existiere immer noch der Glaube, "dass Frauen es nicht bringen", sagt Holzleithner. Darauf habe Trump im Wahlkampf immer wieder angespielt, etwa wenn er behauptete, Clinton "hat das Stehvermögen nicht" ("She doesn't have the stamina"). "Er hat sie auch regelmäßig auf ihr Frau-Sein reduziert und darauf, dass sie die Frau von Bill Clinton ist. In einem besonders widerwärtigen Tweet meinte er etwa, sie sei ja nicht einmal fähig, ihren Ehemann zu befriedigen."

Trump habe hingegen "seine Hypermännlichkeit inszeniert, was offenbar auch bei einem Teil der Frauen sehr gut ankommt", erklärt Holzleithner. "Das vermittelt den Eindruck, er habe die Stärke, die Macht und auch die Durchschlagskraft, um Dinge in Bewegung zu setzen."

Anti-Establishment-Stimmen

Laut von US-Medien veröffentlichten Nachwahlbefragungen, schlug Clinton bei Frauen insgesamt Trump zwar um zwölf Prozent, von Frauen ohne Collegeabschluss stimmten jedoch 60 Prozent für den Republikaner. Dies zeige einerseits, dass eine Stimme für Trump eben auch eine Anti-Establishment-Stimme gewesen sei, sagt Holzleithner. Andererseits "ist es ein Irrglaube zu denken, dass Frauen wegen ihres Frau-Seins eine Frau wählen", so die Rechtsphilosophin.

Daraus lasse sich jedoch keinesfalls ableiten, "dass die USA noch nicht bereit für eine Frau an der Spitze sind", betonte die Gender-Expertin. "Es heißt nur, dass es diese Frau nicht geschafft hat, hinreichend zu mobilisieren." Dies zeige sich auch daran, dass es Clinton nicht gelungen sei, ihr vorübergehendes Umfragehoch nach der Veröffentlichung sexistischer Äußerungen Trumps – der Multimilliardär hatte erklärt, er könne mit Frauen alles machen, weil er berühmt sei – zu halten.

Sexismus befördert

70 Prozent der Wähler haben in Nachwahlbefragungen zwar angegeben, die Aussagen Trumps hätte sie "sehr oder etwas gestört". "Aber es hat sie wohl nicht hinreichend gestört", so Holzleithner. Zudem könnte dies den Ruf des Republikaners "als starken Mann, der sich nimmt, was er will" sogar noch befördert haben. "In Teilen haben die Menschen Trump wohl gewählt, obwohl er sexistisch ist und in Teilen, weil er sexistisch ist." (Das Gespräch führte Barbara Essig/APA, 9.11.2016)

  • Sexistische Aussagen könnten den Ruf des Republikaners "als starken Mann, der sich nimmt, was er will" sogar noch befördert haben, sagt Elisabeth Holzleithner, Professorin für Gender Studies an der Uni Wien.
    foto: apa/afp/laura segall

    Sexistische Aussagen könnten den Ruf des Republikaners "als starken Mann, der sich nimmt, was er will" sogar noch befördert haben, sagt Elisabeth Holzleithner, Professorin für Gender Studies an der Uni Wien.

  • Laut von US-Medien veröffentlichten Nachwahlbefragungen, schlug Clinton bei Frauen insgesamt Trump zwar um zwölf Prozent, von Frauen ohne Collegeabschluss stimmten jedoch 60 Prozent für den Republikaner.
    foto: apa/afp/timothy a. clary

    Laut von US-Medien veröffentlichten Nachwahlbefragungen, schlug Clinton bei Frauen insgesamt Trump zwar um zwölf Prozent, von Frauen ohne Collegeabschluss stimmten jedoch 60 Prozent für den Republikaner.

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