"Call of Duty: Infinite Warfare" im Test: Bombastischer Sternenkrieg, der nichts bewegt

Rezension10. November 2016, 11:54
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Wie Activisions Weltraum-Shooter auf der Stelle tritt und zunehmend den Anschluss an die Konkurrenz verliert

Der Markt für Ego-Shooter ist in diesem Jahr umkämpfter als jemals zuvor: "Battlefield 1" und "Titanfall 2" punkteten mit spannenden und gleichermaßen unterschiedliche Ansätzen. "Call of Duty: Infinite Warfare" komplettiert das Shooter-Trio, hat es aber zweifellos am schwersten.

Bereits bei der Ankündigung erntete das Science-Fiction-Abenteuer deftige Sprüche von Seiten der Community und auch einige Tage nach dem Start sieht es ganz danach aus, als wäre die sonst so eingeschworene Fangemeinde noch nicht mit dem neuen Ableger warm geworden. Anders kann man sich den massiven Spielereinbruch im Vergleich zum Vorgänger "Black Ops 3" nicht erklären.

Mehr Story als gedacht

An Eifer und Inhalten mangelt es "Call of Duty: Infinite Warfare" jedenfalls nicht. Die sechs- bis achtstündige Kampagne wirft Spieler mitten hinein in den interstellaren Konflikt zwischen der United Nations Space Alliance und der abgrundtief bösen Settlement Defense Front, angeführt durch Admiral Salen Kotch. Der durch "Game of Thrones"-Star Kit Harington dargestellte Oberschurke schafft es leider kaum seiner Armee ein wirkliches Gesicht zu verleihen. Vielmehr wirken die Truppen der SDF klischeehaft und wenig gelungen.

Der Spieler wiederum übernimmt die Rolle von Captain Nick Reyes. Anders als in anderen Ablegern der Serie springt "Infinite Warfare" nicht zwischen mehreren Protagonisten hin und her. Stattdessen kontrolliert man lediglich Reyes und kämpft Seite an Seite mit Computer-Kameraden wie Roboter Eth.3n oder Soldatin Salt. Die Charakterdarstellung kommt ohne Pathos aus und gerade deshalb erscheinen die Helden diesmal weitaus nahbarer als in früheren Teilen.

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Video: Story-Trailer zu "Call of Duty: Infinite Warfare"

Das alte Spiel, nur eben im Weltall

Dem Science-Fiction-Setting trägt "Infinite Warfare" ebenfalls Rechnung. Als mobile Einsatzzentrale fungiert nun der Raumkreuzer Retribution. Spieler können diesen erkunden und beispielsweise im Quartier Videoberichte anschauen oder in der Waffenkammer die eigene Ausrüstung begutachten. In Nebenmissionen klaubt man sich nämlich nun zusätzliche Aufsätze, Visiere und andere Extras zusammen. Einziger Nachteil: Der Plot verliert dadurch merklich an Schwung. Das liegt nicht zuletzt an den opulent inszenierten, aber spielerisch chaotischen Raumschlachten. Die Ausflüge mit den Jackal-Kampfgleitern erweisen sich als enorm unübersichtlich und tragen kaum etwas sinnvolles zur Serie bei.

Immerhin bieten die normalen Bodenmissionen genau das, was "Call of Duty"-Spieler erwarten: Laute Action, jede Menge Explosionen und hübsch anzusehende Schauplätze. Dass man sich immer noch zumeist von einer größeren Arena und einem Kontrollpunkt zum nächsten angelt, sollte niemanden ernsthaft wundern. Gadgets wie das Hack-Tool zum Übernehmen von Robotern oder Schaumwände für künstliche Deckungen lockern das Einerlei auf. Die Kampagne ist ordentlicher Spielspaß, wirkt aber zuweilen überladen und wenig auf den Punkt gebracht. Schlecht ist sie deshalb nicht, aber reicht längst nicht an die Cleverness und den Ideenreichtum eines "Titanfall 2" heran.

Keine Kompromisse

Auch bei den übrigen Spielvarianten traut Infinity Ward der eigenen Courage nicht so ganz. Der Zombie-Modus im wilden 80er-Jahre-Themenpark mit David Hasselhoff ist aufgrund kreativer Spielereien wie etwa dem Benutzen von Wurfbuden zwar enorm spielenswert, rangiert aber im Grunde auf ähnlichem Niveau wie der des Vorgängers. Trotzdem: Für launige Partien im Couch-Koop oder im Online-Betrieb lohnt das motivierende Vorarbeiten durch die fantasievoll gestalteten Karten allemal.

Bei den Mehrspieleroptionen geht Infinity Ward auf Nummer sicher. Die mitgelieferten Karten sind erstklassig designt, aber gerade die flotte Jetpack-Action funktioniert in "Titanfall 2" einfach besser und wurde dort konsequenter umgesetzt. Viel zu oft klappen nämlich die so genannten Wall-Runs – also Sprints an Wänden – nicht und sorgen gerade bei Anfängern für Frustmomente. Indes setzt "Infinite Warfare" weiter auf das bewährte Pick10-Prinzip zum Ausrüsten des eigenen Online-Soldaten, ersetzt aber Klassen durch Kampfanzüge. Einen wirklich Unterschied macht das aber kaum! Auch die Spielmodi selbst bleiben nahezu identisch und bieten abseits von "Verteidiger" kaum Ausbrüche nach oben.

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Video: Trailer zu "Call of Duty: Modern Warfare – Remastered"

Fazit

"Call of Duty: Infinite Warfare" bleibt in diesem Jahr lediglich der dritte Platz hinter "Battlefield 1" und "Titanfall 2". Die wenigen frischen Ideen wie beispielsweise die Nebenmissionen und die Flugeinlagen in der Kampagne zünden leider längst nicht so wie erhofft. Die spielerischen Schwächen und das insgesamt zu blutleere Baller-Gameplay zerstören die durchaus hübsch präsentierten Momente des ordentlichen Plots. Ähnlich ergeht dem bislang stets hochgelobten Multiplayer-Anteil. Dieser stagniert auf hohem Niveau, setzt aber trotz großem Umfangs keine neuen Akzente. Lediglich der Zombie-Modus, wenn auch ebenfalls arm an Neuerungen, überzeugt auf ganzer Linie und lieferten puren Spielspaß in einem kreativen Setting ab. (Olaf Bleich, 10.11.2016)

"Call of Duty: Infinite Warfare" ist ab 18 Jahren für PC, Xbox One und PS4 erschienen. UVP: ab 49,99 Euro. Dazu gibt es "Call of Duty: Infinite Warfare" auch als "Legacy Edition" mitsamt "Call of Duty: Modern Warfare – Remastered".

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