"Before I Wake": Die Angst vor dem Erwachen

9. November 2016, 15:53
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Mike Flanagans im Horrorgenre angesiedeltes Regiedebüt erzählt von existenziellen Verlusten

Was Linderung verspricht, bringt die Misere oft erst zum Eskalieren. Der Sohn von Jessie (Kate Bosworth) und Mark (Thomas Jane) ist bei einem Unfall ums Leben gekommen, nun soll ein Adoptivkind die Erlösung aus der drückenden Trauer ermöglichen. Ins Haus kommt Cody (großartig: Jacob Tremblay), der schon einige Adoptivelternpaare hinter sich hat. Bei einigen ist der Verbleib ungeklärt. Und er weigert sich zu schlafen.

foto: polyfilm
Noch zaubert der neue Sohn blaue Schmetterlinge ins Zimmer, dann kommt der schwarze Mann.

Dass das alles nicht gutgehen kann, ist klar, nicht nur, weil bereits der Prolog von Before I Wake klarmacht, dass wir uns hier in den Koordinaten des Horrorgenres bewegen. Zuerst schweben Schmetterlinge durchs Wohnzimmer, zur Freude der Eltern. Was Cody träumt, wird Wirklichkeit, seine Schlaflosigkeit ist der Versuch, die Monster in Schach zu halten. Bald kehrt der leibliche Sohn zurück. Dann kommt der schwarze Mann.

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Überzeugend als psychologisch kluger Horrorfilm ist das Regiedebüt von Mike Flanagan vor allem in der ersten Hälfte: Der unbewusste Auftrag an den Ziehsohn, die Eltern wieder glücklich zu machen, ist es, der die Monster gebiert. Das dekliniert der Film sehr schön durch, danach zerfasert er vorübergehend – bis hin zu einer Rückblende, die das Drama des Buben zeigt und unheimlich anrührend, ja tränentreibend geraten ist.

Das lässt vermuten, dass Flanagan weniger an einem effektiven Horrorfilm interessiert war – als solcher funktioniert Before I Wake nur bedingt -, sondern an einer Erzählung über existenzielle Verluste, exploitative Eltern sowie kindliche Wut und Trauer. Und diese ist ihm gut gelungen. (mold, 9.11.2016)

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